Kernaussagen auf einen Blick
- München gewinnt: Mit 10,4 Jahren Amortisationszeit rechnet sich die Standard-Solaranlage nirgendwo schneller. Dahinter folgen Augsburg und Mannheim mit je 10,6 Jahren, praktisch gleichauf mit Freiburg (Rang 4, ebenfalls 10,6 Jahre).
- Die Schlusslichter: Münster (11,1 Jahre), Leipzig und Düsseldorf (je 11,0 Jahre) bilden das Ende des Rankings.
- Der überraschendste Befund: Zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Standort liegen nur 0,7 Jahre – rund acht Monate. Der Standort ist für die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage viel unwichtiger als gedacht, weil hohe Strompreise fehlende Sonne fast vollständig ausgleichen.
- Sonnenarm, aber rentabel: Hamburg hat mit 38,8 ct/kWh den teuersten Strom aller 20 Städte und landet trotz nur 1.580 Sonnenstunden auf Rang 12 – vor dem deutlich sonnigeren Leipzig (Rang 19), wo der Strom mit 34,2 ct/kWh am billigsten ist.
- Lohnend ist es überall: Nach 20 Jahren steht in jeder der 20 Städte ein Überschuss zwischen 21.921 Euro (Leipzig) und 25.946 Euro (München).
Ob Münster oder München: Die Amortisationszeit einer Solaranlage variiert zwischen deutschen Großstädten um maximal acht Monate – entscheidend ist nicht, wo man wohnt, sondern dass das Dach geeignet ist und der Eigenverbrauch stimmt.
Das vollständige Ranking: alle 20 Städte
Grundlage ist eine für alle Städte identische Beispielanlage: 10 kWp Leistung, 8-kWh-Batteriespeicher, Süddach mit 30 Grad Neigung, 4.000 kWh Jahresstromverbrauch – ein typisches Einfamilienhaus. Gerechnet wurde mit den lokalen Sonnenstunden, Erträgen, Strompreisen und Anlagenkosten der jeweiligen Stadt (Details im Methodik-Abschnitt). Sortiert ist die Tabelle nach der exakten Amortisationszeit; angezeigt wird auf eine Nachkommastelle gerundet, weshalb benachbarte Ränge identische Werte zeigen können.
| Rang | Stadt | Amortisation | Ersparnis im 1. Jahr | 20-Jahres-Bilanz | Sonnenstunden/Jahr | Strompreis (ct/kWh) | Ertrag (kWh/kWp) | Investition |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | München | 10,4 Jahre | 1.913 € | +25.946 € | 1.800 | 37,5 | 1.050 | 22.150 € |
| 2 | Augsburg | 10,6 Jahre | 1.810 € | +23.997 € | 1.750 | 35,2 | 1.040 | 21.400 € |
| 3 | Mannheim | 10,6 Jahre | 1.810 € | +23.997 € | 1.750 | 35,2 | 1.040 | 21.400 € |
| 4 | Freiburg | 10,6 Jahre | 1.813 € | +23.832 € | 1.800 | 34,5 | 1.080 | 21.400 € |
| 5 | Karlsruhe | 10,7 Jahre | 1.794 € | +23.554 € | 1.750 | 34,8 | 1.040 | 21.400 € |
| 6 | Berlin | 10,7 Jahre | 1.886 € | +25.154 € | 1.650 | 38,2 | 980 | 22.650 € |
| 7 | Nürnberg | 10,7 Jahre | 1.806 € | +23.774 € | 1.700 | 35,5 | 1.020 | 21.650 € |
| 8 | Frankfurt am Main | 10,8 Jahre | 1.836 € | +24.256 € | 1.650 | 36,8 | 990 | 22.150 € |
| 9 | Stuttgart | 10,8 Jahre | 1.819 € | +23.857 € | 1.700 | 35,8 | 1.020 | 21.900 € |
| 10 | Bremen | 10,8 Jahre | 1.784 € | +23.662 € | 1.560 | 36,5 | 940 | 21.650 € |
| 11 | Köln | 10,9 Jahre | 1.792 € | +23.564 € | 1.550 | 36,5 | 950 | 21.900 € |
| 12 | Hamburg | 10,9 Jahre | 1.878 € | +24.808 € | 1.580 | 38,8 | 940 | 23.050 € |
| 13 | Hannover | 10,9 Jahre | 1.755 € | +22.887 € | 1.550 | 35,8 | 940 | 21.650 € |
| 14 | Dresden | 11,0 Jahre | 1.717 € | +22.253 € | 1.600 | 34,5 | 960 | 21.150 € |
| 15 | Bonn | 11,0 Jahre | 1.750 € | +22.707 € | 1.560 | 35,5 | 950 | 21.650 € |
| 16 | Dortmund | 11,0 Jahre | 1.747 € | +22.735 € | 1.530 | 35,8 | 930 | 21.650 € |
| 17 | Essen | 11,0 Jahre | 1.763 € | +22.928 € | 1.530 | 36,2 | 930 | 21.900 € |
| 18 | Düsseldorf | 11,0 Jahre | 1.804 € | +23.397 € | 1.550 | 36,8 | 950 | 22.400 € |
| 19 | Leipzig | 11,0 Jahre | 1.705 € | +21.921 € | 1.600 | 34,2 | 960 | 21.150 € |
| 20 | Münster | 11,1 Jahre | 1.734 € | +22.403 € | 1.530 | 35,5 | 930 | 21.650 € |
Lesebeispiel: In München kostet die Beispielanlage 22.150 Euro, spart im ersten Jahr 1.913 Euro, hat sich nach 10,4 Jahren bezahlt gemacht und erwirtschaftet über 20 Jahre einen Überschuss von 25.946 Euro. Quelle: Leospardo-Auswertung, Juli 2026.
Der überraschendste Befund: Strompreis schlägt Sonne
Die naheliegende Erwartung wäre: je mehr Sonne, desto schneller rechnet sich die Anlage. Die Daten zeigen ein anderes Bild. Zwischen den sonnenreichsten Städten (München und Freiburg, je 1.800 Sonnenstunden) und den sonnenärmsten (Dortmund, Essen und Münster, je 1.530 Stunden) liegen fast 18 Prozent Unterschied beim Sonnenangebot – aber nur wenige Monate bei der Amortisation.
Der Grund: Eine Solaranlage verdient ihr Geld 2026 vor allem über den Eigenverbrauch. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ersetzt teuren Netzstrom – und der kostet in Hamburg (38,8 ct/kWh) und Berlin (38,2 ct/kWh) deutlich mehr als in Leipzig (34,2 ct/kWh) oder Dresden (34,5 ct/kWh). Der überschüssige Strom bringt dagegen nur die Einspeisevergütung von 8,03 ct/kWh. In München speist die Beispielanlage 6.500 kWh pro Jahr ein und erhält dafür 522 Euro – weniger als ein Drittel des Ertrags kommt also aus der Einspeisung, der Rest aus ersetztem Netzstrom.
Das erklärt die auffälligsten Platzierungen im Ranking:
- Berlin auf Rang 6 – trotz eines der niedrigsten Erträge (980 kWh/kWp). Der zweitteuerste Strom der Auswertung macht jede eigenverbrauchte Kilowattstunde besonders wertvoll. Bei der 20-Jahres-Bilanz ist Berlin mit 25.154 Euro sogar Zweiter hinter München.
- Hamburg auf Rang 12 – eine der ertragsschwächsten Städte im Feld (940 kWh/kWp, wie Bremen und Hannover) schlägt dank Spitzenstrompreis das sonnigere Leipzig und Dresden.
- Leipzig auf Rang 19 – mehr Sonne als Hamburg, aber der günstigste Strom der Auswertung drückt die jährliche Ersparnis auf 1.705 Euro, den niedrigsten Wert aller 20 Städte.
- München auf Rang 1 – die einzige Stadt, die beides vereint: die meiste Sonne (1.800 Stunden, 1.050 kWh/kWp) und einen hohen Strompreis (37,5 ct/kWh).
Regionale Muster: Süden vorn, Osten hinten – aber knapp
Ein Nord-Süd-Gefälle existiert, ist aber kleiner als sein Ruf. Die ersten fünf Plätze gehen komplett an den Süden (München, Augsburg, Mannheim, Freiburg, Karlsruhe) – alle mit 1.750 bis 1.800 Sonnenstunden und Erträgen von 1.040 bis 1.080 kWh/kWp. Der Abstand zum Mittelfeld beträgt jedoch nur wenige Monate.
Am unteren Ende sammeln sich zwei Gruppen: das sonnenarme Nordrhein-Westfalen (Münster, Dortmund, Essen, Bonn) und der sonnige, aber strompreisgünstige Osten (Leipzig, Dresden). Bemerkenswert: Dresden und Leipzig haben mit 21.150 Euro die günstigsten Anlagenpreise der Auswertung – das reicht aber nicht, um den niedrigen Strompreis auszugleichen.
Bei der 20-Jahres-Bilanz ist die Reihenfolge teils anders als bei der Amortisation: Hier zählt nicht nur, wie schnell die Investition zurückverdient ist, sondern wie viel absolut hängen bleibt. Die Großstädte mit teurem Strom – Berlin (25.154 Euro) und Hamburg (24.808 Euro) – schieben sich hier auf die Plätze 2 und 3, direkt hinter München.
Methodik und Datenbasis
Damit die Zahlen nachvollziehbar und überprüfbar sind, hier die vollständige Berechnungsweise. Alle Ergebnisse lassen sich mit dem öffentlich zugänglichen Leospardo-Solarrechner reproduzieren, der dieselbe Datenbasis und Logik verwendet.
Die Beispielanlage (identisch für alle 20 Städte)
- Leistung: 10 kWp auf einem Süddach mit 30 Grad Neigung (Ausrichtungs- und Neigungsfaktor je 1,0)
- Speicher: 8 kWh Batteriespeicher, angesetzt mit 800 Euro pro kWh (6.400 Euro)
- Haushalt: 4.000 kWh Jahresstromverbrauch
- Eigenverbrauchsquote: 55 Prozent des PV-Ertrags mit Speicher, gedeckelt auf den Jahresverbrauch – bei 10 kWp greift in allen 20 Städten der Deckel von 4.000 kWh, der restliche Strom wird eingespeist
Städtedaten
- Sonnenstunden: langjährige Mittel je Stadt auf Basis der Messnetzdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
- Spezifischer Ertrag (kWh pro kWp und Jahr): regionaler Erfahrungswert je Stadt, von 930 (Dortmund, Essen, Münster) bis 1.080 (Freiburg)
- Strompreis: lokaler Haushaltsstrompreis je Stadt (Stand Juli 2026), Grundlage sind Grundversorger-Tarife und Marktdaten der Bundesnetzagentur, von 34,2 ct/kWh (Leipzig) bis 38,8 ct/kWh (Hamburg)
- Anlagenkosten: Mittelwert der schlüsselfertigen Kosten einer 10-kWp-Anlage je Stadt aus aktuellen Markterhebungen, plus 6.400 Euro Speicher – Gesamtinvestition von 21.150 Euro (Dresden, Leipzig) bis 23.050 Euro (Hamburg)
- Einspeisevergütung: 8,03 ct/kWh für Teileinspeiser bis 10 kWp (Stand Juli 2026), über die Laufzeit konstant
Berechnungsweg
Für jede Stadt wurde die Anlage Jahr für Jahr über 25 Jahre simuliert – nicht mit der vereinfachten Formel "Investition geteilt durch Ersparnis":
- Ertrag: sinkt durch Modul-Degradation um 0,5 Prozent pro Jahr
- Strompreis: steigt um 3 Prozent pro Jahr
- Jahresersparnis: eigenverbrauchte kWh × aktueller Strompreis + eingespeiste kWh × 8,03 ct − 150 Euro Wartung/Versicherung
- Amortisation: der Zeitpunkt, an dem die kumulierte Ersparnis die Investition übersteigt (zwischen zwei Jahren linear interpoliert)
- 20-Jahres-Bilanz: kumulierte Ersparnis nach 20 Jahren minus Investition
Bewusst nicht eingerechnet: Landes- und Kommunalförderung (etwa SolarPLUS in Berlin oder das bayerische 10.000-Häuser-Programm), Finanzierungskosten und steuerliche Effekte. Förderprogramme würden die Amortisation in den betroffenen Städten weiter verkürzen, sind aber regional unterschiedlich und teils befristet – die Rangliste zeigt die förderfreie Basisrechnung. Die Rangfolge basiert auf der ungerundeten Amortisationszeit; angezeigte Werte sind auf eine Nachkommastelle gerundet.
Die Werte sind Modellrechnungen für eine typische Anlage, keine Angebotspreise. Individuelle Faktoren – Dachform, Verschattung, tatsächlicher Verbrauch, konkretes Installateursangebot – können das Ergebnis um mehrere Monate verschieben. Für die Vergleichbarkeit zwischen den Städten sind sie unerheblich, weil alle 20 Städte mit identischen Annahmen gerechnet wurden.
Was das für Hausbesitzer bedeutet
Die praktische Konsequenz aus den Daten: Auf den Standort zu warten oder ihn zu beklagen, lohnt sich nicht. Wer in Münster wohnt, zahlt seine Anlage acht Monate später ab als ein Münchner – bei einer Modullebensdauer von 25 bis 30 Jahren ist das eine Randnotiz. Drei Stellschrauben haben mehr Einfluss als der Wohnort:
- Eigenverbrauch maximieren: Ein Speicher hebt die Eigenverbrauchsquote von rund 30 auf 55 Prozent und mehr. Wie sich das rechnet, zeigt der Stromspeicher-Vergleich.
- Angebote vergleichen: Zwischen den Städten liegen bis zu 1.900 Euro Unterschied bei der Investition – zwischen einzelnen Angeboten am selben Ort oft deutlich mehr.
- Förderung mitnehmen: Die Rangliste rechnet ohne Zuschüsse. Wer Programme wie die in der Übersicht zur Photovoltaik-Förderung nutzt oder den KfW-Kredit 270 einbindet, verkürzt die Amortisation zusätzlich.
Und wer über die Einspeisung nachdenkt: Details zu Höhe und Bedingungen der Vergütung stehen im Ratgeber zur Einspeisevergütung.
Daten verwenden und zitieren
Tabelle, Zahlen und Schaubilder dieser Auswertung sind mit Quellenangabe frei verwendbar. Auf Anfrage liefern wir gern zusätzliche Auswertungen für Ihre Stadt oder Region sowie die vollständige Berechnungstabelle: info@leospardo.de
Quelle: Leospardo-Auswertung, Juli 2026 – leospardo.de/ratgeber/solar-amortisation-staedtevergleich-2026/
Häufige Fragen zum Städtevergleich
Fazit
Das Solar-Amortisations-Ranking 2026 räumt mit einem Mythos auf: Deutschland zerfällt nicht in gute und schlechte Solar-Regionen. München führt die Liste mit 10,4 Jahren an, Münster schließt sie mit 11,1 Jahren ab – dazwischen liegen rund acht Monate. Der Strompreis vor Ort hat sich als mindestens so wichtiger Faktor erwiesen wie die Sonnenstunden: Er trägt Hamburg und Berlin trotz bescheidener Erträge weit nach vorn und hält das sonnige, aber strompreisgünstige Leipzig hinten. Wirtschaftlich attraktiv ist die eigene Anlage in allen 20 Städten – mit 20-Jahres-Überschüssen zwischen 21.921 und 25.946 Euro.