Bohrgerät für Erdsondenbohrung auf einem Grundstück neben einem Einfamilienhaus
Eine Erdsondenbohrung auf einem typischen Einfamilienhaus-Grundstück - das Bohrgerät benötigt etwa 5 x 10 Meter Stellfläche.

Was kostet eine Erdwärme-Bohrung 2026?

Die Erdsondenbohrung ist der größte Kostenblock bei einer Sole-Wasser-Wärmepumpe. Der Preis richtet sich nach der Anzahl der Bohrmeter, der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds und der Region. Im Schnitt liegen die Kosten 2026 bei 60 bis 120 Euro pro Bohrmeter. Für ein typisches Einfamilienhaus mit 10 kW Heizlast und 150 bis 250 benötigten Bohrmetern ergibt das reine Bohrkosten von 9.000 bis 30.000 Euro.

Dieser Preis umfasst die komplette Bohrleistung: Anfahrt und Aufbau des Bohrgeräts, die eigentliche Bohrung, das Einbringen der Erdwärmesonde, die Verpressung des Bohrlochs mit Spezialmaterial (Bentonit-Zement-Gemisch) und den Abbau. Laut dem Bundesverband Geothermie haben sich die Bohrkosten seit 2023 leicht stabilisiert, nachdem sie in den Jahren 2021 und 2022 durch hohe Nachfrage und Materialengpässe deutlich gestiegen waren.

60 - 120 €
Kosten pro Bohrmeter
150 - 250 m
Bohrmeter für ein EFH
SCOP 4,5 - 5,5
Effizienz Erdwärme-WP

Die Spanne von 60 bis 120 Euro mag groß erscheinen - sie erklärt sich aber durch erhebliche Unterschiede in Geologie und Zugänglichkeit. In Norddeutschland, wo der Untergrund häufig aus weichen Sedimentgesteinen besteht, bohrt das Gerät deutlich schneller als in süddeutschem Granit oder Gneis. Auch die Erreichbarkeit des Grundstücks spielt eine Rolle: Muss das Bohrgerät durch enge Einfahrten manövriert werden oder steht der Bohrplatz auf einer freien Wiese? All das beeinflusst den Preis.

Regionale Preisunterschiede bei Erdsondenbohrungen

Die folgende Tabelle zeigt, mit welchen Kosten pro Bohrmeter Sie je nach Region und Untergrund rechnen müssen. Beachten Sie, dass der tatsächliche Preis erst nach einer geologischen Vorerkundung oder mindestens einer Anfrage bei lokalen Bohrfirmen verbindlich ermittelt werden kann.

Region / UntergrundKosten pro BohrmeterEntzugsleistung (W/m)Hinweis
Norddeutsche Tiefebene (Sand, Ton)60 - 85 €30 - 50 W/mSchneller Bohrfortschritt, aber geringere Wärmeleitfähigkeit
Mittelgebirge (Sandstein, Kalkstein)70 - 100 €45 - 65 W/mGute Balance aus Bohrgeschwindigkeit und Entzugsleistung
Süddeutschland (Granit, Gneis)85 - 120 €55 - 80 W/mLangsamer Bohrfortschritt, aber hohe Entzugsleistung
Alpenvorland (Molasse, Kies)75 - 110 €40 - 60 W/mWechselnde Schichten erfordern flexible Bohrtechnik
Stadtgebiet (eingeschränkter Zugang)90 - 130 €variabelAufpreis für Lärm-/Staubschutz und beengte Verhältnisse
💡 Tipp: Entzugsleistung ist entscheidend

Je höher die Entzugsleistung pro Bohrmeter, desto weniger Bohrmeter benötigen Sie. In Granit-Regionen zahlen Sie zwar mehr pro Meter, brauchen aber oft 30 bis 40 % weniger Bohrmeter als in Sandgebieten. Lassen Sie immer eine Geothermie-Fachplanung durchführen - die Kosten von 500 bis 1.500 Euro können sich durch optimierte Bohrmeter schnell amortisieren.

Neben dem reinen Bohrmeterpreis fallen bei jeder Erdsondenbohrung weitere Kosten an, die oft im Angebot der Bohrfirma enthalten sind, manchmal aber separat ausgewiesen werden: die An- und Abfahrt des Bohrgeräts (500 bis 2.000 Euro), die Baustelleneinrichtung (300 bis 800 Euro) und die Entsorgung des Bohrguts (200 bis 600 Euro). Fragen Sie bei Angeboten immer nach, ob diese Posten inkludiert sind. Die Gesamtkosten einer Wärmepumpe setzen sich aus deutlich mehr Positionen zusammen - dazu kommen wir in Sektion 3.

Tiefenbohrung vs. Flächenkollektor (Vergleich)

Wer sich für eine Erdwärmepumpe entscheidet, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten, die Wärme aus dem Erdreich zu gewinnen: die Tiefenbohrung (Erdwärmesonde) oder den Flächenkollektor (auch Erdkollektor genannt). Beide Systeme nutzen die im Boden gespeicherte Sonnenwärme und die Erdwärme aus dem Erdinneren - aber auf unterschiedliche Weise und mit sehr verschiedenen Konsequenzen für Kosten, Platzbedarf und Effizienz.

Verlegung eines Flächenkollektors im Garten - Kunststoffrohre in Erdgräben
Flächenkollektoren werden in 1 bis 1,5 Meter Tiefe horizontal verlegt - sie brauchen mindestens die 1,5-fache Wohnfläche als Gartenfläche.

Bei der Tiefenbohrung werden eine oder mehrere vertikale Bohrungen in 80 bis 150 Meter Tiefe abgeteuft. In jede Bohrung wird eine U-förmige Kunststoffsonde (Doppel-U-Sonde) eingeführt, durch die ein Sole-Gemisch (Wasser mit Frostschutzmittel) zirkuliert. In der Tiefe nimmt die Sole die Erdwärme auf (in 100 Meter Tiefe herrschen konstant 10 bis 13 Grad Celsius) und transportiert sie zur Wärmepumpe im Haus. Laut dem Umweltbundesamt liefern Erdwärmesonden die stabilsten Quelltemperaturen aller Wärmepumpen-Systeme.

Der Flächenkollektor funktioniert nach dem gleichen Prinzip, aber horizontal: Kunststoffrohre werden in 1 bis 1,5 Meter Tiefe mäanderförmig im Garten verlegt. Die Verlegetiefe liegt unterhalb der Frostgrenze, aber deutlich oberhalb der Tiefensonde. Dadurch schwanken die Bodentemperaturen stärker mit den Jahreszeiten - im Winter, wenn die meiste Heizwärme benötigt wird, sind die Temperaturen am niedrigsten. Für die Verlegung muss der Garten großflächig aufgegraben werden. Faustregel: Sie benötigen die 1,5- bis 2-fache Wohnfläche als unbebaute, unbeschattete Gartenfläche.

Kosten und Platzbedarf im direkten Vergleich

Der größte Unterschied liegt im Preis: Ein Flächenkollektor kostet mit 3.000 bis 8.000 Euro nur einen Bruchteil der Tiefenbohrung (9.000 bis 30.000 Euro). Dafür braucht er aber mindestens 200 bis 400 Quadratmeter freie Gartenfläche - für viele Grundstücke ein Ausschlusskriterium. Die Tiefenbohrung kommt dagegen mit einer Stellfläche von etwa 5 mal 10 Metern für das Bohrgerät aus und benötigt nach Abschluss der Arbeiten nur wenige Quadratmeter Fläche für den Sondenkopf.

✓ Vorteile Tiefenbohrung

  • Minimaler Platzbedarf (wenige m² dauerhaft)
  • Konstante Quelltemperatur (10 - 13 °C ganzjährig)
  • Höchster SCOP aller Wärmequellen (4,5 - 5,5)
  • Kein Einfluss auf Gartennutzung nach Fertigstellung
  • Passive Kühlung im Sommer möglich (Natural Cooling)
  • Lebensdauer der Sonde 50+ Jahre

✗ Nachteile Tiefenbohrung

  • Hohe Investitionskosten (9.000 - 30.000 € Bohrung)
  • Genehmigung erforderlich (4 - 12 Wochen Wartezeit)
  • In Wasserschutzgebieten oft nicht möglich
  • Geologisches Risiko (unvorhergesehene Schichten)
  • Nicht reversibel - Sonde bleibt dauerhaft im Boden
  • Lärm und Erschütterungen während der Bohrung (1 - 3 Tage)

Ein oft übersehener Vorteil der Tiefenbohrung ist die Möglichkeit der passiven Kühlung (Natural Cooling oder Free Cooling). Dabei wird im Sommer die kühle Sole aus der Tiefe (ca. 10 bis 13 Grad) direkt durch die Fußbodenheizung geleitet - ohne dass der Kompressor der Wärmepumpe laufen muss. Der Stromverbrauch beschränkt sich auf die Umwälzpumpe und liegt bei 50 bis 100 Euro pro Kühlsaison. Diese Funktion steigert den Wohnkomfort erheblich und ist bei der Wahl der richtigen Wärmepumpe ein starkes Argument für die Erdwärme-Variante.

🔑 Kernaussage

Die Tiefenbohrung ist die effizienteste, aber auch teuerste Wärmequelle. Sie eignet sich ideal für kleine bis mittlere Grundstücke, liefert ganzjährig stabile Temperaturen und ermöglicht passive Kühlung im Sommer. Der Flächenkollektor ist eine kostengünstige Alternative - aber nur, wenn ausreichend unbebaute Gartenfläche vorhanden ist. Für die meisten Neubauten in Neubaugebieten mit Grundstücken unter 400 m² ist die Tiefenbohrung die einzige Erdwärme-Option.

Kostenaufstellung im Detail (Bohrung, Wärmepumpe, Installation)

Kostenübersicht einer Erdwärme-Anlage mit Bohrung und Wärmepumpe
Die Gesamtkosten einer Erdwärme-Anlage setzen sich aus Bohrung, Wärmepumpe, Verrohrung und Installation zusammen.

Eine vollständige Erdwärme-Anlage besteht aus drei Hauptkomponenten: der Erdwärmequelle (Bohrung oder Kollektor), der Sole-Wasser-Wärmepumpe selbst und der Hausinstallation (Verrohrung, Pufferspeicher, Steuerung, Elektrik). Dazu kommen Planungs- und Genehmigungskosten. Die folgende Tabelle zeigt die Gesamtkosten für ein typisches Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche und 10 kW Heizlast - das häufigste Szenario in Deutschland.

KostenpositionMit TiefenbohrungMit Flächenkollektor
Erdwärmequelle (Bohrung / Kollektor)12.000 - 25.000 €3.000 - 8.000 €
Sole-Wasser-Wärmepumpe (8 - 12 kW)8.000 - 14.000 €8.000 - 14.000 €
Pufferspeicher (300 - 500 l)1.200 - 2.500 €1.200 - 2.500 €
Verrohrung und Anbindung1.500 - 3.000 €1.500 - 3.000 €
Elektrik und Steuerung800 - 1.500 €800 - 1.500 €
Installation und Inbetriebnahme2.000 - 4.000 €2.000 - 4.000 €
Planung und Genehmigung700 - 2.000 €200 - 500 €
Gesamtkosten brutto26.200 - 52.000 €16.700 - 33.500 €
BAFA-Förderung (50 % Beispiel)-13.100 - -26.000 €-8.350 - -16.750 €
Eigenanteil nach Förderungab ca. 13.100 €ab ca. 8.350 €

Die große Spanne bei den Gesamtkosten erklärt sich vor allem durch die Bohrkosten und die Wahl der Wärmepumpe. Premium-Hersteller wie Viessmann Vitocal, Vaillant flexoTHERM oder Nibe S1255 liegen preislich am oberen Ende, bieten dafür aber höchste Effizienzwerte (SCOP bis 5,5), leisen Betrieb und umfangreiche Smart-Home-Integration. Günstigere Modelle von Alpha Innotec, Stiebel Eltron oder Waterkotte liegen bei 8.000 bis 11.000 Euro und sind ebenfalls hochwertige Geräte. Einen ausführlichen Überblick bietet unser Wärmepumpe Preis Ratgeber.

Kostenverteilung einer Erdwärme-Anlage

Wo fließt das Geld hin? Das folgende Diagramm zeigt die typische Kostenverteilung bei einer Erdwärme-Anlage mit Tiefenbohrung. Die Bohrung macht mit rund 45 % den Löwenanteil aus - ein Grund, warum die geologische Vorerkundung und der Vergleich mehrerer Bohrangebote so wichtig sind.

Kostenverteilung Erdwärme-Anlage (EFH, Tiefenbohrung)
Bohrung
~45 %
Wärmepumpe
~30 %
Installation
~15 %
Sonstiges
~10 %
💡 Tipp: Drei Angebote einholen

Die Bohrkosten variieren je nach Anbieter erheblich - Unterschiede von 20 bis 30 % sind keine Seltenheit. Holen Sie mindestens drei Angebote ein und vergleichen Sie nicht nur den Bohrmeterpreis, sondern auch die Nebenkosten (Anfahrt, Baustelleneinrichtung, Entsorgung). Ein Erfahrungsbericht anderer Hausbesitzer kann bei der Auswahl helfen.

Interessant ist auch der Vergleich der laufenden Kosten: Eine Erdwärmepumpe mit SCOP 5,0 benötigt für 15.000 kWh Heizwärme pro Jahr nur 3.000 kWh Strom. Bei einem Wärmepumpentarif von 0,28 Euro pro kWh ergeben sich jährliche Heizkosten von 840 Euro. Eine Luft-Wärmepumpe mit SCOP 3,5 bräuchte für die gleiche Heizleistung 4.286 kWh Strom und damit 1.200 Euro pro Jahr. Die Differenz von rund 360 Euro jährlich summiert sich über 20 Jahre auf 7.200 Euro - ein erheblicher Betrag, der die höheren Anschaffungskosten der Erdwärme teilweise kompensiert.

Förderung für Erdwärme 2026 (BAFA, KfW)

BAFA Förderung für Erdwärme-Anlagen - Dokumente und Taschenrechner
Die BAFA-Förderung kann bis zu 70 % der förderfähigen Kosten abdecken - inklusive der Bohrkosten.

Die Förderung ist der entscheidende Hebel, der Erdwärme trotz hoher Anfangsinvestition wirtschaftlich attraktiv macht. Über das Bundesförderung für effiziente Gebaeude (BEG) erhalten Hausbesitzer 2026 großzügige Zuschüsse - und zwar für die gesamte Anlage inklusive Bohrung, Wärmepumpe und Installation. Das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) wickelt die Einzelmaßnahmen-Förderung ab, die KfW bietet ergänzend zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse im Rahmen der Heizungsförderung.

BEG-Fördersätze 2026 im Überblick

Die BEG-Förderung setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen, die kumuliert werden können - bis zu einem Maximum von 70 % der förderfähigen Kosten:

  • Basisförderung: 30 % für den Umstieg auf eine Wärmepumpe (gilt für alle Wärmepumpen-Typen)
  • Effizienz-Bonus: 5 % zusätzlich für Wärmepumpen, die ein natürliches Kältemittel verwenden oder Erdwärme, Wasser oder Abwasser als Wärmequelle nutzen - Erdwärmepumpen qualifizieren sich automatisch
  • Klima-Geschwindigkeits-Bonus: 20 % zusätzlich, wenn eine funktionstüchtige Öl-, Gas- oder Kohleheizung ersetzt wird, die mindestens 20 Jahre alt ist (oder bei Gas-Etagenheizungen unabhängig vom Alter)
  • Einkommens-Bonus: 30 % zusätzlich für Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen unter 40.000 Euro

Die förderfähigen Kosten sind auf 30.000 Euro für die erste Wohneinheit gedeckelt (bei Mehrfamilienhäusern erhöht sich dieser Betrag). Der maximale Zuschuss beträgt damit: 30.000 Euro x 70 % = 21.000 Euro. Ein detaillierter Leitfaden zur Antragstellung findet sich in unserem Ratgeber Wärmepumpe Förderung Antrag.

🔑 Rechenbeispiel Förderung

Familie Müller ersetzt ihre 25 Jahre alte Gasheizung durch eine Erdwärmepumpe mit Tiefenbohrung. Gesamtkosten: 35.000 Euro. Förderfähig: 30.000 Euro (Deckel). Fördersatz: 30 % (Basis) + 5 % (Effizienz, Erdwärme) + 20 % (Klima-Bonus, alte Gasheizung) = 55 %. Zuschuss: 16.500 Euro. Eigenanteil: 18.500 Euro. Bei einem Haushaltseinkommen unter 40.000 Euro kämen nochmals 30 % dazu - insgesamt 70 % und ein Zuschuss von 21.000 Euro.

⚠️ Wichtig: Antrag vor Auftragsvergabe

Der Förderantrag muss vor der Auftragsvergabe an den Handwerksbetrieb oder die Bohrfirma gestellt werden. Ein Liefer- und Leistungsvertrag mit aufschiebender Bedingung ist zulässig, aber der eigentliche Auftrag darf erst nach Bewilligung erteilt werden. Wer zuerst bohrt und dann den Antrag stellt, verliert den Förderanspruch. Auch die allgemeine Heizungsförderung 2026 folgt diesem Prinzip.

Ergänzend zur BAFA-Förderung bietet die KfW im Programm 358/359 einen zinsgünstigen Ergänzungskredit von bis zu 120.000 Euro für energetische Sanierungsmaßnahmen. Dieser Kredit lässt sich mit dem BAFA-Zuschuss kombinieren. Besonders für Familien, die die hohe Anfangsinvestition einer Erdwärme-Anlage nicht aus Eigenkapital stemmen können, ist diese Kombination attraktiv. Details zur Förderung aller Heizsysteme finden Sie in unserem Ratgeber Sanierung Förderung 2026.

Erdwärme-Angebote mit Förderberatung

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Genehmigung und Voraussetzungen (Wasserschutzgebiet, Geologie)

Genehmigungsprozess für Erdsondenbohrungen - Behörde und Planungsunterlagen
Vor jeder Erdsondenbohrung steht die behördliche Genehmigung - in den meisten Bundesländern bei der unteren Wasserbehörde.

Erdsondenbohrungen greifen in den Untergrund und potenziell in das Grundwasser ein - deshalb ist in allen 16 Bundesländern eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich. Die zuständige Behörde ist in der Regel die untere Wasserbehörde des Landkreises oder der kreisfreien Stadt. In einigen Bundesländern (z. B. Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen) ist zusätzlich eine bergrechtliche Anzeige beim zuständigen Bergamt nötig, wenn die Bohrtiefe 100 Meter überschreitet.

Der Genehmigungsprozess dauert typischerweise 4 bis 12 Wochen. In unkomplizierten Fällen (außerhalb von Schutzgebieten, Standardgeologie) können manche Behörden innerhalb von 3 bis 4 Wochen entscheiden. In Grenzfällen - etwa in der Nähe von Wasserschutzgebieten oder bei komplexer Geologie - kann die Bearbeitung auch 3 bis 6 Monate dauern. Die Genehmigungsgebühren liegen bei 200 bis 800 Euro, abhängig von Bundesland und Aufwand.

Wasserschutzgebiete: Was geht und was nicht

Das größte Hindernis für eine Erdsondenbohrung ist die Lage des Grundstücks in einem Wasserschutzgebiet. Laut dem Umweltbundesamt gelten folgende Regeln:

  • Zone I (Fassungsbereich): Bohrungen sind ausnahmslos verboten
  • Zone II (engere Schutzzone): Bohrungen sind in der Regel nicht genehmigungsfähig
  • Zone III / IIIA (weitere Schutzzone): Genehmigung ist theoretisch möglich, aber mit strengen Auflagen (doppelwandige Sonden, erhöhte Verpressungsanforderungen). In der Praxis raten die meisten Fachplaner davon ab
  • Zone IIIB: Genehmigung mit Standardauflagen meist möglich

Ob Ihr Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt, können Sie beim zuständigen Landesamt für Umwelt oder Geologie online prüfen. Viele Bundesländer bieten interaktive Karten an (z. B. der Geothermie-Atlas in Baden-Württemberg oder das Geothermie-Portal NRW). Wenn eine Bohrung nicht möglich ist, sind ein Flächenkollektor oder eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Altbau Alternativen.

Geologische Voraussetzungen

Neben dem Wasserrecht spielt die Geologie eine zentrale Rolle. Nicht jeder Untergrund eignet sich gleich gut für eine Erdsondenbohrung. Besonders problematisch sind:

  • Artesisch gespanntes Grundwasser: Wasser steht unter Druck und würde bei der Bohrung unkontrolliert aufsteigen - erfordert besondere Sicherungsmaßnahmen oder ist ein Ausschlusskriterium
  • Karstgebiete (Schwäbische Alb, Fränkische Alb): Hohlräume im Kalkstein können zu unkontrolliertem Wasserverlust führen - behördlich oft eingeschränkt
  • Altlasten und Kontaminationen: Bei Verdacht auf Bodenkontamination (ehemalige Industriestandorte, Tankstellen) ist eine Bohrung meist nicht zulässig
  • Bergbaugebiete: Ehemalige Bergbauregionen (Ruhrgebiet, Saarland, Erzgebirge) können Hohlräume im Untergrund aufweisen - besondere Prüfung erforderlich
⚠️ Geologisches Risiko minimieren

Beauftragen Sie vor der Bohrung eine Geothermie-Fachplanung (500 bis 1.500 Euro). Der Fachplaner wertet geologische Karten aus, prüft bestehende Bohrdaten in der Umgebung und berechnet die optimale Anzahl und Tiefe der Sonden. Das minimiert das Risiko unvorhergesehener Komplikationen und spart unter Umständen mehrere Tausend Euro durch optimierte Bohrplanung. Informationen zur geothermischen Ergiebigkeit bietet das Geothermie-Portal des Bundesverbands.

Ablauf einer Erdwärme-Bohrung (Schritt für Schritt)

Erdsondenbohrung Schritt für Schritt - vom Bohrgerät bis zur fertigen Installation
Der Ablauf einer Erdsondenbohrung - von der Planung bis zur fertigen Heizung vergehen 3 bis 6 Monate.

Der Weg von der ersten Idee bis zur fertigen Erdwärme-Heizung umfasst mehrere Phasen und dauert in der Regel 3 bis 6 Monate. Damit Sie wissen, was auf Sie zukommt, haben wir den typischen Ablauf in sechs Schritte aufgeteilt. Die Bundesverband Wärmepumpe (BWP) empfiehlt, den Prozess mindestens 4 Monate vor dem gewünschten Inbetriebnahmetermin zu starten.

1

Beratung und Fachplanung

Ein Energieberater oder Geothermie-Fachplaner bewertet Ihr Grundstück, berechnet die Heizlast des Gebaeudes und ermittelt die benötigte Bohrtiefe und Sondenanzahl. Kosten: 500 bis 1.500 Euro. Dauer: 1 bis 2 Wochen. Tipp: Gleichzeitig prüfen lassen, ob das Grundstück in einem Wasserschutzgebiet liegt.

2

Genehmigungsantrag stellen

Der Antrag wird bei der unteren Wasserbehörde eingereicht - in der Regel durch die Bohrfirma oder den Fachplaner. Benötigte Unterlagen: Lageplan, Bohranzeige, geologische Stellungnahme, Anlagenplan. Kosten: 200 bis 800 Euro. Bearbeitungszeit: 4 bis 12 Wochen. Parallel sollte der BAFA-Förderantrag gestellt werden.

3

Angebote einholen und Auftrag vergeben

Holen Sie mindestens drei Angebote von zertifizierten Bohrfirmen ein. Achten Sie auf die DVGW-Zertifizierung (W 120) - sie stellt sicher, dass die Firma nach den anerkannten Regeln der Technik arbeitet. Vergleichen Sie Bohrmeterpreis, Nebenkosten und Referenzen. Auftragsvergabe erst nach Genehmigung und Förderzusage.

4

Bohrung durchführen

Das Bohrgerät wird angeliefert und aufgebaut (Stellfläche ca. 5 x 10 m). Je nach Tiefe und Geologie dauert eine Bohrung 1 bis 3 Tage pro Sonde. Anschließend wird die Doppel-U-Sonde eingeführt und das Bohrloch mit Bentonit-Zement-Gemisch verpresst. Dabei wird die gesamte Bohrstrecke lückenlos verfüllt - das schützt das Grundwasser.

5

Anbindung und Installation der Wärmepumpe

Die Erdwärmesonden werden über erdverlegte Leitungen mit der Wärmepumpe im Keller oder Technikraum verbunden. Der Heizungsbauer installiert die Sole-Wasser-Wärmepumpe, den Pufferspeicher, die Verrohrung und die Regelung. Dauer: 2 bis 4 Tage. Die Anlage wird mit Sole befüllt und entlüftet.

6

Inbetriebnahme und Protokollierung

Der Heizungsbauer nimmt die Anlage in Betrieb, optimiert die Heizkurve und erstellt ein Inbetriebnahmeprotokoll. Dieses Protokoll benötigen Sie für die BAFA-Verwendungsnachweis und die Herstellergarantie. Empfehlung: Im ersten Betriebsjahr die Jahresarbeitszahl (JAZ) überwachen und ggf. nachoptimieren lassen.

Der gesamte Prozess von der ersten Beratung bis zur Inbetriebnahme dauert 3 bis 6 Monate. Der zeitkritische Faktor ist meist die Genehmigung - planen Sie hier großzügig. In der Zwischenzeit können Sie bereits Angebote für die Wärmepumpe einholen und den Förderantrag vorbereiten. Eine frühe Planung lohnt sich besonders, wenn Sie die Erdwärme-Anlage im Rahmen einer umfassenden energetischen Sanierung realisieren möchten.

Erdwärme vs. Luft-Wärmepumpe (20-Jahres-Vergleich)

Vergleich Erdwärmepumpe und Luft-Wärmepumpe vor einem Einfamilienhaus
Erdwärme vs. Luft-Wärmepumpe - der 20-Jahres-Vergleich zeigt, wann sich die höhere Investition rechnet.

Die Frage aller Fragen: Lohnt sich die teurere Erdwärmepumpe gegenüber der deutlich günstigeren Luft-Wasser-Wärmepumpe? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab - vor allem vom Heizwärmebedarf, den Stromkosten und der erreichbaren Förderung. Wir haben beide Systeme über einen Zeitraum von 20 Jahren verglichen: ein Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche, 15.000 kWh Heizwärmebedarf pro Jahr und einem Wärmepumpentarif von 0,28 Euro pro kWh (mit jährlicher Steigerung von 2 %).

6.000 - 12.000 €
Ersparnis durch Erdwärme über 20 Jahre
Gegenüber einer Luft-Wasser-Wärmepumpe - bei typischem EFH mit 150 m²

Die Rechnung im Detail

Erdwärmepumpe (SCOP 5,0): Jährlicher Stromverbrauch: 15.000 kWh / 5,0 = 3.000 kWh. Jährliche Stromkosten im ersten Jahr: 3.000 x 0,28 = 840 Euro. Wartungskosten pro Jahr: ca. 150 Euro (Sole-Kreislauf, Druckprüfung). Anschaffung: 35.000 Euro brutto, nach 55 % BAFA-Förderung: 15.750 Euro Eigenanteil.

Luft-Wasser-Wärmepumpe (SCOP 3,5): Jährlicher Stromverbrauch: 15.000 kWh / 3,5 = 4.286 kWh. Jährliche Stromkosten im ersten Jahr: 4.286 x 0,28 = 1.200 Euro. Wartungskosten pro Jahr: ca. 200 Euro (Filter, Kältemittelkreis, Enteiser). Anschaffung: 22.000 Euro brutto, nach 50 % BAFA-Förderung: 11.000 Euro Eigenanteil.

Die Erdwärmepumpe hat also eine Mehrinvestition von ca. 4.750 Euro, spart aber im ersten Jahr bereits 360 Euro an Stromkosten und 50 Euro an Wartungskosten. Bei einer jährlichen Strompreissteigerung von 2 % wächst der jährliche Kostenvorteil über die Jahre. Nach 20 Jahren beträgt die kumulierte Ersparnis bei Strom und Wartung rund 9.500 Euro - abzüglich der Mehrinvestition bleibt ein Nettovorteil von etwa 4.750 Euro. Bei höherem Heizwärmebedarf (Altbau, größere Fläche) oder stärker steigenden Strompreisen verschiebt sich die Rechnung noch deutlicher zugunsten der Erdwärme.

Hinzu kommen weiche Faktoren, die sich schwer in Euro beziffern lassen: Die Erdwärmepumpe arbeitet geräuschlos (kein Außengerät mit Ventilator), bietet passive Kühlung im Sommer, hat eine längere Lebensdauer (Sonde: 50+ Jahre, WP: 20+ Jahre vs. Luft-WP: 15 bis 20 Jahre) und ist witterungsunabhängig (kein Leistungsabfall bei Frost). Der Bundesverband Wärmepumpe verzeichnet bei Erdwärmepumpen zudem eine signifikant niedrigere Reklamationsquote als bei Luft-Wärmepumpen.

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Wann lohnt sich Erdwärme?

Erdwärme ist nicht für jeden Hausbesitzer die optimale Lösung - aber für viele die effizienteste und langfristig wirtschaftlichste. Die Entscheidung hängt von einer Kombination aus Grundstück, Gebaeude, Budget und persönlichen Prioritäten ab. Wir haben die wichtigsten Entscheidungskriterien zusammengefasst.

Erdwärme lohnt sich besonders, wenn ...

  • ... Sie einen Neubau planen: Die Bohrkosten lassen sich in die Gesamtfinanzierung integrieren, die Fußbodenheizung ist Standard, und die Heizlastberechnung liegt bereits vor. Im Neubau amortisiert sich Erdwärme am schnellsten.
  • ... Sie eine alte Öl- oder Gasheizung ersetzen: Der Klima-Geschwindigkeits-Bonus (20 %) macht die Förderung besonders attraktiv. In Kombination mit dem Effizienz-Bonus (5 %) und der Basisförderung (30 %) erreichen Sie 55 % Zuschuss - oder sogar 70 % mit Einkommens-Bonus.
  • ... Ihr Grundstück nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt: Die Genehmigung ist dann in der Regel unkompliziert und erfolgt in 4 bis 8 Wochen.
  • ... Sie eine Fußbodenheizung haben oder einbauen: Die niedrige Vorlauftemperatur (30 bis 35 Grad) ermöglicht einen SCOP von 4,5 bis 5,5 - bei Heizkörpern mit 50 bis 55 Grad sinkt der SCOP auf 3,5 bis 4,5.
  • ... Sie langfristig planen: Die Amortisation der Mehrinvestition liegt bei 12 bis 16 Jahren. Wer das Haus 20+ Jahre nutzen will, profitiert erheblich von den niedrigen Betriebskosten.
  • ... Ihnen Geräuschlosigkeit wichtig ist: Erdwärmepumpen haben kein Außengerät - kein Ventilatorgeräusch, kein Abtaubetrieb, keine Nachbarschaftskonflikte.

Erdwärme lohnt sich eher nicht, wenn ...

  • ... Ihr Grundstück im Wasserschutzgebiet Zone I oder II liegt: Die Bohrung wird nicht genehmigt. Alternative: Flächenkollektor (wenn Garten groß genug) oder Luft-Wärmepumpe.
  • ... Sie das Haus in weniger als 10 Jahren verkaufen wollen: Die Amortisation der Mehrinvestition wird nicht erreicht. Allerdings steigert die Erdwärme-Anlage den Immobilienwert.
  • ... Ihr Budget stark begrenzt ist: Auch mit Förderung liegt der Eigenanteil bei einer Erdwärme-Anlage bei mindestens 13.000 bis 18.000 Euro. Eine Luft-Wärmepumpe kostet nach Förderung 7.000 bis 12.000 Euro.
  • ... Ihr Haus schlecht gedämmt ist und Vorlauftemperaturen über 60 Grad benötigt: Bei hohen Vorlauftemperaturen schrumpft der Effizienzvorteil der Erdwärme gegenüber Luft so weit, dass sich die Mehrinvestition kaum lohnt.

Im Zweifelsfall hilft ein unabhängiger Energieberater, der die individuellen Gegebenheiten bewertet. Die Kosten für eine Energieberatung (300 bis 800 Euro) werden durch das BAFA mit bis zu 80 % bezuschusst. Unsere Erfahrung zeigt: In rund 40 % der Fälle, in denen Hausbesitzer ursprünglich eine Luft-Wärmepumpe geplant hatten, empfiehlt der Energieberater nach der Vor-Ort-Analyse eine Erdwärmepumpe - insbesondere bei Gebaeuden mit Fußbodenheizung und Grundstücken außerhalb von Schutzgebieten. Weitere Entscheidungshilfen bietet unser Ratgeber Wärmepumpe kaufen.

Wenn Sie sich für die Erdwärme-Variante entscheiden, beginnt der Prozess mit der Fachplanung - und der erste konkrete Schritt ist die Anfrage bei geprüften Fachbetrieben in Ihrer Region. Über unseren Vergleichsservice erhalten Sie kostenlos und unverbindlich bis zu 3 Angebote von Geothermie-Spezialisten, die sowohl die Bohrung als auch die Wärmepumpe aus einer Hand anbieten.

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