Was ist eine Wärmepumpe mit Eisspeicher?
Die Wärmepumpe mit Eisspeicher ist ein Heizsystem, das einen unterirdischen Wassertank als Wärmequelle nutzt. Anders als bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe oder einer Erdwärmepumpe mit Tiefenbohrung wird dem Wasser im Tank beim Gefrieren Energie entzogen. Dieser Vorgang klingt zunächst widersprüchlich: Wie kann gefrorenes Wasser Wärme liefern? Die Antwort liegt in der Physik des Phasenübergangs.
Wenn Wasser bei 0 Grad Celsius vom flüssigen in den festen Zustand wechselt, gibt es eine enorme Menge Energie ab: rund 80 kWh pro Kubikmeter. Diese sogenannte Kristallisationswärme oder latente Wärme ist die zentrale Energiequelle des Systems. Ein 10-Kubikmeter-Eisspeicher kann beim vollständigen Gefrieren etwa 800 kWh abgeben. Das reicht, um ein gut gedämmtes Einfamilienhaus mehrere Wochen lang zu beheizen.
Das bekannteste System auf dem deutschen Markt ist die Viessmann Vitocal 262-A. Viessmann hat die Technologie zur Marktreife gebracht und bietet das System als Komplettlösung an, bestehend aus Wärmepumpe, Eisspeicher und Solarthermie-Integration. Weitere Anbieter wie alpha innotec und Stiebel Eltron haben vergleichbare Konzepte im Programm.
Der Eisspeicher nutzt die physikalische Eigenschaft des Phasenübergangs: Beim Gefrieren von Wasser werden 80 kWh pro Kubikmeter frei. Diese Energie wird von der Wärmepumpe genutzt und macht den Eisspeicher zu einer leistungsfähigen, geräuscharmen Wärmequelle ohne Tiefenbohrung.
Funktionsprinzip: Kristallisationswärme verstehen
Das Herzstück einer Eisspeicher-Anlage ist ein im Erdreich vergrabener Betonzylinder, der vollständig mit Wasser gefüllt ist. In diesem Tank verlaufen Wärmetauscher-Register aus Kunststoffrohren (PE-HD), durch die das Kältemittel der Wärmepumpe zirkuliert. Im Heizbetrieb entzieht die Wärmepumpe dem Wasser systematisch Energie.
Der Phasenübergang: Warum Eis Wärme liefert
Beim Abkühlen von Wasser von beispielsweise 15 Grad auf 0 Grad wird sensible Wärme frei. Doch der eigentliche Energieschub erfolgt beim Phasenübergang: Wenn das Wasser bei 0 Grad zu Eis erstarrt, wird pro Kilogramm eine Energie von 334 Kilojoule (93 Wattstunden) freigesetzt. Für einen kompletten Kubikmeter sind das rund 80 kWh. Zum Vergleich: Um denselben Kubikmeter Wasser von 80 Grad auf 0 Grad abzukühlen, würden lediglich 93 kWh frei. Die Kristallisationswärme entspricht also fast der gesamten sensiblen Wärme einer 80-Grad-Abkühlung, und sie wird bei einer konstanten Temperatur von 0 Grad abgegeben.
Genau darin liegt der Effizienzgewinn: Während eine Luft-Wasser-Wärmepumpe an einem kalten Wintertag bei minus 10 Grad Außentemperatur arbeiten muss, hat die Eisspeicher-Wärmepumpe immer eine Quelltemperatur von 0 Grad zur Verfügung. Diese um 10 Grad höhere Quelltemperatur verbessert den COP (Coefficient of Performance) erheblich. In der Praxis bedeutet das: Die Wärmepumpe benötigt weniger Strom, um die gleiche Heizleistung zu erzeugen.
Bei minus 10 Grad Außentemperatur arbeitet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit einem COP von etwa 2,0 bis 2,5. Eine Eisspeicher-Wärmepumpe erreicht im gleichen Moment einen COP von 3,5 bis 4,0, weil ihre Quelltemperatur stabil bei 0 Grad liegt. Der Stromverbrauch sinkt dadurch um 30 bis 40 Prozent.
Regeneration: So lädt sich der Speicher wieder auf
Der Eisspeicher ist ein zyklisches System. Im Winter wird das Wasser schrittweise gefroren und die Kristallisationswärme zum Heizen genutzt. Ab dem Frühjahr beginnt die Regeneration: Solarthermie-Kollektoren auf dem Dach fangen Sonnenwärme ein und leiten sie in den Eisspeicher. Das Eis taut langsam auf, bis der Tank zum Herbst wieder vollständig mit flüssigem Wasser gefüllt ist. Zusätzlich nimmt der Speicher über die Betonwände Umgebungswärme aus dem Erdreich auf.
Die Regeneration verläuft ohne zusätzlichen Energieaufwand. Kein Strom, keine fossile Zuheizung. Nur kostenlose Sonnenenergie und Erdwärme laden den Speicher wieder auf. Diese Selbstregenerierung ist einer der größten Vorteile gegenüber anderen Systemen.
Systemkomponenten im Detail
Eine Eisspeicher-Anlage besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten. Jedes Element erfüllt eine spezifische Funktion im Gesamtsystem. Das Zusammenspiel dieser Bauteile entscheidet über die Effizienz und Zuverlässigkeit der Anlage.
Die Kernkomponenten der Eisspeicher-Anlage
Eisspeicher (Betonzylinder)
Ein unterirdischer, wärmegedämmter Betonbehälter mit einem Volumen von 10 bis 20 Kubikmetern. Im Inneren befinden sich Wärmetauscher-Register aus korrosionsbeständigem PE-HD-Kunststoff. Der Tank wird frostfrei unter der Geländeoberkante eingebaut.
Sole-Wasser-Wärmepumpe
Die Wärmepumpe selbst wird im Inneren des Gebaeudes aufgestellt, typischerweise im Keller oder Hauswirtschaftsraum. Sie entzieht dem Eisspeicher über einen Solekreislauf Wärme und hebt das Temperaturniveau für Heizung und Warmwasser an.
Solarthermie-Kollektoren
Flachkollektoren auf dem Dach mit einer Fläche von 2 bis 6 Quadratmetern. Sie dienen primär der Regeneration des Eisspeichers im Sommer und können in der Übergangszeit direkt Warmwasser erzeugen.
Pufferspeicher und Regelung
Ein Pufferspeicher im Haus (300 bis 500 Liter) puffert die erzeugte Wärme. Die intelligente Regelung koordiniert Wärmepumpe, Solarthermie und Eisspeicher automatisch und sorgt für den optimalen Betriebspunkt.
Kosten: Eisspeicher und Gesamtanlage
Die Investitionskosten einer Eisspeicher-Wärmepumpe liegen spürbar über denen einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Der Hauptgrund sind die Mehrkosten für den Betonzylinder, die Erdarbeiten und die Solarthermie-Integration. Langfristig können diese Mehrkosten durch niedrigere Betriebskosten und die höhere Effizienz teilweise kompensiert werden.
Kosten des Eisspeichers nach Tankgröße
| Volumen | Geeignet für | Materialkosten | Erdarbeiten | Gesamt Eisspeicher |
|---|---|---|---|---|
| 10 m³ | EFH bis 120 m² (KfW 55/40) | 3.000 bis 5.000 € | 3.000 bis 6.000 € | 6.000 bis 11.000 € |
| 15 m³ | EFH 120 bis 180 m² | 4.000 bis 7.000 € | 4.000 bis 7.000 € | 8.000 bis 14.000 € |
| 20+ m³ | Größere EFH, Mehrfamilienhäuser | 6.000 bis 10.000 € | 5.000 bis 9.000 € | 11.000 bis 19.000 € |
Gesamtkosten der kompletten Anlage
| Komponente | Kostenspanne |
|---|---|
| Wärmepumpe (z. B. Viessmann Vitocal 262-A) | 12.000 bis 18.000 € |
| Eisspeicher inklusive Erdarbeiten (10 bis 15 m³) | 6.000 bis 15.000 € |
| Solarthermie-Kollektoren (2 bis 6 m²) | 2.000 bis 5.000 € |
| Hydraulik, Pufferspeicher, Warmwasserbereitung | 3.000 bis 6.000 € |
| Elektrik, Regelung, Inbetriebnahme | 2.000 bis 4.000 € |
| Gesamtkosten vor Förderung | 25.000 bis 48.000 € |
| BAFA Förderung (50 % als Beispiel) | minus 12.500 bis 15.000 € |
| Eigenanteil nach Förderung | ca. 13.000 bis 33.000 € |
Die Kosten variieren stark je nach lokalen Bodenverhältnissen, Grundstückszugang und Tankgröße. Erfahrene Fachbetriebe können die tatsächlichen Kosten erst nach einer Vor-Ort-Begehung seriös einschätzen. Wir empfehlen, mindestens 3 Angebote einzuholen und die Positionen detailliert zu vergleichen.
Die Eisspeicher-Wärmepumpe ist in der Anschaffung teurer als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe (15.000 bis 25.000 Euro), aber günstiger als eine Erdwärmepumpe mit Tiefenbohrung (20.000 bis 40.000 Euro plus Bohrkosten). Im laufenden Betrieb sind die Stromkosten dank höherer JAZ niedriger als bei der Luft-Variante.
Betriebskosten im Jahresvergleich
Die jährlichen Stromkosten einer Eisspeicher-Wärmepumpe hängen von der Jahresarbeitszahl (JAZ), dem Heizwärmebedarf und dem Strompreis ab. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern und einem Heizwärmebedarf von 12.000 kWh pro Jahr ergeben sich bei einem Strompreis von 0,32 Euro pro kWh folgende Kosten:
Vergleich: Luft, Erde, Wasser und Eisspeicher
Welche Wärmequelle passt zu welchem Grundstück und welchem Budget? Die folgende Übersicht stellt die vier gängigen Wärmequellentypen direkt gegenüber. Jede Variante hat spezifische Stärken, und die richtige Wahl hängt von den individuellen Rahmenbedingungen ab.
| Merkmal | Luft-WP | Erdwärme (Sole) | Grundwasser-WP | Eisspeicher-WP |
|---|---|---|---|---|
| Quelltemperatur im Winter | minus 10 bis plus 5 °C | 0 bis plus 10 °C | plus 8 bis plus 12 °C | 0 °C (konstant) |
| Typische JAZ | 2,8 bis 3,8 | 4,0 bis 5,5 | 4,5 bis 6,0 | 3,5 bis 4,5 |
| Außengeräusch | Ja (Ventilator, 45 bis 55 dB) | Nein | Nein | Minimal (Pumpe) |
| Genehmigung nötig | Nein | Ja (Bohrung) | Ja (Brunnen) | Bauantrag (einfach) |
| Platzbedarf Garten | Minimal (2 bis 3 m²) | Groß (Kollektor) oder Bohrung | Brunnen nötig | 20 bis 30 m² |
| Investitionskosten | 15.000 bis 25.000 € | 20.000 bis 40.000 € | 18.000 bis 30.000 € | 25.000 bis 48.000 € |
| Passive Kühlung | Nur aktiv (Strom) | Ja (passiv möglich) | Ja (sehr effizient) | Ja (passiv möglich) |
| Nachbarschaftskonflikt | Häufig (Lärm) | Nein | Nein | Selten |
Die Eisspeicher-Wärmepumpe positioniert sich als geräuscharme, genehmigungsarme Alternative zur Erdwärmepumpe. Besonders in dicht bebauten Wohngebieten, wo eine Tiefenbohrung nicht genehmigt wird oder Nachbarn sich über den Ventilatorlärm einer Luft-Wärmepumpe beschweren, bietet der Eisspeicher eine elegante Lösung. Allerdings sind die Investitionskosten höher als bei der Luft-Wärmepumpe, und die Anlage benötigt ausreichend Platz im Garten für den unterirdischen Tank.
Platzbedarf und Installation
Passt ein Eisspeicher auf Ihr Grundstück? Diese Frage lässt sich in den meisten Fällen mit Ja beantworten, sofern mindestens 20 bis 30 Quadratmeter freie Gartenfläche verfügbar sind. Die Installation erfolgt in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen und erfordert einen Minibagger für die Aushubarbeiten.
Anforderungen an das Grundstück
- Freie Fläche: Mindestens 20 bis 30 Quadratmeter für Tank, Aushub und Baggerzufahrt
- Abstand zum Gebaeude: Mindestens 1,5 bis 2 Meter je nach Hersteller und Landesbauordnung
- Abstand zur Grundstücksgrenze: Üblicherweise 0,5 bis 1 Meter
- Zufahrt für Minibagger: Mindestbreite 2,5 bis 3 Meter
- Bodenverhältnisse: Kein Fels oder hoher Grundwasserspiegel im oberen Meter
- Tanktiefe: Oberkante mindestens 80 Zentimeter unter Geländeoberkante
Ein typischer 10-Kubikmeter-Eisspeicher hat einen Durchmesser von circa 2,5 Metern und eine Höhe von 2,2 Metern. Der Betonzylinder wiegt leer etwa 3 Tonnen und wird per Kranwagen angeliefert. Die Grube wird ausgehoben, der Tank eingesetzt, mit den Rohrleitungen verbunden und wieder verfüllt. Nach der Installation ist die Oberfläche wieder begehbar und bepflanzbar.
Für einen Eisspeicher brauchen Sie keine behördliche Bohrerlaubnis und kein geologisches Gutachten. Die Kosten für eine Tiefenbohrung liegen bei 50 bis 80 Euro pro Laufmeter. Bei einer typischen Bohrtiefe von 100 Metern sind das allein 5.000 bis 8.000 Euro für die Bohrung, ohne Material und Sonde. Der Eisspeicher ist in dieser Hinsicht deutlich unkomplizierter.
Installationsablauf in der Praxis
Ablauf der Eisspeicher-Installation
Planung und Genehmigung
Vor-Ort-Begehung durch den Fachbetrieb. Prüfung der Bodenverhältnisse, Vermessung und Einreichung des Bauantrags. Dauer: 2 bis 4 Wochen.
Erdarbeiten und Tankeinbau
Aushub der Grube mit Minibagger, Einsetzen des Betonzylinders per Kran, Verlegung der Rohrleitungen zum Haus. Dauer: 1 bis 2 Tage.
Montage der Innenkomponenten
Installation der Wärmepumpe im Keller, Anschluss von Pufferspeicher, Hydraulik und Regelungstechnik. Dauer: 1 bis 2 Tage.
Solarthermie und Inbetriebnahme
Montage der Solarkollektoren auf dem Dach, hydraulischer Abgleich des Gesamtsystems, Funktionstest und Einweisung des Eigentümers. Dauer: 1 Tag.
Kombination mit Solarthermie und Photovoltaik
Die Eisspeicher-Wärmepumpe erreicht ihr volles Potenzial erst in Kombination mit erneuerbaren Energiequellen auf dem Dach. Solarthermie ist dabei die Pflichtkomponente, Photovoltaik eine sinnvolle Ergänzung, die den Eigenverbrauch optimiert und die Betriebskosten weiter senkt.
Solarthermie: Regeneration ohne Zusatzkosten
Die Solarthermie-Kollektoren sammeln Sonnenwärme und leiten sie über einen Wärmetauscher in den Eisspeicher. Im Sommer taut das Eis vollständig auf, der Tank ist bis zum Herbst wieder mit warmem Wasser gefüllt. In der Übergangszeit (Frühling und Herbst) kann die Solarthermie direkt Warmwasser erzeugen, ohne dass die Wärmepumpe läuft. Das spart Strom und reduziert den Verschleiß am Kompressor.
Viessmann empfiehlt für das Vitocal 262-A-System eine Solarthermie-Fläche von 2 bis 6 Quadratmetern, abhängig von der Gebaeudegröße und dem Warmwasserverbrauch. Die Investitionskosten für die Kollektoren liegen bei 2.000 bis 5.000 Euro und sind über das BEG-Programm des BAFA förderfähig.
Photovoltaik: Eigenstrom für die Wärmepumpe
Wer zusätzlich eine Photovoltaikanlage betreibt, kann die Wärmepumpe bevorzugt mit selbst erzeugtem Solarstrom betreiben. Moderne Wärmepumpenregler erkennen PV-Überschuss automatisch und nutzen ihn über die SG-Ready-Schnittstelle für folgende Funktionen:
- Vorheizen des Pufferspeichers bei PV-Überschuss
- Warmwasserbereitung tagsüber statt nachts
- Gezielte Eisfreigabe in warmen Perioden
- Ladung des Eisspeichers über elektrischen Heizstab bei Überschuss
Bei einer 10-kWp-Photovoltaikanlage und einem Eigenverbrauchsanteil von 40 bis 60 Prozent sinkt der effektive Strompreis für den Wärmepumpenbetrieb auf unter 10 Cent pro kWh. Gegenüber dem Netzstrompreis von 32 Cent pro kWh bedeutet das eine Reduktion der jährlichen Betriebskosten um 40 bis 60 Prozent. Über 20 Jahre Nutzungsdauer summiert sich diese Ersparnis auf 8.000 bis 15.000 Euro.
Seit wir die Eisspeicher-Wärmepumpe mit unserer bestehenden PV-Anlage kombiniert haben, sind unsere Heizkosten auf unter 400 Euro pro Jahr gesunken. Vorher hatten wir mit der Gasheizung jährlich über 2.000 Euro Brennstoffkosten.
Eignung: Neubau und sanierter Altbau
Die Eisspeicher-Wärmepumpe eignet sich grundsätzlich für Neubauten und für sanierte Altbauten. Die entscheidende Voraussetzung ist dieselbe wie bei jeder anderen Wärmepumpe: Das Gebaeude muss mit niedrigen Vorlauftemperaturen beheizt werden können.
Eisspeicher im Neubau
Im Neubau nach KfW-55- oder KfW-40-Standard ist die Eisspeicher-Wärmepumpe eine hervorragende Wahl. Der geringe Heizwärmebedarf von 30 bis 50 kWh pro Quadratmeter und Jahr passt ideal zu einem kompakt dimensionierten 10-Kubikmeter-Speicher. Die Vorlauftemperatur der Fußbodenheizung liegt bei 30 bis 35 Grad, was eine hohe JAZ von 4,0 bis 4,5 ermöglicht.
Besonders empfehlenswert ist das System in Neubaugebieten mit enger Bebauung, wo Abstandsflächen für Luft-Wärmepumpen-Außengeräte zum Problem werden. Da der Eisspeicher unterirdisch arbeitet und die Wärmepumpe im Keller steht, entstehen keinerlei Geräusche im Außenbereich.
Eisspeicher im sanierten Altbau
Im Altbau gelten strengere Voraussetzungen. Die Wärmepumpe arbeitet nur effizient, wenn das Gebaeude ausreichend gedämmt ist und großflächige Heizkörper oder eine Fußbodenheizung vorhanden sind. Konkret bedeutet das:
- Dämmstandard: Mindestens EnEV 2009 oder Teilsanierung (Dach, oberste Geschossdecke, Kellerdecke)
- Vorlauftemperatur: Maximal 50 bis 55 Grad (besser unter 45 Grad)
- Heizflächen: Fußbodenheizung oder Niedertemperatur-Heizkörper
- Hydraulischer Abgleich: Gesetzlich vorgeschrieben bei Heizungstausch
Der besondere Vorteil des Eisspeichers im Altbau: In Reihenhaussiedlungen oder bei Grenzbebauung, wo eine Luft-Wärmepumpe wegen Lärmbeschwerden problematisch wäre, bietet das System eine geräuschfreie Alternative. Die Wärmepumpe steht im Keller, der Eisspeicher liegt unter dem Rasen. Kein Ventilator, kein Außengeräusch.
BEG Förderung 2026
Eisspeicher-Wärmepumpen werden vollständig über die Bundesförderung für effiziente Gebaeude (BEG) des BAFA gefördert. Die Fördersätze sind identisch mit denen anderer Wärmepumpentypen und können je nach persönlicher Situation bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten abdecken.
Förderbausteine im Überblick
| Förderbaustein | Satz | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Basis-Förderung | 30 % | Einbau einer förderfähigen Wärmepumpe |
| Klima-Geschwindigkeits-Bonus | +20 % | Ersatz einer fossilen Heizung (bis 31.12.2028) |
| Einkommens-Bonus | +30 % | Zu versteuerndes Haushaltseinkommen unter 40.000 €/Jahr |
| Effizienz-Bonus | +5 % | Natürliches Kältemittel (z. B. Propan R290) |
| Maximale Förderung | 70 % | Max. 30.000 € förderfähige Kosten = max. 21.000 € Zuschuss |
Rechenbeispiel: Eisspeicher-WP mit Speed-Bonus
| Position | Betrag |
|---|---|
| Gesamtkosten (Wärmepumpe + Eisspeicher + Solarthermie) | 38.000 € |
| Förderfähige Kosten (gedeckelt auf 30.000 €) | 30.000 € |
| Basis-Förderung BAFA (30 %) | minus 9.000 € |
| Klima-Speed-Bonus (20 %, Ersatz Gasheizung) | minus 6.000 € |
| Eigenanteil nach Förderung | 23.000 € |
| Mit zusätzlichem Einkommens-Bonus (30 %) | nur 14.000 € Eigenanteil |
Der BAFA-Förderantrag muss zwingend vor Beginn der Bauarbeiten gestellt werden. Beauftragen Sie zuerst einen zugelassenen Energieberater, der den Antrag vorbereitet. Die Beratungskosten sind ebenfalls förderfähig (80 % Zuschuss). Nach der Bewilligung haben Sie 36 Monate Zeit für die Umsetzung.
Weitere Details zur Förderung finden Sie in unserem Ratgeber Wärmepumpe Kosten 2026. Ergänzende Informationen zur Antragstellung und zu regionalen Zusatzförderungen bietet auch die KfW.
Vor- und Nachteile auf einen Blick
Die Eisspeicher-Wärmepumpe vereint mehrere technische Vorteile in einem System, bringt aber auch spezifische Einschränkungen mit. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Argumente zusammen und hilft bei der Entscheidungsfindung.
✓ Vorteile
- Kein Außenlärm durch Ventilator
- Konstante Quelltemperatur von 0 °C im Winter
- Keine Tiefenbohrung oder Brunnengenehmigung nötig
- Passive Kühlung im Sommer möglich
- Selbstregenerierung durch Solarthermie
- Vollständig förderfähig über BAFA (bis 70 %)
- Lebensdauer des Speichers 40+ Jahre
- Keine Nachbarschaftskonflikte wegen Lärm
- Höhere JAZ als Luft-Wärmepumpe (3,5 bis 4,5)
✗ Nachteile
- Höhere Investitionskosten als Luft-WP
- Platzbedarf im Garten (20 bis 30 m²)
- Erdarbeiten und Kran erforderlich
- Komplexere Systemplanung
- Weniger Installateure mit Erfahrung
- Solarthermie als Pflichtkomponente
- Längere Planungs- und Lieferzeiten
Die Eisspeicher-Wärmepumpe lohnt sich besonders für Hausbesitzer, die eine geräuschlose Lösung brauchen, über ausreichend Gartenfläche verfügen und bereit sind, in ein langlebiges, effizientes System zu investieren. In dicht bebauten Wohngebieten, wo weder Bohrung noch Außengerät möglich sind, ist der Eisspeicher oft die einzige Wärmepumpen-Option.
Hersteller und Marktüberblick
Der Markt für Eisspeicher-Wärmepumpen ist überschaubarer als der für Luft- oder Erdwärmepumpen. Dennoch gibt es mehrere etablierte Anbieter, die ausgereifte Systeme anbieten. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Hersteller und ihre Produkte.
| Hersteller | Modell | Leistung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Viessmann | Vitocal 262-A | 4 bis 12 kW | Komplettlösung mit Speicher und Solarthermie |
| alpha innotec | WZS-Serie | 6 bis 16 kW | Flexible Tankgrößen, auch für MFH |
| Stiebel Eltron | WPE-I | 5 bis 14 kW | Inverter-Technologie, hohe JAZ |
| WATERKOTTE | EcoTouch Ai1 Geo | 3 bis 18 kW | Modularer Aufbau, Kaskadierung möglich |
Viessmann dominiert den deutschen Markt für Eisspeicher-Systeme mit der Vitocal 262-A. Das System ist als Komplettpaket erhältlich und wird über ein spezialisiertes Installateur-Netzwerk vertrieben. Die Verfügbarkeit von Fachbetrieben mit Eisspeicher-Erfahrung variiert regional stark. In Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg) ist die Dichte höher als in Norddeutschland.
Passive Kühlung mit dem Eisspeicher
Ein oft übersehener Vorteil der Eisspeicher-Technologie ist die Möglichkeit zur passiven Kühlung im Sommer. Im Frühsommer, wenn der Speicher noch teilweise gefroren ist, hat das Wasser Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Diese Kälte lässt sich über die Fußbodenheizung als sanfte Flächenkühlung ins Gebaeude leiten.
Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Umwälzpumpe transportiert kühles Wasser aus dem Eisspeicher durch die Fußbodenheizungsrohre. Die Raumtemperatur sinkt um 2 bis 4 Grad, ohne dass der Kompressor der Wärmepumpe laufen muss. Der Stromverbrauch beschränkt sich auf die Umwälzpumpe (ca. 50 bis 100 Watt). Im Vergleich zu einer aktiven Klimaanlage (2.000 bis 3.000 Watt) ist das ein Bruchteil der Energiekosten.
Die passive Kühlung hat allerdings Grenzen: An heißen Hochsommertagen mit Außentemperaturen über 35 Grad reicht die Kühlleistung nicht aus, um Raumtemperaturen unter 24 Grad zu halten. Für ein angenehmes Raumklima an gemäßigten Sommertagen ist sie jedoch vollkommen ausreichend und ein willkommener Zusatznutzen, der die Gesamtbilanz des Systems verbessert.
Die passive Kühlung hat einen positiven Nebeneffekt: Indem dem Eisspeicher im Sommer Kälte entzogen wird, taut das Eis schneller und der Speicher regeneriert sich zügiger. Die Kühlung des Hauses und die Regeneration des Speichers arbeiten also Hand in Hand. Mehr zur Wärmepumpen-Technologie im Allgemeinen finden Sie in unserem Ratgeber Wie funktioniert eine Wärmepumpe?


