Heizungstechniker bei der Inbetriebnahme einer modernen Wärmepumpe am Einfamilienhaus
Ein zertifizierter Fachbetrieb bei der professionellen Inbetriebnahme einer Luft-Wasser-Wärmepumpe

Warum die Inbetriebnahme so wichtig ist

Die Inbetriebnahme einer Wärmepumpe ist weit mehr als nur der erste Knopfdruck. Sie ist der entscheidende Moment, in dem aus einer montierten Anlage ein funktionierendes Heizsystem wird. Dabei werden alle Komponenten systematisch geprüft, aufeinander abgestimmt und dokumentiert. Eine sorgfältige Inbetriebnahme entscheidet darüber, ob Deine Wärmepumpe in den nächsten 20 bis 25 Jahren effizient und zuverlässig arbeitet oder ob sie dauerhaft mit unnötig hohem Stromverbrauch kämpft.

Das klingt dramatisch, ist aber durch Zahlen belegt: Laut einer Fraunhofer-ISE-Studie zu Feldmessungen an Wärmepumpen erreichen schlecht einregulierte Anlagen eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von nur 2,5 bis 3,0, während optimal eingestellte Systeme eine JAZ von 3,5 bis 4,5 erzielen. Bei einem durchschnittlichen Heizstromverbrauch von 4.000 kWh pro Jahr bedeutet dieser Unterschied 600 bis 1.200 kWh Mehrverbrauch. Bei einem Wärmepumpentarif von 25 ct/kWh sind das 150 bis 300 Euro unnötige Mehrkosten pro Jahr. Über die gesamte Anlagenlebensdauer summiert sich das auf 3.000 bis 6.000 Euro.

🔑 Kernaussage

Eine professionelle Inbetriebnahme ist kein optionaler Luxus, sondern Pflicht. Sie sichert die Herstellergarantie, ist Voraussetzung für die BAFA-Förderung und kann über die Lebensdauer der Anlage 3.000 bis 6.000 Euro Stromkosten einsparen. Plane dafür einen vollen Arbeitstag ein.

Die Inbetriebnahme umfasst bei einer modernen Wärmepumpe typischerweise diese Kernbereiche: den Drucktest und die Kältemittelbefüllung (bei Split-Systemen), die Ersteinstellung der Heizkurve und Vorlauftemperaturen, den hydraulischen Abgleich aller Heizkreise, einen vollständigen Testlauf mit Messung aller Betriebsparameter, die Warmwasserbereitung inklusive Legionellenschutz und die formale Übergabe mit Einweisung und Protokollerstellung. Jeder dieser Schritte hat seine eigene Bedeutung und darf nicht übersprungen werden.

Zusätzlich zur technischen Dimension gibt es eine rechtliche: Das Gebaeudeenergiegesetz (GEG) schreibt die korrekte Einstellung und Dokumentation von Heizsystemen vor. Ohne ordnungsgemäße Inbetriebnahme riskierst Du nicht nur schlechte Effizienz, sondern auch rechtliche Probleme bei späteren Immobilienverkäufen oder energetischen Prüfungen. Weitere Details zu den Gesamtkosten einer Wärmepumpe findest Du in unserem Ratgeber.

4-8 Std.
Dauer einer gründlichen Inbetriebnahme
3,5-4,5
JAZ bei optimaler Einstellung
bis 6.000€
Ersparnis über Anlagenlebensdauer

Wer darf die Inbetriebnahme durchführen?

Die Inbetriebnahme einer Wärmepumpe ist keine Aufgabe für Heimwerker. Sie muss von einem zugelassenen Heizungsfachbetrieb durchgeführt werden. Das hat mehrere zwingende Gründe, die Du kennen solltest.

Herstellergarantie: Nur mit Fachbetrieb gültig

Praktisch alle namhaften Hersteller schreiben in ihren Garantiebedingungen vor, dass die Erstinbetriebnahme durch einen zertifizierten Fachbetrieb erfolgen muss. Das gilt für Vaillant, Viessmann, Buderus, Daikin, Bosch, Wolf und alle anderen Marken. Wer die Anlage selbst in Betrieb nimmt, verliert die Herstellergarantie. Bei einer Investition von 15.000 bis 35.000 Euro ein Risiko, das sich niemand leisten sollte.

Noch strenger sind die Anforderungen bei Premium-Herstellern: Vaillant verlangt beispielsweise, dass die Inbetriebnahme durch einen Vaillant-Servicepartner oder D1-zertifizierten Betrieb erfolgt. Daikin hat ein ähnliches System mit D1-Partnern. Diese herstellerspezifischen Zertifizierungen garantieren, dass der Techniker das konkrete Gerät kennt und über spezielle Schulungen verfügt. Informiere Dich rechtzeitig bei Deinem regionalen Fachbetrieb, ob er die entsprechende Zertifizierung besitzt.

BAFA-Förderung: Protokoll als Pflichtdokument

Wer die Wärmepumpe-Förderung über das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) beantragt hat, braucht das Inbetriebnahmeprotokoll als Pflichtdokument im Verwendungsnachweis. Ohne dieses Protokoll wird die Förderung nicht ausgezahlt. Da die BAFA-Förderung je nach Fördersatz 30 bis 70 Prozent der Investitionskosten abdecken kann, steht hier schnell ein fünfstelliger Betrag auf dem Spiel.

F-Gas-Verordnung: Gesetzliche Pflicht bei Split-Systemen

Bei Split-Wärmepumpen, bei denen Kältemittelleitungen zwischen Außen- und Innengerät verlegt werden, schreibt die EU-F-Gas-Verordnung vor, dass Kältemittelarbeiten ausschließlich von F-Gas-zertifizierten Kältetechnikern durchgeführt werden dürfen. Das betrifft die Evakuierung, den Drucktest und die Befüllung des Kältemittelkreises. Bei Monobloc-Systemen entfällt diese Anforderung, da der Kältekreis werkseitig geschlossen und befüllt ist.

💡 Tipp: Fachbetrieb-Zertifizierung prüfen

Frage vor der Beauftragung gezielt nach: Ist der Betrieb vom Hersteller zertifiziert? Hat er F-Gas-Sachkunde (bei Split-Systemen)? Kann er Referenzen für Dein spezifisches Wärmepumpenmodell nennen? Diese Fragen sparen Dir im Nachhinein viel Ärger. Über Leospardo findest Du geprüfte Fachbetriebe mit den richtigen Zertifizierungen.

Techniker bei der Kältemittelbefüllung einer Split-Wärmepumpe mit Manometer
Kältemittelarbeiten an einer Split-Wärmepumpe dürfen nur F-Gas-zertifizierte Techniker durchführen

Vorbereitung: Was vorher erledigt sein muss

Bevor der Fachbetrieb mit der eigentlichen Inbetriebnahme beginnt, müssen alle Vorarbeiten vollständig abgeschlossen sein. Fehlende Vorarbeiten sind der häufigste Grund für verschobene Inbetriebnahme-Termine, und jede Verschiebung kostet zusätzliche Handwerkerstunden. Nutze die folgende Checkliste, um sicherzustellen, dass am Tag X alles bereit ist.

Vollständige Checkliste vor der Inbetriebnahme

  • Außengerät aufgestellt und befestigt: Das Außengerät muss auf einem ebenen, tragfähigen Untergrund stehen (Betonfundament oder Schwingungsdämpfer). Mindestabstände zu Wänden und Nachbargrenzen nach Herstellervorgabe und Landesbauordnung einhalten. Freie Luftzirkulation rundherum sicherstellen.
  • Heizungswasser-Leitungen verlegt und verbunden: Alle Rohrleitungen zwischen Außengerät, Innengerät, Pufferspeicher und Heizkreisverteiler müssen verlegt, isoliert und druckgeprüft sein.
  • Puffer- und Warmwasserspeicher installiert: Der Pufferspeicher (bei Bedarf) und der Warmwasserspeicher müssen montiert und hydraulisch angeschlossen sein.
  • Heizungskreis gespült: Besonders wichtig bei Bestandsgebäuden: Alte Ablagerungen, Rost und Schlamm aus dem Leitungssystem müssen vor der Inbetriebnahme ausgespült werden. Verschmutztes Heizungswasser beschädigt die Wärmepumpe und reduziert den Wärmeübergang.
  • Elektroinstallation abgeschlossen: 400V-Starkstromanschluss (Drehstrom), Steuerleitungen und ggf. Smart-Grid-Schnittstelle müssen von einem Elektriker fachgerecht installiert und abgenommen sein.
  • Wärmepumpen-Stromzähler freigeschaltet: Der Energieversorger muss den separaten Wärmepumpenzähler (SLP-Zähler) installiert und freigeschaltet haben. Dieser Schritt wird häufig vergessen und kann die Inbetriebnahme um Wochen verzögern.
  • Kältemittelleitungen verlegt und gedämmt (nur Split): Bei Split-Systemen müssen die Kältemittelleitungen fachgerecht verlegt, isoliert und für den Drucktest vorbereitet sein.
  • Heizlastberechnung vorhanden: Die raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 muss vorliegen. Sie ist die Grundlage für den hydraulischen Abgleich und die Einstellung der Heizkurve.
  • Schall- und Schwingungsschutz verbaut: Schwingungsdämpfer unter dem Außengerät und ggf. Schallschutzhauben müssen montiert sein, bevor die Anlage gestartet wird.
🔑 Koordination ist alles

Der häufigste Grund für verschobene Inbetriebnahme-Termine: Der Energieversorger hat den Wärmepumpenzähler noch nicht freigeschaltet, oder die Elektrik ist nicht fertig. Koordiniere alle Gewerke (Heizung, Elektro, Energieversorger) mindestens 4 Wochen vor dem geplanten Inbetriebnahme-Termin.

Optimaler Zeitpunkt für die Inbetriebnahme

Der beste Zeitpunkt für die Inbetriebnahme ist die Übergangszeit im Frühjahr (März bis Mai) oder Herbst (September bis November). Bei moderaten Außentemperaturen kann die Anlage im realen Heizbetrieb getestet und die Heizkurve unter praxisnahen Bedingungen optimiert werden. Eine Inbetriebnahme im Hochsommer ist möglich, aber der Heizbetrieb kann nicht sinnvoll getestet werden. Im tiefsten Winter ist es zwar möglich, aber falls Probleme auftreten, stehst Du ohne Heizung da.

Plane für die Inbetriebnahme einen vollen Arbeitstag ein, an dem Du selbst anwesend sein kannst. Nur so bekommst Du die Einweisung und kannst Fragen stellen. Deine Anwesenheit ist auch wichtig, um das Protokoll zu prüfen und zu unterschreiben. Weitere Informationen zu den verschiedenen Wärmepumpe-Arten und deren spezifischen Anforderungen findest Du in unserem Ratgeber.

Kältemittelbefüllung und Drucktest (Split-Systeme)

Bei Split-Wärmepumpen ist die Kältemittelbefüllung der technisch anspruchsvollste und kritischste Schritt der Inbetriebnahme. Ein Fehler hier kann die gesamte Anlage beschädigen oder deren Effizienz dauerhaft beeinträchtigen. Bei Monobloc-Systemen ist der Kältekreis werkseitig geschlossen und befüllt. Dort entfällt dieser Schritt komplett, was einer der großen Vorteile der Monobloc-Bauweise ist.

Schritt 1: Evakuierung des Kältemittelkreises

Bevor Kältemittel eingefüllt werden kann, muss der gesamte Kältemittelkreis (Leitungen zwischen Außen- und Innengerät) mit einer Vakuumpumpe evakuiert werden. Das entfernt Luft und Feuchtigkeit aus dem System. Luft im Kältekreis verhindert den ordnungsgemäßen Wärmetransport, und Feuchtigkeit kann zu Korrosion und Eisbildung im Expansionsventil führen.

Die Evakuierung dauert mindestens 30 Minuten und muss ein Vakuum von unter 0,5 mbar erreichen. Der Techniker überwacht den Vakuumwert mit einem Manometer. Nach Erreichen des Zielvakuums wird das System für weitere 15 bis 30 Minuten unter Vakuum gehalten, um sicherzustellen, dass keine undichten Stellen vorhanden sind (Vakuum-Haltetest). Ein abfallender Vakuumwert deutet auf eine Undichtigkeit hin, die vor der Befüllung behoben werden muss.

Schritt 2: Dichtheitstest mit Stickstoff

Nach erfolgreicher Evakuierung wird das System mit trockenem Stickstoff auf Dichtheit geprüft. Der Testdruck richtet sich nach der Herstellervorgabe und liegt typischerweise bei 30 bis 40 bar. Dieser Druck wird für mindestens 30 Minuten gehalten. Jeder Druckabfall zeigt eine Undichtigkeit an. Die häufigsten Undichtigkeiten treten an den Bördelanschlüssen auf, wo die Kältemittelleitungen mit dem Außen- und Innengerät verbunden sind.

Schritt 3: Kältemittelbefüllung

Erst nach bestandenem Dichtheitstest wird das eigentliche Kältemittel eingefüllt. Die Befüllung erfolgt gewogen, das heißt: Der Techniker misst die exakte Kältemittelmenge mit einer Präzisionswaage. Die benötigte Menge steht im Datenblatt des Geräts und hängt zusätzlich von der Leitungslänge zwischen Außen- und Innengerät ab. Pro Meter Leitung kommt eine definierte Zusatzmenge hinzu.

Die gängigen Kältemittel bei Wärmepumpen 2026 sind:

  • R290 (Propan): Natürliches Kältemittel mit sehr niedrigem GWP (Global Warming Potential) von 3. Immer häufiger eingesetzt bei neuen Modellen (z.B. Vaillant aroTHERM plus, Buderus WLB). Brennbar, daher besondere Sicherheitsvorschriften.
  • R32: Synthetisches Kältemittel mit GWP von 675. Weit verbreitet bei Mitsubishi, Daikin und Panasonic. Leicht brennbar, aber weniger kritisch als R290.
  • R410A: Älteres synthetisches Kältemittel mit GWP von 2.088. Wird aufgrund der hohen Umweltbelastung zunehmend durch R32 und R290 ersetzt. Noch in vielen Bestandsanlagen zu finden.

Schritt 4: Leckagedokumentation nach F-Gas-Verordnung

Nach der Befüllung muss der Techniker ein Kältemittelprotokoll erstellen. Dieses Protokoll ist nach der EU-F-Gas-Verordnung gesetzlich vorgeschrieben und dokumentiert: Art und Menge des Kältemittels, Datum der Befüllung, Name und Zertifizierungsnummer des ausführenden Technikers. Bei Anlagen mit mehr als 5 Tonnen CO2-Äquivalent Kältemittelfüllung sind zudem regelmäßige Dichtheitskontrollen vorgeschrieben.

💡 Monobloc: Einfacher und günstiger

Bei Monobloc-Wärmepumpen ist der gesamte Kältekreis im Außengerät verbaut und werkseitig befüllt. Es müssen nur Heizungswasserleitungen verlegt werden. Keine F-Gas-Zertifizierung nötig, kein Kältemittelprotokoll, keine Evakuierung. Das vereinfacht die Installateursauswahl und senkt die Kosten um 500 bis 1.500 Euro. Mehr dazu im Vergleich Split vs. Monobloc.

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Ersteinstellung: Heizkurve, Vorlauftemperatur und Warmwasser

Die korrekte Ersteinstellung der Regelungsparameter ist der Schlüssel zu einer effizienten Wärmepumpe. Hier entscheidet sich, ob Deine Anlage mit einer Jahresarbeitszahl von 3,0 oder 4,5 läuft. Die wichtigsten Parameter erklärt.

Digitale Steuerung einer Wärmepumpe mit Heizkurven-Einstellung auf dem Display
Die Heizkurve wird am Steuergerät eingestellt und in den ersten Wochen nach der Inbetriebnahme optimiert

Die Heizkurve verstehen und richtig einstellen

Die Heizkurve (auch Kennlinie genannt) definiert, wie die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der Außentemperatur gesteuert wird. Das Prinzip ist einfach: Je kälter es draußen ist, desto höher muss die Vorlauftemperatur sein, damit die Räume warm werden. Die Heizkurve hat zwei zentrale Parameter:

  • Steigung (auch Neigung): Bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur ansteigt. Eine flache Kurve (niedrige Steigung) bedeutet moderate Vorlauftemperaturen auch bei Kälte. Eine steile Kurve (hohe Steigung) bedeutet hohe Vorlauftemperaturen bei niedrigen Außentemperaturen.
  • Parallelverschiebung (auch Fußpunkt): Verschiebt die gesamte Kurve nach oben oder unten. Wenn alle Räume generell zu warm oder zu kalt sind, wird die Parallelverschiebung angepasst, nicht die Steigung.

Richtwerte für die Heizkurven-Einstellung

Gebaeudetyp / HeizsystemSteigungVorlauf bei -10°CVorlauf bei 0°CVorlauf bei 10°C
Neubau + Fußbodenheizung0,3 bis 0,530 bis 35°C25 bis 28°C22 bis 24°C
Sanierter Altbau + FBH0,4 bis 0,633 bis 38°C27 bis 30°C23 bis 25°C
Altbau + große Heizkörper0,6 bis 0,940 bis 50°C32 bis 38°C25 bis 28°C
Altbau + kleine Heizkörper0,8 bis 1,248 bis 55°C38 bis 45°C28 bis 32°C

Grundregel: Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Eine Absenkung der Vorlauftemperatur um 5°C verbessert die Jahresarbeitszahl um etwa 0,3 bis 0,5 Punkte. Deshalb ist die Kombination aus Wärmepumpe und Fußbodenheizung so effizient: Fußbodenheizungen kommen mit 25 bis 35°C Vorlauf aus, während konventionelle Heizkörper 45 bis 55°C brauchen. Mehr zur idealen Kombination in unserem Ratgeber Wärmepumpe mit Fußbodenheizung.

Warmwasser-Einstellung und Legionellenschutz

Die Warmwasserbereitung ist der zweite große Energieverbraucher neben der Heizung. Bei der Inbetriebnahme muss der Techniker die Warmwassertemperatur auf mindestens 55°C einstellen. Einmal pro Woche muss das System auf mindestens 60°C aufheizen, um Legionellen abzutöten (Legionellenschutz nach DVGW-Arbeitsblatt W 551). Diese Aufheizfunktion muss bei der Inbetriebnahme aktiviert und im Protokoll dokumentiert werden.

Bei der Warmwasserbereitung kommt häufig der elektrische Heizstab zum Einsatz, der in den meisten Wärmepumpen integriert ist. Er unterstützt die Wärmepumpe bei der Legionellenschaltung und bei sehr niedrigen Außentemperaturen. Der Heizstab verbraucht deutlich mehr Strom als die Wärmepumpe selbst, deshalb sollte seine Einsatzzeit auf das notwendige Minimum begrenzt werden. Der Fachbetrieb stellt die Heizstab-Freigabetemperatur so ein, dass er nur bei echtem Bedarf zugeschaltet wird.

Besonders wichtig: Die Zeitfenster für die Warmwasserbereitung sollten so gelegt werden, dass sie mit der günstigen Tarifzeit des Wärmepumpentarifs übereinstimmen. Viele Energieversorger bieten Sperrzeiten an, in denen der Wärmepumpenstrom günstiger ist. Lass Dir vom Fachbetrieb erklären, wie die Timer-Funktion Deiner Anlage funktioniert. Einen Überblick über die Stromverbrauch einer Wärmepumpe geben wir in unserem Spezialratgeber.

Hydraulischer Abgleich als Pflichtschritt

Der hydraulische Abgleich ist seit 2024 Pflichtbestandteil jeder BAFA-geförderten Wärmepumpeninstallation. Er stellt sicher, dass jeder Heizkreis genau die Wassermenge erhält, die er für die optimale Wärmeabgabe braucht. Ohne hydraulischen Abgleich fließt zu viel Wasser durch nahe gelegene Heizkreise und zu wenig durch weiter entfernte. Das Ergebnis: Manche Räume werden zu warm, andere bleiben kalt.

Facharbeiter führt hydraulischen Abgleich an Fußbodenheizungs-Verteiler durch
Der hydraulische Abgleich am Heizkreisverteiler sorgt für gleichmäßige Wärmeverteilung in allen Räumen

Ablauf des hydraulischen Abgleichs

1

Heizlastberechnung je Raum

Auf Basis der raumweisen Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 wird ermittelt, wie viel Wärmeleistung jeder Raum bei der Norm-Außentemperatur (je nach Region -10 bis -16°C) benötigt. Faktoren: Raumgröße, Fenster, Dämmung, Lage (Eck- oder Innenraum).

2

Volumenströme berechnen

Aus der Heizlast und der Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf (Spreizung) wird der benötigte Volumenstrom pro Heizkreis berechnet. Bei Fußbodenheizung typisch: 1 bis 3 l/min pro Kreis, bei Heizkörpern 2 bis 5 l/min.

3

Ventilvoreinstellung

Die berechneten Volumenströme werden an den Thermostatventilen (Heizkörper) oder Strangregulierventilen (FBH-Verteiler) eingestellt. Moderne Ventile haben Voreinstellungsskalen, die eine präzise Justierung ermöglichen.

4

Messung und Protokollierung

Der Techniker misst die tatsächlichen Volumenströme an jedem Heizkreis und vergleicht sie mit den Sollwerten. Abweichungen werden nachjustiert. Alle Einstellwerte werden im Abgleich-Protokoll dokumentiert. Dieses Protokoll ist Teil des BAFA-Verwendungsnachweises.

Die Kosten für den hydraulischen Abgleich liegen bei 300 bis 800 Euro und sind bei den meisten seriösen Installateuren bereits im Gesamtangebot enthalten. Wenn der Abgleich als Einzelleistung berechnet wird, solltest Du auf Verfahren B (raumweise Berechnung) bestehen, nicht auf das vereinfachte Verfahren A. Verfahren B ist aufwendiger, liefert aber deutlich bessere Ergebnisse. Ausführliche Informationen findest Du in unserem Ratgeber hydraulischer Abgleich.

⚠️ Achtung: Hydraulischer Abgleich ist BAFA-Pflicht

Seit Oktober 2024 ist der hydraulische Abgleich nach Verfahren B Pflicht für alle BAFA-geförderten Heizungsanlagen. Ohne Nachweis des Abgleichs wird die Förderung nicht ausgezahlt. Stelle sicher, dass Dein Installateur den Abgleich nach Verfahren B durchführt und dokumentiert.

Testlauf und Einregulierung

Nach der Ersteinstellung aller Parameter folgt der eigentliche Testlauf. Die Wärmepumpe wird gestartet und alle Betriebsparameter werden systematisch gemessen und dokumentiert. Dieser Schritt ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Anlage unter realen Bedingungen korrekt funktioniert.

Was beim Testlauf gemessen wird

  • Vorlauf- und Rücklauftemperatur: Die Differenz (Spreizung) sollte bei Fußbodenheizung 3 bis 5°C betragen, bei Heizkörpern 5 bis 10°C. Eine zu große Spreizung deutet auf zu geringen Volumenstrom hin, eine zu kleine auf einen überdimensionierten Kreislauf.
  • Drücke im Heizungskreis: Der Solldruck nach Herstellervorgabe liegt meist bei 1,5 bis 2,5 bar (kalt). Bei Erwärmung steigt der Druck leicht an. Ein konstanter Druckverlust deutet auf eine Undichtigkeit hin.
  • Volumenstrom: Wird am Durchflussmesser oder über die Pumpenleistung ermittelt. Muss zu den berechneten Werten des hydraulischen Abgleichs passen.
  • Aufnahmeleistung (Strom): Die tatsächliche elektrische Leistungsaufnahme wird gemessen und mit den Herstellerangaben verglichen. Auffällige Abweichungen deuten auf Probleme hin.
  • COP unter aktuellen Bedingungen: Der Leistungskoeffizient (Coefficient of Performance) wird aus der gemessenen Heizleistung und der Stromaufnahme berechnet. Bei einer Außentemperatur von 7°C und einer Vorlauftemperatur von 35°C sollte der COP bei 4,0 bis 5,0 liegen.
  • Geräuschpegel: Der Betriebsgeräuschpegel wird gemessen und mit den Grenzwerten nach TA Lärm verglichen. Nachts gelten strengere Werte (35 dB(A) an der Grundstücksgrenze in Wohngebieten).
  • Abtaufunktion: Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen wird die Abtaufunktion getestet. Sie verhindert die Vereisung des Wärmetauschers bei niedrigen Außentemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.
Typische COP-Werte verschiedener Betriebspunkte (Luft-Wasser-WP)
A7/W35
COP 4,5
A7/W45
COP 3,5
A2/W35
COP 3,8
A2/W45
COP 3,0
A-7/W35
COP 2,6
A-7/W55
COP 1,9

Die Notation A7/W35 bedeutet: Außenlufttemperatur 7°C, Wasservorlauftemperatur 35°C. Die Tabelle zeigt deutlich: Je wärmer die Außenluft und je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Die Vorlauftemperatur ist der Parameter, den Du durch die Wahl des Heizsystems (Fußbodenheizung vs. Heizkörper) und die Gebaeudedämmung aktiv beeinflussen kannst.

Testlauf: Worauf Du achten solltest

Bestehe darauf, dass der Fachbetrieb die Anlage nicht nur kurz anstellt und dann geht. Eine ordentliche Einregulierung dauert mehrere Stunden. Der Techniker sollte mindestens einen vollständigen Heizzyklus und eine Warmwasseraufheizung beobachten. Achte während des Testlaufs auf ungewöhnliche Geräusche (Klopfen, Brummen, Pfeifen), die auf mechanische Probleme oder Lufteinschlüsse hindeuten können. Wenn Du Bedenken zur Lautstärke hast, besprich das beim Testlauf.

COP 4,5
Optimal eingestellte Luft-Wasser-WP bei A7/W35
Das bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 4,5 kWh Wärme erzeugt

Protokoll, Übergabe und BAFA-Anforderungen

Am Ende der Inbetriebnahme steht die formale Übergabe. Der Fachbetrieb erstellt das Inbetriebnahmeprotokoll, weist Dich in die Bedienung ein und übergibt alle relevanten Unterlagen. Dieser Schritt ist nicht nur eine Formalität, sondern hat konkrete Auswirkungen auf Garantie und Förderung.

Techniker dokumentiert die Inbetriebnahme-Parameter einer Wärmepumpe auf einem Tablet
Das Inbetriebnahmeprotokoll ist Pflichtdokument für die BAFA-Förderung und die Herstellergarantie

Was das Inbetriebnahmeprotokoll enthalten muss

Das Protokoll ist das zentrale Dokument der Inbetriebnahme. Es muss folgende Angaben enthalten:

  • Gerätetyp, Seriennummer und Fabrikationsnummer des Außen- und Innengeräts
  • Installationsdatum und Inbetriebnahmedatum
  • Name, Adresse und Zertifizierungsnummer des Fachbetriebs
  • Gemessene Betriebsparameter: Vorlauf- und Rücklauftemperatur, Druck, Stromaufnahme, berechneter COP
  • Kältemittelmenge und Kältemitteltyp (bei Split-Systemen)
  • Einstellwerte der Heizkurve (Steigung und Parallelverschiebung)
  • Ergebnis des hydraulischen Abgleichs mit allen Einstellwerten je Heizkreis
  • Warmwasser-Einstellung und Bestätigung der Legionellenschutz-Aktivierung
  • Ergebnis des Testlaufs (alle Messwerte)
  • Unterschrift des Fachbetriebs und des Auftraggebers

Einweisung: Was Dir der Fachbetrieb zeigen muss

Die Einweisung ist Deine Chance, die Bedienung Deiner Anlage für die nächsten 20 Jahre zu verstehen. Lass Dir folgende Punkte zeigen und erkläre sie Dir so lange, bis Du sie selbst bedienen kannst:

  • Steuerungsmenü: Wie navigierst Du durch die Menüs? Wo findest Du aktuelle Betriebsdaten, Fehlermeldungen und Einstellungen?
  • Betriebsmodi: Wie wechselst Du zwischen Automatik, Heizung, Kühlung (falls vorhanden) und Warmwasser?
  • Heizkurve anpassen: Wie änderst Du die Steigung und Parallelverschiebung, falls die Räume zu warm oder zu kalt sind?
  • Druckmanometer: Wo befindet es sich? Was ist der Solldruck? Wie erkennst Du, dass Wasser nachgefüllt werden muss?
  • Wasser nachfüllen: Wie füllst Du Heizungswasser nach, wenn der Druck zu niedrig ist? (Standort des Nachfüllhahns, Vorgehen)
  • Notaus: Wo ist der Hauptschalter? Wie schaltest Du die Anlage im Notfall komplett ab?
  • Hersteller-App: Wie richtest Du die App ein? Welche Daten kannst Du aus der Ferne einsehen und steuern?

BAFA-Verwendungsnachweis: Alle Dokumente zusammenstellen

Für den BAFA-Verwendungsnachweis brauchst Du neben dem Inbetriebnahmeprotokoll weitere Dokumente. Sammle diese Unterlagen systematisch in einem Ordner:

  • Inbetriebnahmeprotokoll (Original, unterschrieben)
  • Rechnung des Installateurs (mit detaillierter Auflistung aller Leistungen)
  • Bestätigung des hydraulischen Abgleichs nach Verfahren B
  • Datenblatt der Wärmepumpe (Typ, Leistung, Effizienzklasse)
  • Kältemittelprotokoll (bei Split-Systemen)
  • Nachweis der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831
  • Foto der installierten Anlage

Reiche den Verwendungsnachweis innerhalb der vom BAFA gesetzten Frist ein. Verpasste Fristen führen zum Verlust der Förderung. Tipps zur Heizungsförderung 2026 und dem richtigen Antragsprozess findest Du in unserem Ratgeber.

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Kosten der Inbetriebnahme im Detail

Die Kosten für die Inbetriebnahme sind bei den meisten seriösen Installateuren bereits im Gesamtpreis der Wärmepumpeninstallation enthalten. Trotzdem solltest Du wissen, was die einzelnen Leistungen kosten, falls sie separat berechnet werden oder falls Du den Angebotspreis nachvollziehen möchtest.

LeistungMonoblocSplit-SystemHinweis
Grundinbetriebnahme300-500 €400-600 €Ersteinstellung, Testlauf, Protokoll
Kältemittelbefüllungentfällt300-600 €Evakuierung, Drucktest, Befüllung
Hydraulischer Abgleich300-800 €300-800 €Verfahren B, raumweise Berechnung
Einweisung und Übergabeinkl.inkl.Im Grundpreis enthalten
Warmwasser-Einstellunginkl.inkl.Legionellenschutz-Aktivierung
Gesamt600-1.300 €1.000-2.000 €Meist im Installationspaket inkl.

Wichtig: Verlange immer einen Pauschalpreis für das Gesamtpaket (Installation + Inbetriebnahme + hydraulischer Abgleich + Einweisung). So vermeidest Du Überraschungen und hast eine klare Vergleichsbasis zwischen verschiedenen Anbietern. Bei einem Gesamtangebot für eine Wärmepumpe mit Installation sollten die Inbetriebnahmekosten immer enthalten sein. Vergleiche die Gesamtpreise verschiedener Anbieter über Leospardo, um das beste Angebot zu finden.

Die Inbetriebnahme unserer Vaillant aroTHERM plus hat einen ganzen Tag gedauert. Der Techniker hat sich wirklich Zeit genommen, alles erklärt und die Heizkurve auf unser Haus optimiert. Nach zwei Wochen kam er nochmal zur Nachregulierung. Seit dem ersten Winter läuft die Anlage mit einer JAZ von 4,3. Der Aufwand hat sich absolut gelohnt.
Tanja und Sven F.
Hausbesitzer aus Augsburg, Wärmepumpe seit September 2025

Typische Fehler und wie Du sie vermeidest

Aus hunderten Wärmepumpen-Installationen lassen sich wiederkehrende Fehler bei der Inbetriebnahme identifizieren. Diese Fehler kosten über die Anlagenlebensdauer oft tausende Euro an Mehrverbrauch und sind in den meisten Fällen vermeidbar.

Fehler 1: Zu steile Heizkurve

Der häufigste Fehler: Die Heizkurve wird zu steil eingestellt, weil der Installateur auf Nummer sicher gehen möchte. Eine zu steile Kurve führt zu unnötig hohen Vorlauftemperaturen, was den COP senkt und den Stromverbrauch um 15 bis 30 Prozent erhöht. Besser: Konservativ (etwas zu flach) starten und in den ersten Wochen nachjustieren, falls Räume nicht warm genug werden.

Fehler 2: Kein hydraulischer Abgleich

Manche Installationsbetriebe überspringen den hydraulischen Abgleich oder führen ihn nur nach dem vereinfachten Verfahren A durch. Ohne korrekten Abgleich sind ungleichmäßige Raumtemperaturen und ein erhöhter Pumpenstromverbrauch die Folge. Bestehe auf Verfahren B und lass Dir das Protokoll zeigen.

Fehler 3: Heizstab als Dauerlösung

Der integrierte Heizstab sollte nur als Notfall-Backup dienen (Legionellenschutz, Spitzenlast bei extremer Kälte). Wenn der Heizstab regelmäßig zugeschaltet wird, stimmt etwas mit der Dimensionierung oder Einstellung nicht. Ein dauerhaft aktiver Heizstab kann die Stromkosten verdoppeln. Prüfe nach den ersten Wochen im Monitoring, wie oft der Heizstab gelaufen ist.

Fehler 4: Zu kurze Einregulierungszeit

Wenn der Techniker nach 2 Stunden fertig ist und geht, wurde die Anlage wahrscheinlich nicht gründlich einreguliert. Eine professionelle Inbetriebnahme dauert 4 bis 8 Stunden. Bestehe auf ausreichend Zeit und vereinbare einen Nachregulierungstermin nach 4 bis 8 Wochen.

Fehler 5: Fehlende Nachregulierung

Die Ersteinstellung ist immer eine Annäherung. Die wirkliche Optimierung erfolgt in den ersten 2 bis 4 Heizwochen, wenn die Anlage unter realen Wetterbedingungen und mit den tatsächlichen Nutzungsgewohnheiten läuft. Vereinbare mit dem Installateur einen kostenlosen Nachregulierungstermin. Viele Hersteller (Vaillant, Viessmann, Buderus) bieten diesen Service über ihre zertifizierten Partner an.

Richtig gemacht: So gelingt die Inbetriebnahme

  • Einen vollen Arbeitstag für die Inbetriebnahme einplanen
  • Heizkurve konservativ (eher flach) starten und nachjustieren
  • Hydraulischen Abgleich nach Verfahren B durchführen lassen
  • Nachregulierungstermin nach 4 bis 8 Wochen vereinbaren
  • Inbetriebnahmeprotokoll vollständig und korrekt ausfüllen lassen
  • Einweisung aufmerksam verfolgen und Fragen stellen
  • Monitoring-App einrichten und Betriebsdaten verfolgen
  • Alle Dokumente für BAFA-Nachweis systematisch sammeln

Fehler vermeiden: Was schiefgehen kann

  • Inbetriebnahme ohne Anwesenheit durchführen lassen
  • Hydraulischen Abgleich überspringen oder nur Verfahren A
  • Heizkurve zu steil einstellen (Komfort-Sicherheit auf Kosten der Effizienz)
  • Heizstab dauerhaft aktiv lassen statt Ursache suchen
  • Inbetriebnahme unter 2 Stunden als ausreichend akzeptieren
  • Keinen Nachregulierungstermin vereinbaren
  • Inbetriebnahmeprotokoll nicht prüfen oder nicht unterschreiben
  • BAFA-Dokumente nicht rechtzeitig einreichen

Die ersten Wochen nach der Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme ist der Startschuss, aber die eigentliche Optimierung beginnt erst danach. In den ersten 2 bis 4 Wochen Heizbetrieb lernst Du Deine Wärmepumpe kennen, und die Anlage lernt (bei modernen Systemen mit Selbstoptimierung) Dein Gebaeude kennen. Hier sind die wichtigsten Punkte, die Du in dieser Phase beachten solltest.

Modernes Wärmepumpen-Außengerät neben einem Einfamilienhaus mit Garten
Nach der Inbetriebnahme: Das Außengerät arbeitet leise und effizient im Garten neben dem Haus

Raumtemperaturen beobachten und Heizkurve anpassen

Miss die Raumtemperaturen in verschiedenen Räumen zu verschiedenen Tageszeiten. Ideal ist ein einfaches Thermometer in jedem Hauptraum. Wenn alle Räume gleichmäßig zu warm sind, senke die Parallelverschiebung der Heizkurve um 1 bis 2 Grad. Wenn alle Räume gleichmäßig zu kalt sind, erhöhe sie. Wenn nur einzelne Räume zu kalt oder zu warm sind, liegt das Problem am hydraulischen Abgleich, nicht an der Heizkurve.

Druckmanometer wöchentlich prüfen

Prüfe in den ersten Wochen wöchentlich das Druckmanometer im Heizungskreis. Der Solldruck liegt normalerweise bei 1,5 bis 2,5 bar (kalt). Ein langsamer Druckabfall ist in den ersten Wochen normal, da sich Restluft im System löst und über den Entlüfter entweicht. Wenn der Druck deutlich unter 1,0 bar fällt, muss Heizungswasser nachgefüllt werden. Lass Dir beim Ersttermin genau zeigen, wie das geht.

Betriebsgeräusche beobachten

Lerne, wie Deine Wärmepumpe im Normalbetrieb klingt. Typische Geräusche sind: gleichmäßiges Summen des Kompressors, Rauschen des Ventilators (bei Luft-WP) und gelegentliches Klicken bei Schaltzyklen. Ungewöhnliche Geräusche wie Klopfen, Hämmern, metallisches Schlagen oder hochfrequentes Pfeifen sind Warnzeichen, die dem Installateur gemeldet werden sollten. Informationen zu Wärmepumpe Lautstärke und Schallschutz findest Du in unserem Ratgeber.

Energieverbrauch tracken

Richte die Hersteller-App ein (Vaillant sensoAPP, Viessmann ViCare, Bosch HomeCom Easy, Daikin Onecta) und verfolge den täglichen Stromverbrauch. Vergleiche den tatsächlichen Verbrauch mit dem prognostizierten. Grobe Faustregel für eine Luft-Wasser-WP im Einfamilienhaus: 3.000 bis 5.000 kWh/Jahr Strom für Heizung und Warmwasser, abhängig von Gebaeudegröße, Dämmung und Klimazone. Wenn der Verbrauch deutlich über den Prognosen liegt, stimmt etwas mit der Einstellung nicht.

Auch die regelmäßige Wartung der Wärmepumpe solltest Du im Blick haben. Nach dem ersten Betriebsjahr empfehlen die meisten Hersteller eine Erstinspektion. Plane diese rechtzeitig ein und nutze den Termin, um die Betriebsdaten des ersten Jahres mit dem Techniker zu besprechen.

Monobloc vs. Split: Unterschiede bei der Inbetriebnahme

Die Bauweise Deiner Wärmepumpe hat erheblichen Einfluss auf den Ablauf und die Kosten der Inbetriebnahme. Die beiden gängigen Bauweisen sind Monobloc (alles in einem Gehäuse) und Split (Außen- und Innengerät getrennt). Die Unterschiede im Detail:

KriteriumMonoblocSplit-System
KältemittelarbeitenKeine (werkseitig befüllt)Evakuierung, Drucktest, Befüllung
F-Gas-Zertifizierung nötig?NeinJa, zwingend
Dauer Inbetriebnahme3 bis 5 Stunden5 bis 8 Stunden
Kosten (Einzelleistung)600 bis 1.300 €1.000 bis 2.000 €
KältemittelprotokollNicht erforderlichGesetzlich vorgeschrieben
Fehlerrisiko bei InbetriebnahmeGeringHöher (Undichtigkeiten, falsche Füllmenge)
InstallateursauswahlJeder HeizungsbauerNur mit F-Gas-Sachkunde
Heizungstechniker erklärt einer Familie die Bedienung ihrer neuen Wärmepumpe
Bei der Übergabe wird die gesamte Familie in die Bedienung der Wärmepumpe eingewiesen

Für die meisten Einfamilienhäuser empfehlen wir aktuell Monobloc-Systeme, wenn die Leitungslänge zwischen Aufstellort und Heizraum nicht zu groß ist (max. 15 bis 20 Meter). Der Hauptvorteil: einfachere Installation, einfachere Inbetriebnahme, keine Kältemittelarbeiten und damit breitere Installateursauswahl. Split-Systeme haben ihre Berechtigung bei größeren Entfernungen zwischen Außen- und Innengerät oder bei speziellen baulichen Gegebenheiten. Mehr Details im Vergleich Split vs. Monobloc Wärmepumpe.

Besonderheiten bei Erdwärme-Wärmepumpen

Bei Erdwärme-Wärmepumpen (Sole-Wasser) kommen zusätzliche Inbetriebnahme-Schritte hinzu: Die Soleleitungen (Erdkollektoren oder Erdsonden) müssen gespült, entlüftet und mit dem richtigen Sole-Gemisch (Wasser-Glykol) befüllt werden. Der Fachbetrieb prüft die Erdsondentemperatur, den Solestrom und die Quellenleistung. Die Inbetriebnahme einer Sole-Wasser-WP dauert typischerweise 1 bis 2 Stunden länger als bei einer Luft-Wasser-WP.

Kombination mit Solaranlage

Wenn Du Deine Wärmepumpe mit einer Solaranlage kombinierst, sollte die Inbetriebnahme beider Systeme aufeinander abgestimmt werden. Die Solaranlage liefert tagsüber günstigen Strom, den die Wärmepumpe über eine SG-Ready-Schnittstelle nutzen kann. Bei der Inbetriebnahme wird die SG-Ready-Funktion konfiguriert: Wenn überschüssiger Solarstrom verfügbar ist, erhöht die Wärmepumpe die Speichertemperatur oder heizt den Warmwasserspeicher zusätzlich auf. So nutzt Du den Solarstrom maximal und reduzierst den Netzbezug. Informiere Dich auch über die Kombination aus E-Auto und Solaranlage.

Wärmepumpe im Altbau: Besondere Anforderungen

Die Inbetriebnahme einer Wärmepumpe im Altbau stellt besondere Anforderungen: Höhere Vorlauftemperaturen erfordern steilere Heizkurven, der hydraulische Abgleich ist aufwendiger (viele verschiedene Heizkörpergrößen und Rohrdimensionen), und das Heizungswasser in alten Leitungen muss gründlich gespült werden. Besonders bei der Umstellung von einer alten Gasheizung auf eine Wärmepumpe ist eine sorgfältige Inbetriebnahme unverzichtbar. Der Techniker muss die alten Heizkörper überprüfen und sicherstellen, dass sie mit den Vorlauftemperaturen der Wärmepumpe kompatibel sind. In manchen Fällen müssen einzelne Heizkörper gegen größere Modelle ausgetauscht werden, um mit niedrigeren Vorlauftemperaturen ausreichend Wärme abzugeben. Details zu den Kosten für den Heizungstausch findest Du in unserem Ratgeber.

🔑 Fazit: Inbetriebnahme entscheidet über 20 Jahre Effizienz

Die Inbetriebnahme ist keine Formalität, sondern der wichtigste Tag im Leben Deiner Wärmepumpe. Investiere in einen guten Fachbetrieb, plane ausreichend Zeit ein, sei selbst anwesend und bestehe auf einer gründlichen Einregulierung. Die Stunden, die Du hier investierst, sparen Dir über die Anlagenlebensdauer tausende Euro Stromkosten und garantieren jahrzehntelangen Heizkomfort.

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Häufige Fragen zur Wärmepumpe Inbetriebnahme

Wer darf eine Wärmepumpe in Betrieb nehmen?
Nur ein zugelassener Heizungsfachbetrieb darf die Inbetriebnahme durchführen. Bei Split-Systemen mit Kältemittelarbeiten ist zusätzlich ein F-Gas-zertifizierter Kältetechniker gesetzlich vorgeschrieben (EU-F-Gas-Verordnung). Eine Eigeninbetriebnahme durch Laien führt zum Verlust der Herstellergarantie und verhindert die BAFA-Förderung. Achte bei der Betriebswahl auf herstellerspezifische Zertifizierungen (z.B. Vaillant-Servicepartner, Daikin D1-Partner).
Was kostet die Inbetriebnahme einer Wärmepumpe?
Die Inbetriebnahme ist in den meisten Installationspaketen enthalten. Als Einzelleistung kostet die Grundinbetriebnahme 300 bis 600 Euro, bei Split-Systemen mit Kältemittelbefüllung zusätzlich 300 bis 600 Euro. Der hydraulische Abgleich (300 bis 800 Euro) kommt ggf. hinzu. Gesamt: 600 bis 1.300 Euro (Monobloc) oder 1.000 bis 2.000 Euro (Split). Verlange immer einen Pauschalpreis inklusive aller Leistungen.
Wie lange dauert die Inbetriebnahme?
Eine gründliche Inbetriebnahme dauert 4 bis 8 Stunden für ein Einfamilienhaus. Bei Split-Systemen mit Kältemittelbefüllung und vollständigem hydraulischen Abgleich kann es ein ganzer Arbeitstag werden. Wenn der Techniker nach weniger als 2 Stunden fertig ist, wurde die Anlage wahrscheinlich nicht ausreichend einreguliert. Bestehe auf ausreichend Zeit.
Was ist die Heizkurve und wie wird sie eingestellt?
Die Heizkurve steuert die Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Der Fachbetrieb stellt sie nach Berechnungswerten ein: Bei Fußbodenheizung eine flache Kurve (Steigung 0,3 bis 0,5), bei Heizkörpern eine steilere (0,7 bis 1,2). In den ersten Wochen wird die Kurve anhand der tatsächlichen Raumtemperaturen nachjustiert. Viele moderne Anlagen können die Heizkurve durch Lernen automatisch optimieren.
Brauche ich das Inbetriebnahmeprotokoll für die BAFA-Förderung?
Ja, das Inbetriebnahmeprotokoll ist ein Pflichtdokument im BAFA-Verwendungsnachweis. Ohne Protokoll wird die Förderung nicht ausgezahlt. Es muss enthalten: Gerätetyp, Seriennummer, Betriebsparameter, hydraulischer Abgleich, Kältemittelmenge (bei Split), Legionellenschutz und Unterschriften beider Parteien. Stelle sicher, dass alle Angaben vollständig und korrekt sind.
Was ist der Unterschied zwischen Inbetriebnahme und Einregulierung?
Die Inbetriebnahme ist der formale erste Start mit Drucktest, Befüllung, Grundeinstellung und Testlauf. Die Einregulierung ist der anschließende Optimierungsprozess über mehrere Wochen: Die Heizkurve wird angepasst, alle Räume auf Komfort geprüft und Betriebsdaten analysiert. Manche Hersteller bieten 4 bis 8 Wochen nach der Inbetriebnahme einen kostenlosen Nachregulierungstermin an.
Muss ich bei der Inbetriebnahme anwesend sein?
Deine Anwesenheit ist dringend empfohlen. Nur wenn Du dabei bist, bekommst Du die vollständige Einweisung in die Bedienung und kannst Fragen stellen. Du solltest das Inbetriebnahmeprotokoll vor Ort prüfen und unterschreiben. Der Fachbetrieb zeigt Dir: Bedienmenü, Betriebsmodi, Druckmanometer ablesen, Wasser nachfüllen, Notaus und die Hersteller-App.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Inbetriebnahme?
Die Übergangszeit im Herbst (September bis November) oder Frühling (März bis Mai) ist ideal. Bei moderaten Außentemperaturen kann die Heizfunktion unter realistischen Bedingungen getestet und die Heizkurve optimiert werden. Im Hochsommer fehlt der reale Heizbetrieb zum Testen. Im tiefsten Winter funktioniert die Inbetriebnahme, aber falls Probleme auftreten, stehst Du ohne Heizung da.
Was muss ich in den ersten Wochen nach der Inbetriebnahme beachten?
In den ersten 2 bis 4 Wochen: Raumtemperaturen beobachten und Heizkurve bei Bedarf anpassen, Druckmanometer wöchentlich prüfen (Solldruck 1,5 bis 2,5 bar), Betriebsgeräusche beobachten (Klopfen oder Pfeifen sofort melden), Energieverbrauch über die Hersteller-App verfolgen. Vereinbare nach 4 bis 8 Wochen einen Nachregulierungstermin mit dem Installateur.
Monobloc oder Split: Was ist bei der Inbetriebnahme einfacher?
Monobloc-Systeme sind deutlich einfacher in der Inbetriebnahme: Kein Kältemittelhandling, keine F-Gas-Zertifizierung nötig, kein Kältemittelprotokoll. Die Inbetriebnahme dauert 3 bis 5 Stunden statt 5 bis 8 Stunden und kostet 600 bis 1.300 Euro statt 1.000 bis 2.000 Euro. Split-Systeme haben Vorteile bei großen Leitungslängen und speziellen Einbausituationen.