Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe?
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe hängt von vielen Faktoren ab: Größe des Hauses, Außentemperatur, gewünschte Raumtemperatur, Dämmung, Art der Wärmepumpe und ihrer Einstellung. Als grobe Orientierung gilt für ein typisches Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche:
Zum Vergleich: Ein deutsches Durchschnittshaus mit Gasheizung verbraucht ca. 15.000–20.000 kWh Wärmeenergie pro Jahr. Eine Wärmepumpe mit JAZ 3,5 benötigt dafür nur 4.300–5.700 kWh Strom – bei 32 ct/kWh also Kosten von ca. 1.400–1.800 Euro pro Jahr.
Bei Gaspreisen von 10 ct/kWh kostet die gleiche Wärmemenge mit einer Gasheizung (Wirkungsgrad 95%) ca. 1.580–2.100 Euro pro Jahr. Die Wärmepumpe liegt damit etwa gleichauf – und wird durch steigende CO₂-Abgaben auf Gas und sinkende Strompreise durch PV in den kommenden Jahren deutlich günstiger.
Die Berechnungsformel (JAZ)
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist die wichtigste Kennzahl für die Effizienz einer Wärmepumpe. Sie gibt an, wie viel Wärmeenergie pro eingesetzter Kilowattstunde Strom erzeugt wird:
JAZ = Abgegebene Wärmeenergie (kWh) ÷ Aufgenommene elektrische Energie (kWh)
Oder umgekehrt – für die Verbrauchsberechnung:
Stromverbrauch (kWh) = Jahresheizwärmebedarf (kWh) ÷ JAZ
Beispiel: Ein Haus mit 150 m² und moderater Dämmung hat einen Heizwärmebedarf von ca. 12.000 kWh/Jahr. Mit einer JAZ von 3,5 ergibt das:
12.000 kWh ÷ 3,5 = 3.429 kWh Stromverbrauch pro Jahr
Bei 32 ct/kWh sind das ca. 1.097 Euro Stromkosten pro Jahr. Hinzu kommt der Strom für die Warmwasserbereitung (ca. 500–1.000 kWh/Jahr je nach Personenzahl).
Typische kWh-Werte nach Haustyp
| Haustyp | Fläche | Heizwärmebedarf | JAZ (WP) | Stromverbrauch WP | Kosten/Jahr |
|---|---|---|---|---|---|
| Neubau KfW 55 | 150 m² | 7.500 kWh | 4,2 | 1.786 kWh | 571€ |
| Neubau KfW 70 | 150 m² | 10.500 kWh | 4,0 | 2.625 kWh | 840€ |
| Sanierter Altbau | 150 m² | 13.000 kWh | 3,5 | 3.714 kWh | 1.188€ |
| Teilsanierter Altbau | 150 m² | 18.000 kWh | 3,0 | 6.000 kWh | 1.920€ |
| Unsanierter Altbau | 150 m² | 25.000 kWh | 2,5 | 10.000 kWh | 3.200€ |
Hinweis: Strompreis 32 ct/kWh (Bundesdurchschnitt 2026). Mit Wärmepumpen-Sondertarif (ca. 25 ct/kWh) sinken die Kosten nochmals um ca. 20%.
Was beeinflusst den Verbrauch?
Diese Faktoren haben den größten Einfluss auf den Stromverbrauch Ihrer Wärmepumpe:
- Vorlauftemperatur: Je höher die benötigte Vorlauftemperatur, desto schlechter die JAZ. Fußbodenheizung (35°C) ist effizienter als Heizkörper (55–65°C)
- Außentemperatur: Bei –10°C liefert eine Luft-Wasser-WP nur noch JAZ 2–2,5; bei +15°C erreicht sie 4–5
- Dämmung des Hauses: Schlechte Dämmung bedeutet höherer Heizwärmebedarf und damit mehr Stromverbrauch
- Hydraulischer Abgleich: Ohne korrekte Einstellung laufen Pumpe und Heizkörper ineffizient
- Warmwasserbereitung: Elektrische Zusatzheizung (Heizstab) im Speicher kann Verbrauch stark erhöhen
- Nutzerverhalten: Nachtabsenkung, Urlaubsmodus, Raumtemperatur (1°C mehr = ca. 6% mehr Verbrauch)
Viele Wärmepumpen haben einen elektrischen Heizstab als Backup für sehr kalte Tage. Wenn dieser dauerhaft oder bei milder Witterung läuft, kann er den Stromverbrauch verdoppeln. Prüfen Sie die Einstellungen: Heizstab sollte erst unter –10°C bis –15°C Außentemperatur zuschalten.
7 Spartipps für weniger Stromverbrauch
- Hydraulischen Abgleich durchführen lassen: Reduziert Verbrauch um 10–15%, gesetzlich vorgeschrieben beim Heizungstausch
- Vorlauftemperatur senken: Jeden Grad weniger Vorlauf spart ca. 2,5% Strom – prüfen Sie, ob die Heizflächen ausreichen
- Heizkurve optimieren: Die Heizkurve (Verhältnis Außentemperatur zu Vorlauftemperatur) sollte vom Fachbetrieb eingestellt werden
- Nachtabsenkung deaktivieren: Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei konstanter Betriebsweise – starke Nachtabsenkung kostet meist mehr als sie spart
- Warmwassertemperatur prüfen: 55°C reicht für Legionellenschutz, 60°C ist nicht nötig. Legionellen-Boost nur 1× pro Woche
- Wärmepumpenstromtarif nutzen: Bis zu 20–25% günstiger als Normaltarif. Anmeldung beim Netzbetreiber erforderlich
- PV-Anlage kombinieren: Eigenverbrauch von PV-Strom (8–12 ct/kWh effektiv) statt Netzstrom (32 ct/kWh) spart bis zu 60% der Stromkosten
Sondertarife: Heizstrom nutzen
In Deutschland bieten viele Energieversorger spezielle Wärmepumpen-Stromtarife an. Diese kosten oft 25–27 ct/kWh statt 32–35 ct/kWh für normalen Haushaltsstrom. Die Ersparnis beträgt damit 15–25% auf den Wärmepumpen-Stromanteil.
Voraussetzung: Ein separater Zähler für die Wärmepumpe (Z2-Zähler) und die Genehmigung des Netzbetreibers, der die WP in bestimmten Zeiten (max. 2 Stunden täglich) sperren darf. In der Praxis spüren Nutzer diese Sperrzeiten kaum, da der Pufferspeicher die Lücken abfängt.
Mehr dazu im Artikel: Wärmepumpenstromtarif 2026: Alle Anbieter im Vergleich
PV-Anlage & Wärmepumpe kombinieren
Die ideale Kombination für maximale Ersparnis: Eine PV-Anlage mit Speicher versorgt die Wärmepumpe mit günstigem Eigenstrom. Moderne Smart-Home-Systeme (z.B. SMA Sunny Home Manager, E3/DC, Viessmann Vitocharge) steuern dabei automatisch, wann die WP mit Solarstrom heizt und wann der Speicher geladen wird.
Eine 10-kWp-Anlage deckt bei einem typischen EFH ca. 60–80% des Wärmepumpen-Strombedarfs ab. Die verbleibenden 20–40% kommen vom Netz – idealerweise zum Sondertarif.
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