Kurz gesagt: Eine gewerbliche Photovoltaikanlage rechnet sich 2026 vor allem über den Eigenverbrauch. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ersetzt Netzstrom für 16 bis 27 Cent, während die Einspeisung ins Netz bei einer 100-kWp-Anlage im Schnitt nur rund 6,1 Cent pro Kilowattstunde bringt (anteilige EEG-Vergütung, Stand Februar bis Juli 2026). Bei Investitionskosten von 80.000 bis 105.000 Euro netto für 100 kWp und einer Eigenverbrauchsquote von 40 bis 70 Prozent ergeben sich statische Amortisationszeiten von etwa 6 bis 10 Jahren und eine interne Verzinsung (IRR) von rund 9 bis 15 Prozent über 25 Jahre Betriebsdauer. Entscheidend ist das Lastprofil: Eine Bäckerei mit früher Tageslast erreicht andere Werte als ein Bürogebäude, das am Wochenende leer steht. Dieser Ratgeber rechnet ein 100-kWp-Beispiel vollständig durch, zeigt typische Eigenverbrauchsquoten nach Branche und erklärt, wie Du Kapitalwert und IRR selbst ermittelst.
Den Überblick über Programme und Zuschüsse liefert der Ratgeber zur Photovoltaik-Förderung für Gewerbe, die steuerliche Seite behandelt der Beitrag zur PV-Steuer im Gewerbe.
Das Wichtigste in Kürze
- Systempreise 2026: 100-kWp-Aufdachanlagen kosten schlüsselfertig etwa 800 bis 1.050 Euro pro kWp netto, ab 250 kWp sinken die Preise auf 700 bis 900 Euro pro kWp.
- Ertrag: In Deutschland liefern gewerbliche Dachanlagen je nach Standort und Ausrichtung rund 850 bis 1.050 kWh pro kWp und Jahr.
- Eigenverbrauch schlägt Einspeisung: Gewerbestrom kostet laut BDEW-Strompreisanalyse (Stand Februar 2026) im Mittel 27,15 ct/kWh für kleinere Gewerbekunden, Neuabschlüsse der mittelständischen Industrie liegen um 16,7 ct/kWh. Die Einspeisung bringt bei 100 kWp anteilig ca. 6,1 ct/kWh.
- Amortisation: je nach Eigenverbrauchsquote und Strompreis meist 6 bis 10 Jahre, danach über 15 Jahre nahezu reiner Ertrag.
- Rendite: interne Verzinsung (IRR) über 25 Jahre typischerweise 8 bis 15 Prozent, in günstigen Konstellationen darüber.
- Ab 100 kWp gilt die Direktvermarktungspflicht: Der Strom wird dann über einen Dienstleister an der Börse vermarktet, Details im Ratgeber Photovoltaik-Direktvermarktung.
Diese Kennzahlen entscheiden über die Wirtschaftlichkeit
Wirtschaftlichkeit ist bei Photovoltaik im Gewerbe keine Bauchentscheidung, sondern das Ergebnis von sechs Eingangsgrößen. Wer sie sauber erhebt, kann die Rechnung auf einem Blatt Papier nachvollziehen:
- Investitionskosten (Euro pro kWp, schlüsselfertig inklusive Montage, Wechselrichter, Unterkonstruktion, Netzanschluss)
- Spezifischer Ertrag (kWh pro kWp und Jahr am Standort)
- Eigenverbrauchsquote (Anteil des Solarstroms, der direkt im Betrieb verbraucht wird)
- Strombezugspreis (Cent pro kWh, netto, inklusive Netzentgelte und Umlagen)
- Einspeisevergütung beziehungsweise Vermarktungserlös für den Überschuss
- Betriebskosten (Wartung, Versicherung, Monitoring, Rücklagen: erfahrungsgemäß 1 bis 2 Prozent der Investition pro Jahr)
Aus diesen Größen entstehen die drei Kennzahlen, mit denen Banken, Steuerberater und Energieberater rechnen:
Statische Amortisationszeit
Die einfachste Kennzahl: Investition geteilt durch jährlichen Nettoertrag. Sie beantwortet die Frage, nach wie vielen Jahren die Anlage ihr Geld wieder eingespielt hat. Ihre Schwäche: Sie ignoriert, was nach der Amortisation passiert, und bewertet den Zeitwert des Geldes nicht.
Kapitalwert (NPV)
Der Kapitalwert zinst alle künftigen Zahlungsströme auf heute ab. Ist er bei einem realistischen Kalkulationszins (im Mittelstand oft 4 bis 6 Prozent) positiv, lohnt sich die Investition gegenüber der Alternative, das Geld anders anzulegen.
Interner Zinsfuß (IRR)
Der IRR ist der Zinssatz, bei dem der Kapitalwert genau null wird, also die effektive Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Er macht die PV-Anlage mit anderen Investitionen vergleichbar: Ein IRR von 12 Prozent bedeutet, dass die Anlage das Kapital über die Laufzeit mit durchschnittlich 12 Prozent pro Jahr verzinst.
Die Eigenverbrauchsquote ist der mit Abstand stärkste Hebel. Zwischen 30 und 70 Prozent Eigenverbrauch liegen bei einer 100-kWp-Anlage schnell 5.000 bis 7.000 Euro Ertragsunterschied pro Jahr, mehr als jede Modulpreis-Verhandlung bewegen kann.
Kosten: Was eine gewerbliche PV-Anlage 2026 kostet
Die Systempreise für gewerbliche Aufdachanlagen sind in den vergangenen Jahren deutlich gefallen. 2026 gelten für schlüsselfertige Anlagen (netto, ohne Speicher) folgende Bandbreiten:
| Anlagengröße | Preis pro kWp (netto) | Gesamtkosten (netto) | Typische Dachfläche |
|---|---|---|---|
| 30 kWp | 1.000 - 1.300 € | 30.000 - 39.000 € | 150 - 200 m² |
| 100 kWp | 800 - 1.050 € | 80.000 - 105.000 € | 500 - 700 m² (Flachdach) |
| 250 kWp | 700 - 900 € | 175.000 - 225.000 € | 1.300 - 1.700 m² |
| 750 kWp | 650 - 850 € | 490.000 - 640.000 € | ab 4.000 m² |
Die Spannen erklären sich durch Dachtyp (Flachdach mit Ballastierung ist meist günstiger als Trapezblech mit Sonderbefestigung), Regionalfaktoren und die Frage, ob Netzanschluss- oder Statikarbeiten anfallen. Ab etwa 135 kWp Einspeiseleistung kommt zusätzlich das Anlagenzertifikat hinzu, das mehrere Tausend Euro kosten kann. Hinzu kommen laufende Betriebskosten von 1 bis 2 Prozent der Investitionssumme pro Jahr für Wartung, Versicherung, Monitoring und gegebenenfalls Reinigung.
Wichtig bei der Finanzierung: Über den KfW-Kredit 270 lassen sich bis zu 100 Prozent der Investitionskosten zu langfristig planbaren Konditionen finanzieren, der Antrag läuft über die Hausbank und muss vor Vorhabensbeginn gestellt werden. Steuerlich können Betriebe mit Gewinnen bis 200.000 Euro über Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung nach § 7g EStG einen großen Teil der Kosten früh geltend machen, Details dazu im Ratgeber Photovoltaik-Abschreibung.
Erträge: Eigenverbrauch, Einspeisung und die anteilige EEG-Vergütung
Auf der Ertragsseite stehen zwei Ströme: der selbst verbrauchte Strom, der teuren Netzbezug ersetzt, und der Überschuss, der eingespeist oder vermarktet wird.
Der Wert des Eigenverbrauchs
Laut BDEW-Strompreisanalyse zahlen kleinere Gewerbekunden (Abnahme um 10.000 kWh pro Jahr) Anfang 2026 im Schnitt 27,15 ct/kWh. Mittelständische Industriebetriebe mit Neuabschlüssen liegen bei rund 16,7 ct/kWh, Großverbraucher darunter (Quelle: BDEW-Strompreisanalyse, Stand Februar 2026). Jede selbst verbrauchte Solar-Kilowattstunde spart genau diesen Bezugspreis, inklusive Netzentgelten, Umlagen und Stromsteueranteilen, die auf den Eigenverbrauch aus der eigenen Dachanlage nicht anfallen.
Die EEG-Vergütung für den Überschuss
Für Anlagen bis 100 kWp gibt es die feste Einspeisevergütung nach EEG. Die Sätze gelten für Neuanlagen mit Inbetriebnahme von Februar bis Juli 2026 und werden anteilig auf die Anlagenleistung angewendet (Quelle: Bundesnetzagentur, EEG § 48):
| Leistungsanteil | Überschusseinspeisung | Volleinspeisung |
|---|---|---|
| bis 10 kWp | 7,78 ct/kWh | 12,35 ct/kWh |
| über 10 bis 40 kWp | 6,73 ct/kWh | 10,35 ct/kWh |
| über 40 bis 100 kWp | 5,50 ct/kWh | 10,35 ct/kWh |
Die Vergütung wird anteilig gemischt: Eine 100-kWp-Anlage erhält für die ersten 10 kWp den hohen Satz, für die nächsten 30 kWp den mittleren und für die restlichen 60 kWp den niedrigen. Rechnerisch ergibt das für Überschusseinspeisung:
(10 × 7,78 + 30 × 6,73 + 60 × 5,50) / 100 = 6,10 ct/kWh Mischvergütung
Zum 1. August 2026 sinken die Sätze durch die halbjährliche EEG-Degression um 1 Prozent. Wer den Netzanschluss vorher schafft, sichert sich die aktuellen Werte für 20 Jahre. Alle Details und die Entwicklung der Sätze stehen im Ratgeber zur Einspeisevergütung. Ab mehr als 100 kWp installierter Leistung gilt statt der festen Vergütung die Pflicht zur Direktvermarktung über das Marktprämienmodell.
Das Gefälle zwischen Strombezug (16 bis 27 ct/kWh) und Einspeisevergütung (ca. 6,1 ct/kWh bei 100 kWp) ist der Kern der gesamten Wirtschaftlichkeitsrechnung: Eigenverbrauch ist je nach Tarif drei- bis viermal so viel wert wie Einspeisung.
Volleinspeisung als Sonderfall
Für Gebäude fast ohne Stromverbrauch, etwa unbeheizte Lagerhallen oder verpachtete Dächer, bleibt die Volleinspeisung mit 10,35 ct/kWh (Anteile über 10 kWp) eine Option. Die Rechnung ist dann eine reine Renditebetrachtung ohne Eigenverbrauchshebel: Bei 950 €/kWp Investition, 950 kWh/kWp Ertrag und 10,35 ct/kWh Vergütung liegen die Bruttoerlöse bei rund 98 Euro pro kWp und Jahr, nach Betriebskosten bleiben etwa 80 bis 85 Euro. Das entspricht einer statischen Amortisation von 11 bis 12 Jahren und einem IRR von etwa 6 bis 7 Prozent, solide, aber klar unter den Eigenverbrauchsszenarien. Wichtig: Die Entscheidung zwischen Voll- und Überschusseinspeisung muss vor der Inbetriebnahme dem Netzbetreiber gemeldet werden und gilt dann jeweils für ein Kalenderjahr.
Ab 135 kWp: Anlagenzertifikat einplanen
Wer über die 100-kWp-Beispielgröße hinaus plant, sollte zwei Schwellen kennen: Ab mehr als 100 kWp greift die Pflicht zur Direktvermarktung (der Erlös bleibt ähnlich, es kommen 0,1 bis 0,4 ct/kWh Vermarktungsentgelt hinzu), und ab 135 kW Einspeiseleistung verlangt der Netzbetreiber ein Anlagenzertifikat B, dessen Erstellung mehrere Tausend Euro kostet und Monate dauern kann. Beide Posten gehören in die Wirtschaftlichkeitsrechnung größerer Projekte, ändern aber nichts am Grundbefund, dass größere Anlagen pro kWp günstiger produzieren.
Eigenverbrauchsquote: Typische Werte nach Branche
Die Eigenverbrauchsquote hängt davon ab, wie gut das Lastprofil des Betriebs zur Sonnenkurve passt. Wer tagsüber viel Strom braucht, verwertet den Solarstrom direkt. Wer abends oder nachts arbeitet, speist mehr ein. Die folgenden Bandbreiten sind Planungswerte aus der Praxis für Anlagen, die auf den Jahresverbrauch abgestimmt dimensioniert sind. Belastbar wird der Wert für Deinen Betrieb erst durch eine Lastganganalyse (Viertelstundenwerte vom Messstellenbetreiber oder aus dem Energiemanagement):
| Branche / Nutzung | Lastprofil | Typische Eigenverbrauchsquote |
|---|---|---|
| Bäckerei, Metzgerei | früher Arbeitsbeginn, Kühlung, Backöfen bis in den Nachmittag | 60 - 80 % |
| Lebensmittelhandel / Supermarkt | Kühlung rund um die Uhr, lange Öffnungszeiten | 60 - 80 % |
| Kühllogistik | konstante Kühllast, tagsüber Verladung | 50 - 70 % |
| Produktion (1-Schicht) | Maschinenlaufzeit 6 bis 16 Uhr | 45 - 60 % |
| Logistik ohne Kühlung | Tore, Förder- und Ladetechnik tagsüber, Wochenende schwach | 40 - 55 % |
| Hotel / Gastronomie | Küche mittags, Klimatisierung, Wäsche | 40 - 60 % |
| Büro / Verwaltung | IT und Klima wochentags 8 bis 18 Uhr, Wochenende leer | 30 - 45 % |
Zwei Faustregeln helfen bei der Einordnung: Erstens sinkt die Eigenverbrauchsquote, je größer die Anlage im Verhältnis zum Verbrauch ausgelegt wird, gleichzeitig steigt aber der absolute Nutzen. Es ist deshalb oft wirtschaftlicher, das Dach voll zu belegen und eine niedrigere Quote zu akzeptieren, als die Anlage klein zu halten. Zweitens verschiebt eine Ost-West-Belegung auf dem Flachdach die Erzeugung in Morgen- und Abendstunden und passt damit besser zu Betrieben mit langer Tageslast als eine reine Südausrichtung mit Mittagsspitze.
Beispielrechnung: 100-kWp-Anlage komplett durchgerechnet
Das Basisszenario rechnet eine typische 100-kWp-Aufdachanlage auf einer Gewerbehalle in Mitteldeutschland durch. Alle Werte sind netto und bewusst konservativ angesetzt:
| Position | Annahme |
|---|---|
| Investition (schlüsselfertig) | 95.000 € (950 €/kWp) |
| Jahresertrag | 95.000 kWh (950 kWh/kWp) |
| Eigenverbrauchsquote | 50 % (47.500 kWh) |
| Strombezugspreis | 20 ct/kWh netto |
| Einspeisevergütung (Mischsatz) | 6,10 ct/kWh |
| Betriebskosten | 1.400 €/Jahr (ca. 1,5 % der Investition) |
Daraus ergibt sich die Jahresrechnung:
- Ersparnis durch Eigenverbrauch: 47.500 kWh × 0,20 € = 9.500 €
- Einspeiseerlös: 47.500 kWh × 0,061 € = 2.898 €
- Betriebskosten: −1.400 €
- Jährlicher Nettoertrag: rund 11.000 €
Die statische Amortisation liegt damit bei 95.000 € / 11.000 € = rund 8,6 Jahren. Über eine Betriebsdauer von 25 Jahren summieren sich die Nettoerträge, selbst mit einer Moduldegradation von 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr und einem Wechselrichtertausch nach 12 bis 15 Jahren (kalkulatorisch 8.000 bis 12.000 Euro), auf ein Mehrfaches der Investition. Die interne Verzinsung liegt im Basisszenario bei etwa 10 bis 11 Prozent. Steigt der Strompreis über die Laufzeit, verbessert sich das Ergebnis weiter; die Rechnung oben unterstellt konstante Preise.
Seriöse Angebote rechnen mit realistischen Eigenverbrauchsquoten aus dem Lastgang, nicht mit Wunschwerten. Eine um 10 Prozentpunkte zu optimistisch angesetzte Quote verschiebt die Amortisation schnell um mehr als ein Jahr. Lass Dir die Annahmen im Angebot immer offenlegen.
Branchenvergleich: Bäckerei, Logistik und Büro im direkten Vergleich
Wie stark das Lastprofil die Wirtschaftlichkeit verschiebt, zeigt der Vergleich von drei Betrieben mit identischer 100-kWp-Anlage (95.000 € Investition, 95.000 kWh Ertrag, 1.400 € Betriebskosten), aber unterschiedlichen Eigenverbrauchsquoten und Stromtarifen:
| Szenario | EV-Quote | Strompreis | Ersparnis EV | Einspeiseerlös | Nettoertrag/Jahr | Amortisation | IRR (25 J.) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Bäckerei | 70 % | 22 ct/kWh | 14.630 € | 1.739 € | 14.969 € | 6,3 Jahre | ca. 15 % |
| Logistik | 55 % | 18 ct/kWh | 9.405 € | 2.608 € | 10.613 € | 9,0 Jahre | ca. 10 % |
| Büro | 40 % | 21 ct/kWh | 7.980 € | 3.477 € | 10.057 € | 9,4 Jahre | ca. 9,5 % |
Der Vergleich zeigt dreierlei. Erstens: Die Bäckerei profitiert doppelt, hohe Quote und relativ teurer Stromtarif treffen zusammen, die Anlage verdient fast 15.000 Euro im Jahr. Zweitens: Die Logistikhalle hat trotz mittlerer Quote eine solide Rendite, weil das große, günstig belegbare Flachdach die Investitionskosten pro kWp drückt; hier ist oft sogar eine deutlich größere Anlage sinnvoll. Drittens: Selbst das Bürogebäude mit schwachem Wochenendverbrauch bleibt klar wirtschaftlich, die Amortisation rückt nur näher an die 10-Jahres-Marke. Unwirtschaftlich wird gewerbliche PV 2026 erst bei sehr niedrigen Eigenverbrauchsquoten unter etwa 20 Prozent in Kombination mit günstigen Industriestromtarifen.
IRR und Kapitalwert: So rechnest Du wie die Bank
Für die Kreditentscheidung und den Vergleich mit anderen Investitionen reichen statische Kennzahlen nicht. So gehst Du vor:
Schritt 1: Zahlungsreihe aufstellen
Im Jahr 0 steht die Investition als Auszahlung (im Beispiel −95.000 €). In den Jahren 1 bis 25 stehen die Nettoerträge (Ersparnis plus Einspeiseerlös minus Betriebskosten). Realistisch ist, die Erträge mit der Moduldegradation von etwa 0,4 Prozent pro Jahr leicht abzuschmelzen und in Jahr 13 einen Wechselrichtertausch von rund 10.000 Euro einzuplanen.
Schritt 2: Kapitalwert berechnen
Jede Jahreszahlung wird mit dem Kalkulationszins i auf heute abgezinst: Kapitalwert = Summe aller Zahlungen dividiert durch (1 + i) hoch Jahr. Mit 5 Prozent Kalkulationszins bleibt im Basisszenario nach 25 Jahren ein deutlich sechsstelliger positiver Kapitalwert, die Investition schlägt die Alternativanlage klar.
Schritt 3: IRR ablesen
Der interne Zinsfuß ist der Zins, bei dem der Kapitalwert null wird. In Tabellenkalkulationen übernimmt das die Funktion IKV beziehungsweise IRR. Für das Basisszenario (95.000 € Investition, rund 11.000 € Jahresertrag, 25 Jahre) ergibt sich ein IRR von etwa 10,5 Prozent; mit Wechselrichtertausch und Degradation etwa 9,5 bis 10 Prozent.
Zwei Vergleichsmaßstäbe helfen bei der Einordnung: Der KfW-Kreditzins für Programm 270 lag 2026 je nach Bonität ab etwa 4 bis 5 Prozent effektiv. Liegt der IRR der Anlage deutlich darüber, verdient die fremdfinanzierte Anlage vom ersten Jahr an Geld (positiver Leverage-Effekt). Und: Die Stromgestehungskosten einer 100-kWp-Anlage liegen bei rund 950 €/kWp Investition und 25 Jahren Laufzeit bei etwa 4 bis 6 ct/kWh, ein Bruchteil jedes Gewerbestromtarifs.
Stellschrauben: So verbessert sich die Wirtschaftlichkeit weiter
1. Dach voll belegen statt klein planen
Die spezifischen Kosten pro kWp sinken mit der Größe, Gerüst, Anfahrt und Planung fallen ohnehin an. Selbst wenn die Eigenverbrauchsquote dadurch sinkt, steigt der absolute Ertrag fast immer. Grenzen setzen Statik, Netzanschlusskapazität und ab 100 kWp die Direktvermarktungspflicht.
2. Lasten in die Sonnenstunden verschieben
Kälteaggregate vorkühlen, Ladeprozesse für Stapler und E-Fahrzeuge in die Mittagszeit legen, Druckluft und Warmwasser tagsüber erzeugen: Ein einfaches Energiemanagement hebt die Eigenverbrauchsquote oft um 5 bis 15 Prozentpunkte, ganz ohne Speicher.
3. Speicher gezielt einsetzen
Ein Batteriespeicher lohnt sich im Gewerbe vor allem in zwei Fällen: wenn relevanter Verbrauch in Abend- und Nachtstunden liegt oder wenn teure Lastspitzen gekappt werden können (Peak Shaving senkt den Leistungspreis). Als reiner Eigenverbrauchs-Booster verlängert er die Amortisation anfangs oft leicht. Welche Systeme und Preise aktuell marktüblich sind, zeigt der Stromspeicher-Vergleich.
Ein durchgerechnetes Speicher-Beispiel zur Einordnung: Ergänzt die Bäckerei aus dem Branchenvergleich einen 60-kWh-Gewerbespeicher für rund 25.000 Euro netto, steigt ihre Eigenverbrauchsquote von 70 auf etwa 85 Prozent. Der zusätzliche Eigenverbrauch von gut 14.000 kWh ersetzt Einspeisung (Differenz 22 minus 6,1 gleich 15,9 ct/kWh) und bringt damit rund 2.260 Euro Mehrertrag pro Jahr. Der Speicher allein amortisiert sich so in etwa 11 Jahren, deutlich langsamer als die PV-Anlage selbst. Kommt aber eine Lastspitzenkappung hinzu, die den Leistungspreis um 20 kW reduziert (bei typischen 100 bis 200 Euro pro kW und Jahr also 2.000 bis 4.000 Euro), halbiert sich die Speicher-Amortisation. Deshalb gilt: Speicher im Gewerbe immer über beide Effekte rechnen, nie nur über die Eigenverbrauchssteigerung.
4. Steuerliche Instrumente mitnehmen
Investitionsabzugsbetrag (bis 50 Prozent vorab), Sonderabschreibung (bis 40 Prozent) und der Nullsteuersatz bei der Umsatzsteuer verbessern nicht den Betriebsertrag, aber die Liquidität und die Rendite nach Steuern erheblich. Die Programme und Voraussetzungen erklärt der Ratgeber zur PV-Förderung für Gewerbe.
5. Angebote hart vergleichen
Zwischen dem günstigsten und teuersten seriösen Angebot für dieselbe 100-kWp-Anlage liegen in der Praxis regelmäßig 15.000 bis 25.000 Euro. Bei identischen Komponenten entscheidet der Preis pro kWp; bei unterschiedlichen Komponenten zählen Modulgarantien, Wechselrichterqualität und die Montagedetails der Unterkonstruktion.
Sensitivitätsanalyse: Was die Rechnung kippen kann und was nicht
Jede Wirtschaftlichkeitsrechnung steht und fällt mit ihren Annahmen. Bevor Du eine Investitionsentscheidung triffst, solltest Du wissen, wie empfindlich das Ergebnis auf einzelne Parameter reagiert. Die folgende Tabelle variiert das Basisszenario (100 kWp, 95.000 € Investition, 50 % Eigenverbrauch, 20 ct/kWh) jeweils in einem einzigen Parameter und zeigt die Wirkung auf Amortisation und IRR:
| Variation | Nettoertrag/Jahr | Amortisation | IRR (25 J.) | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| Basisszenario | 11.000 € | 8,6 Jahre | ca. 10,5 % | Referenz |
| Strompreis 25 statt 20 ct/kWh | 13.375 € | 7,1 Jahre | ca. 13 % | starker Hebel |
| Strompreis 15 statt 20 ct/kWh | 8.623 € | 11,0 Jahre | ca. 8 % | immer noch tragfähig |
| EV-Quote 60 statt 50 % | 12.323 € | 7,7 Jahre | ca. 12 % | starker Hebel |
| EV-Quote 40 statt 50 % | 9.677 € | 9,8 Jahre | ca. 9 % | spürbar, nicht kritisch |
| Investition 110.000 statt 95.000 € | 11.000 € | 10,0 Jahre | ca. 9 % | Angebotsvergleich lohnt |
| Ertrag 870 statt 950 kWh/kWp | 10.075 € | 9,4 Jahre | ca. 9,5 % | Standortfrage, planbar |
Drei Erkenntnisse aus der Sensitivitätsbetrachtung: Erstens sind Strompreis und Eigenverbrauchsquote die dominanten Hebel, beide wirken direkt auf den größten Erlösblock. Zweitens bleibt die Anlage selbst im ungünstigsten Einzelszenario (15 ct/kWh Strompreis) mit rund 8 Prozent IRR über typischen Finanzierungskosten. Drittens: Erst wenn mehrere Parameter gleichzeitig kippen, etwa niedrige Quote plus günstiger Industrietarif plus teures Angebot, rutscht die Rendite in unattraktive Bereiche. Genau diese Kombination solltest Du im Angebotsprozess einmal bewusst durchrechnen, als konservatives Worst-Case-Szenario.
Nicht in der Tabelle, aber real: Die Strompreisentwicklung über 25 Jahre. Die Rechnung oben unterstellt konstante Preise. Historisch sind Gewerbestrompreise über lange Zeiträume eher gestiegen; jede angenommene Preissteigerung von 1 bis 2 Prozent pro Jahr verbessert IRR und Kapitalwert weiter. Seriös ist, die Anlage ohne Preissteigerung zu rechnen und Steigerungen als Sicherheitspuffer zu betrachten, nicht als Verkaufsargument.
Finanzierung: Eigenkapital, KfW-Kredit oder Contracting
Die Wirtschaftlichkeit der Anlage und die Art ihrer Finanzierung sind zwei getrennte Entscheidungen. Drei Wege sind im Mittelstand üblich:
Eigenkapital
Die einfachste Variante: volle Rendite, keine Zinskosten, aber gebundene Liquidität. Sinnvoll, wenn das Geld nicht anderweitig höher verzinst arbeiten kann. Der IRR der Anlage (im Basisszenario rund 10 Prozent) ist der Maßstab: Gibt es im Betrieb Investitionen mit höherer Rendite, gehören sie zuerst finanziert.
KfW-Kredit 270
Der Standardweg: bis zu 100 Prozent Fremdfinanzierung über die Hausbank, Laufzeiten bis 30 Jahre, effektive Zinsen 2026 je nach Bonität ab etwa 4 bis 5 Prozent. Liegt der Anlagen-IRR bei 10 Prozent und der Kreditzins bei 5 Prozent, verdient jeder fremdfinanzierte Euro die Differenz, ohne Liquidität zu binden. Ein Zahlenbeispiel: Bei 95.000 € Kreditsumme, 5 Prozent Zins und 15 Jahren Laufzeit liegt die Annuität bei rund 9.150 € pro Jahr, also unter dem Nettoertrag von 11.000 €. Die Anlage trägt ihren Kapitaldienst von Jahr eins an selbst, danach fließt der volle Ertrag in den Betrieb. Wichtig: Der Antrag muss vor Vorhabensbeginn über die Hausbank gestellt werden.
Contracting / Mietmodell / On-site-PPA
Ein Dritter baut, finanziert und betreibt die Anlage auf Deinem Dach, Du kaufst den Strom zu einem vertraglich fixierten Preis (2026 üblich: 11 bis 13 ct/kWh bei On-site-Lieferung). Vorteil: keine Investition, kein Betriebsrisiko. Nachteil: Die Marge des Contractors schmälert Deinen Vorteil deutlich, über 20 Jahre summiert sich das auf einen sechsstelligen Betrag gegenüber der Eigeninvestition. Contracting ist die richtige Wahl, wenn Kapital und Managementkapazität knapp sind, nicht, wenn maximale Wirtschaftlichkeit das Ziel ist. Wer gar keinen eigenen Strombezug braucht, kann die Fläche stattdessen komplett abgeben; die Konditionen dafür zeigt der Ratgeber zur Dachpacht für Photovoltaik.
Bei Eigeninvestition lassen sich Investitionsabzugsbetrag (bis 50 Prozent vorab) und Sonderabschreibung (bis 40 Prozent) nach § 7g EStG kombinieren, sofern der Gewinn 200.000 Euro nicht übersteigt. Das verbessert nicht den Betriebsertrag, aber Liquidität und Nachsteuerrendite erheblich.
Von der Lastganganalyse zum Angebot: So gehst Du vor
Der belastbare Weg zur Investitionsentscheidung folgt einer festen Reihenfolge. Wer sie einhält, vermeidet die beiden häufigsten Fehler: Anlagen, die am Verbrauch vorbei dimensioniert sind, und Angebote, die sich mangels gemeinsamer Datenbasis nicht vergleichen lassen.
- 1. Lastgang besorgen: Betriebe mit registrierender Leistungsmessung (ab 100.000 kWh Jahresverbrauch Standard) erhalten die Viertelstundenwerte vom Messstellenbetreiber oder Energieversorger, meist kostenlos als CSV-Datei. Kleinere Betriebe können über ein Energiemonitoring vier bis acht Wochen messen; zusammen mit den Monatsrechnungen ergibt das ein brauchbares Bild.
- 2. Dachpotenzial klären: Statik (Flachdach: Reserven für 15 bis 25 kg/m² Ballastierung), Dachzustand, Verschattung, verfügbare Fläche. Bei Hallen aus den 1970er- bis 1990er-Jahren ist die Statikprüfung der häufigste Engpass.
- 3. Simulation rechnen lassen: Aus Lastgang und Dachdaten simuliert der Fachbetrieb (oder ein unabhängiger Energieberater) stundenscharf Eigenverbrauchsquote und Erträge für zwei bis drei Anlagengrößen. Erst diese Simulation macht die Eigenverbrauchsquote zur belastbaren Zahl statt zur Schätzung.
- 4. Angebote auf identischer Basis einholen: Gleiche Anlagengröße, gleiche Datenbasis, getrennt ausgewiesene Positionen für Module, Wechselrichter, Unterkonstruktion, Montage, Netzanschluss und Gerüst. Nur so werden drei Angebote vergleichbar.
- 5. Netzanschluss früh anfragen: Die Netzverträglichkeitsprüfung beim Verteilnetzbetreiber dauert je nach Region mehrere Wochen bis Monate und entscheidet, ob die Wunschleistung ohne teuren Netzausbau angeschlossen werden kann.
Der gesamte Prozess von der ersten Analyse bis zur Inbetriebnahme dauert bei Gewerbeanlagen realistisch 4 bis 9 Monate, wobei Netzanschluss und Materialdisposition die längsten Posten sind. Für die Kalkulation heißt das: Wer die aktuellen Vergütungssätze noch mitnehmen will, muss den Netzanschlusstermin im Blick behalten, zum 1. August 2026 greift die nächste Degressionsstufe von 1 Prozent.
Risiken und Grenzen der Rechnung
Zur ehrlichen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gehören auch die Punkte, die Angebote gern weglassen:
- Strompreisrisiko in beide Richtungen: Sinkt Dein Bezugspreis (etwa durch einen günstigen Neuvertrag), sinkt der Wert des Eigenverbrauchs. Die Rechnung sollte auch mit dem günstigsten realistisch erreichbaren Tarif noch aufgehen.
- Degradation und Ausfälle: Module verlieren 0,3 bis 0,5 Prozent Leistung pro Jahr, Wechselrichter halten selten länger als 15 Jahre. Beides gehört in die Kalkulation.
- Dachsanierung vor Installation prüfen: Eine PV-Anlage bleibt 25 Jahre auf dem Dach. Steht in diesem Zeitraum eine Dachsanierung an, muss sie vorher erfolgen, sonst kommen Demontage- und Remontagekosten von 80 bis 150 Euro pro kWp hinzu.
- Abregelung und negative Preise: Für Neuanlagen entfällt die Vergütung in Stunden mit negativen Börsenpreisen (§ 51 EEG, Solarspitzengesetz). Bei hohem Eigenverbrauch ist der Effekt klein, bei einspeiselastigen Anlagen kostet er einige Prozent Jahresertrag.
- Versicherung und Haftung: Allgefahrenversicherung und erweiterte Betreiberhaftpflicht kosten wenige Hundert Euro im Jahr und gehören in die Betriebskosten.
Häufige Fragen zur Wirtschaftlichkeit von Gewerbe-PV
Fazit
Gewerbliche Photovoltaik ist 2026 eine der wenigen Investitionen, die sich mit konservativen Annahmen und ohne Zuschüsse rechnen lässt: Systempreise um 800 bis 1.050 Euro pro kWp, Stromgestehungskosten von 4 bis 6 Cent und Bezugspreise zwischen 16 und 27 Cent ergeben je nach Lastprofil Amortisationszeiten von 6 bis 10 Jahren und zweistellige interne Verzinsung. Der wichtigste Schritt vor der Angebotseinholung ist die Lastganganalyse, denn die Eigenverbrauchsquote entscheidet über mehrere Tausend Euro Jahresertrag. Wer zusätzlich Finanzierung (KfW 270) und Steuerinstrumente (§ 7g EStG) sauber kombiniert, verbessert die Rendite nach Steuern noch einmal deutlich.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine steuerliche oder rechtliche Beratung. Alle Vergütungssätze: Stand Februar bis Juli 2026, Quelle Bundesnetzagentur.


