Einfamilienhaus mit Solaranlage und Batteriespeicher für Notstromversorgung
Solaranlage mit Batteriespeicher: Bei einem Stromausfall versorgt die Notstromfunktion Dein Zuhause weiter mit Strom

Was ist die Notstromfunktion bei Solaranlagen?

Die Notstromfunktion einer Solaranlage ist eine Zusatzfunktion, die bei einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes Dein Zuhause weiter mit Strom versorgt. Ohne diese Funktion schaltet sich jede Solaranlage bei einem Netzausfall sofort ab, auch wenn die Sonne scheint und der Speicher voll ist. Der Grund dafür ist eine gesetzliche Sicherheitsvorschrift: Solaranlagen dürfen keinen Strom in ein totes Netz einspeisen, weil das Techniker gefährden könnte, die am ausgefallenen Netz arbeiten.

Mit einer Notstromfunktion passiert folgendes: Der Wechselrichter erkennt den Netzausfall innerhalb von Millisekunden, trennt Dein Haus vollständig vom öffentlichen Netz und bildet ein eigenes, unabhängiges Hausnetz. Der Strom kommt dann aus dem Batteriespeicher und, wenn die Sonne scheint, zusätzlich aus den Solarmodulen. Je nach System geschieht diese Umschaltung in 5 bis 20 Millisekunden, so schnell, dass die meisten Geräte den Wechsel gar nicht bemerken.

🔑 Kernaussage

Ohne Notstromfunktion produziert Deine Solaranlage bei einem Stromausfall keinen Strom, auch wenn der Speicher voll ist. Die Notstromfunktion trennt Dein Haus vom toten Netz und bildet ein eigenes Inselnetz. Kosten: ab 500 Euro (Notstromsteckdose) bis 3.000 Euro (vollständiger Ersatzstrom für das ganze Haus).

Das Thema Notstrom gewinnt in Deutschland rasant an Bedeutung. Laut einer Umfrage des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW Solar) gaben 2025 bereits 43 % aller Speicherkäufer an, dass die Notstromfunktion ein wesentliches Kaufargument war. Im Vergleich zu 2022 (18 %) hat sich die Nachfrage mehr als verdoppelt. Die Gründe liegen auf der Hand: zunehmende Extremwetterereignisse, die regionale Stromausfälle verursachen, wachsende Abhängigkeit von Strom (Homeoffice, E-Auto, Wärmepumpe) und ein gestiegenes Bewusstsein für Vorsorge.

Dabei gibt es einen wichtigen Unterschied, den viele Anbieter im Verkaufsgespräch vernachlässigen: Nicht jede Solaranlage mit Speicher hat automatisch eine Notstromfunktion. Der Speicher allein reicht nicht. Du brauchst zusätzlich einen notstromfähigen Wechselrichter, einen Netzumschalter und die richtige Elektroinstallation. Wir erklären Dir in diesem Ratgeber alles Schritt für Schritt, damit Du eine fundierte Entscheidung treffen kannst.

43 %
der Speicherkäufer wollen Notstrom
5-20 ms
Umschaltzeit bei Netzausfall
500-3.000 €
Aufpreis für Notstromfunktion

Besonders relevant ist die Notstromfunktion für Haushalte mit medizinischen Geräten (Beatmung, Sauerstoffversorgung, Dialyse), für Homeoffice-Arbeiter, die auf eine stabile Internetverbindung angewiesen sind, und für Besitzer von Luft-Wasser-Wärmepumpen, die bei einem Stromausfall im Winter die Heizung verlieren würden. Auch für Haushalte mit Tiefkühltruhen, Aquarien oder anderen empfindlichen Verbrauchern kann ein kurzer Stromausfall bereits teuer werden.

Notstrom vs. Ersatzstrom: Die wichtigsten Unterschiede

Im Zusammenhang mit der Notstromversorgung durch Solaranlagen tauchen zwei Begriffe immer wieder auf: Notstrom und Ersatzstrom. Obwohl sie oft synonym verwendet werden, bezeichnen sie technisch unterschiedliche Konzepte mit erheblichen Unterschieden in Funktionsumfang, Kosten und Komplexität.

Notstrom (Notstromsteckdose)

Die einfachste Form der Notstromversorgung besteht aus einer einzelnen Steckdose direkt am Wechselrichter oder Batteriespeicher. Bei einem Netzausfall kannst Du an dieser Steckdose einzelne Geräte anschließen, zum Beispiel ein Handy-Ladegerät, eine Lampe oder einen WLAN-Router. Die maximale Leistung liegt typischerweise bei 2.000 bis 3.000 Watt. Diese Lösung kostet in der Regel nur 200 bis 500 Euro Aufpreis und ist in vielen Hybrid-Wechselrichtern bereits integriert.

Der Nachteil: Du musst die Geräte manuell an die Notstromsteckdose anschließen. Dein normales Hausnetz bleibt stromlos. Wenn der Netzausfall nachts passiert, wirst Du im Dunkeln zum Wechselrichter tappen müssen, um Dein Handy aufzuladen. Für kurze Ausfälle (unter einer Stunde) reicht das oft aus. Für längere Szenarien oder wenn Du Kühlschrank, Heizung und Licht ohne manuellen Eingriff am Laufen halten willst, brauchst Du Ersatzstrom.

Ersatzstrom (Backup-Strom / vollständige Inselnetzfähigkeit)

Ersatzstrom ist die umfassendere Lösung. Bei einem Netzausfall schaltet ein automatischer Netzumschalter (Automatic Transfer Switch, ATS) Dein gesamtes Hausnetz oder ausgewählte Stromkreise auf die Batterie- und Solarversorgung um. Das passiert vollautomatisch in Millisekunden, ohne dass Du eingreifen musst. Das Licht flackert kurz und brennt dann weiter, der Kühlschrank läuft weiter, der WLAN-Router bleibt online.

Der ATS ist ein elektrisches Schaltgerät, das im Zählerschrank installiert wird und bei einem Netzausfall die Verbindung zum öffentlichen Netz physisch unterbricht. Gleichzeitig verbindet es das Hausnetz mit dem Wechselrichter, der jetzt als eigenständige Stromquelle funktioniert. Wenn das Netz wiederkehrt, erkennt der ATS das und schaltet automatisch zurück auf Netzbetrieb. Kosten: 1.500 bis 3.000 Euro zusätzlich zum Speichersystem, inklusive ATS, Verdrahtung und Elektrikerarbeit.

MerkmalNotstrom (Steckdose)Ersatzstrom (Hausnetz)
UmschaltungManuellAutomatisch (5-20 ms)
VersorgungsbereichEinzelne SteckdoseGesamtes Hausnetz oder Kreise
Max. Leistung2-3 kW3-12 kW
Aufpreis200-500 €1.500-3.000 €
InstallationEinfach (oft integriert)Komplexer (Zählerschrank)
KomfortEingeschränktVollständig nahtlos
Für wen geeignet?Gelegentliche kurze AusfälleKomplettschutz, med. Geräte
🔑 Notstrom vs. Ersatzstrom in einem Satz

Notstrom ist eine einzelne Steckdose am Wechselrichter für den manuellen Anschluss einzelner Geräte. Ersatzstrom versorgt automatisch Dein gesamtes Hausnetz bei einem Netzausfall. Für echten Blackout-Schutz brauchst Du Ersatzstrom.

Welche Variante ist die richtige für Dich?

Die Antwort hängt von Deinem persönlichen Sicherheitsbedürfnis und Budget ab. Wenn Du hauptsächlich sicherstellen willst, dass Du bei einem kurzen Stromausfall Dein Handy laden und eine Taschenlampe betreiben kannst, reicht die Notstromsteckdose völlig aus. Wenn Du aber Kühlschrank, Fußbodenheizung, Internet und Beleuchtung im ganzen Haus ohne Unterbrechung weiter betreiben willst, führt kein Weg am Ersatzstrom vorbei.

Unsere Empfehlung: Wenn Du ohnehin eine neue Solaranlage mit Speicher planst, investiere die zusätzlichen 1.500 bis 3.000 Euro in Ersatzstrom. Der Aufpreis ist im Verhältnis zur Gesamtinvestition gering und der Komfortgewinn enorm. Wenn Du den Speicher bereits hast und nur nachrüsten möchtest, kann die Notstromsteckdose als kosteneffiziente Zwischenlösung sinnvoll sein, bis Du bei einer Erweiterung auf Ersatzstrom umsteigst.

Moderner Batteriespeicher mit Hybrid-Wechselrichter an der Wand eines Hauswirtschaftsraums
Ein notstromfähiger Hybrid-Wechselrichter mit Batteriespeicher bildet das Herzstück jeder Notstromversorgung

So funktioniert die Notstromversorgung technisch

Um die Notstromfunktion wirklich zu verstehen, hilft ein Blick auf die technischen Abläufe. Keine Sorge: Wir erklären es so, dass Du kein Elektrotechniker sein musst.

Normalbetrieb: Solaranlage am Netz

Im Normalbetrieb arbeitet Deine Solaranlage netzparallel. Das bedeutet: Die Solarmodule erzeugen Gleichstrom (DC), der Wechselrichter wandelt ihn in Wechselstrom (AC) um und speist ihn ins Hausnetz ein. Überschüssiger Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist (und Du bekommst die EEG-Einspeisevergütung). Wenn die Solaranlage weniger produziert als Du verbrauchst (z.B. abends), bezieht Dein Haus Strom aus dem Netz. Der Batteriespeicher puffert die Tagesproduktion und gibt sie abends ab, um den Netzbezug zu minimieren.

Während des Normalbetriebs synchronisiert sich der Wechselrichter ständig mit der Netzfrequenz von 50 Hz. Er orientiert sich am Netz wie ein Tänzer am Rhythmus der Musik. Fällt die Musik (das Netz) aus, verliert der Tänzer (Wechselrichter) seinen Orientierungspunkt und muss sofort stoppen, um kein Chaos zu verursachen.

Netzausfall: Die Umschaltung

Bei einem Netzausfall passiert folgendes in Bruchteilen einer Sekunde:

  1. Erkennung (0-5 ms): Der Wechselrichter misst ständig die Netzspannung und Netzfrequenz. Fällt die Spannung unter einen definierten Schwellwert oder verschwindet die Frequenz, erkennt der Wechselrichter den Ausfall.
  2. Netztrennung (5-10 ms): Ein Trennschalter (Relais oder Schütz) im Netzumschalter (ATS) öffnet sich und trennt Dein Haus physisch vom öffentlichen Netz. Das ist die wichtigste Sicherheitsfunktion: Kein Strom darf ins tote Netz gelangen.
  3. Inselnetzbildung (10-20 ms): Der Wechselrichter schaltet vom netzgeführten Betrieb in den Inselbetrieb. Statt sich am Netz zu orientieren, erzeugt er jetzt selbst eine stabile 230-Volt-Wechselspannung mit 50 Hz. Er wird zum eigenständigen Stromversorger.
  4. Versorgung (ab 20 ms): Dein Hausnetz wird jetzt ausschließlich vom Wechselrichter versorgt. Strom kommt aus dem Batteriespeicher und, bei Tageslicht, zusätzlich aus den Solarmodulen. Der Wechselrichter regelt Spannung und Frequenz exakt und passt die Leistung an Deinen Verbrauch an.
💡 Warum die Umschaltzeit wichtig ist

Die meisten elektronischen Geräte (Computer, Router, Fernseher) überbrücken eine Unterbrechung von unter 20 Millisekunden problemlos, weil ihre internen Netzteile Kondensatoren haben, die kurze Lücken puffern. Deshalb bemerkst Du bei einer Umschaltzeit von 5 bis 20 ms praktisch nichts. Nur sehr empfindliche Geräte (medizinische Geräte der Klasse 1, industrielle Steuerungen) benötigen eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) als zusätzliche Absicherung.

Netzwiederkehr: Rückschaltung

Wenn das öffentliche Netz wiederhergestellt wird, erkennt der Wechselrichter das anhand der wiederkehrenden Netzspannung und Netzfrequenz. Nach einer Sicherheitswartezeit von typischerweise 30 bis 60 Sekunden (um sicherzustellen, dass das Netz stabil bleibt und nicht erneut ausfällt) synchronisiert sich der Wechselrichter wieder mit dem Netz, der ATS schaltet zurück auf Netzbetrieb, und alles läuft wie gewohnt weiter. Auch dieser Vorgang geschieht vollautomatisch.

Ein oft übersehener Aspekt: Während des Inselbetriebs kann der Wechselrichter den Batteriespeicher auch laden, wenn die Solarproduktion den Verbrauch übersteigt. Das bedeutet: Bei einem mehrtägigen Netzausfall im Sommer mit viel Sonnenschein kann Dein Haus theoretisch unbegrenzt autonom laufen. Du bist dann im wahrsten Sinne des Wortes energieautark. Im Winter ist die Situation schwieriger, da die Solarproduktion deutlich geringer ist, aber auch dann verlängert jede Stunde Sonnenlicht die Notstromversorgung erheblich.

Welche Komponenten brauchst Du für Notstrom?

Für eine funktionsfähige Notstromversorgung benötigst Du vier Hauptkomponenten, die zusammenspielen müssen. Nicht jede beliebige Kombination funktioniert. Die Komponenten müssen kompatibel sein und vom Installateur als Gesamtsystem konfiguriert werden.

1. Notstromfähiger Hybrid-Wechselrichter

Der Hybrid-Wechselrichter ist das Gehirn Deiner Notstromversorgung. Er kombiniert drei Funktionen in einem Gerät: PV-Wechselrichter (Solar-Gleichstrom zu Wechselstrom), Batterie-Laderegler (Speicher laden und entladen) und Inselnetzbilder (eigenes Stromnetz bei Netzausfall erzeugen). Nicht jeder Hybrid-Wechselrichter kann Notstrom. Achte beim Kauf explizit auf die Begriffe "notstromfähig", "ersatzstromfähig", "backup ready" oder "off-grid capable".

Die wichtigste Kennzahl ist die maximale Backup-Leistung, also die Leistung, die der Wechselrichter im Inselbetrieb dauerhaft liefern kann. Sie liegt je nach Modell zwischen 3 und 12 kW. Für ein Einfamilienhaus mit Grundversorgung (Licht, Kühlschrank, Router, Handy-Laden) reichen 3 bis 5 kW. Wenn Du auch eine Wärmepumpe oder eine Wallbox im Notstrom betreiben willst, brauchst Du mindestens 5 bis 8 kW.

2. Batteriespeicher

Der Batteriespeicher liefert die Energie für die Notstromversorgung, wenn die Sonne nicht scheint. Die Speichergröße bestimmt, wie lange Du im Notfall autark bleiben kannst. Faustregel: Pro 1 kWh nutzbare Speicherkapazität kannst Du Dein Haus bei sparsamen Verbrauch (500 Watt Durchschnitt) ca. 2 Stunden mit Strom versorgen. Ein 10-kWh-Speicher liefert also ca. 20 Stunden Notstrom bei Grundversorgung. Mehr Details zu Speicherkosten findest Du in unserem separaten Ratgeber.

Wichtig: Nicht jeder Batteriespeicher ist notstromfähig. Die Batterie muss die gleiche Marke oder zumindest ein kompatibles System zum Wechselrichter sein. Die Kombination SMA Sunny Tripower Smart Energy + BYD-Speicher oder Huawei SUN2000 + LUNA2000-Speicher sind bewährte notstromfähige Systeme. Mische keine Komponenten verschiedener Ökosysteme, das funktioniert bei Notstrom in der Regel nicht.

3. Netzumschalter (ATS) für Ersatzstrom

Für eine vollständige Ersatzstromversorgung (nicht nur Notstromsteckdose) brauchst Du einen Netzumschalter (Automatic Transfer Switch, ATS). Dieses Gerät wird im Zählerschrank installiert und trennt bei einem Netzausfall automatisch die Verbindung zum öffentlichen Netz. Gleichzeitig verbindet es Dein Hausnetz mit dem Wechselrichter. Manche Wechselrichter (z.B. SMA Smart Energy, Fronius GEN24) haben den ATS bereits integriert oder als optionales Zubehör. Bei anderen Herstellern wird ein separater ATS benötigt (z.B. Enwitec Netzumschaltbox, SMA SPS).

4. Elektroinstallation und Sicherungstechnik

Die Installation einer Ersatzstromversorgung erfordert Anpassungen im Zählerschrank. Der Elektriker muss definieren, welche Stromkreise im Notstrom versorgt werden (alle oder nur ausgewählte). Bei einer Teilversorgung werden essenzielle Verbraucher (Kühlschrank, Beleuchtung, Router, Heizungssteuerung) auf separate Sicherungskreise gelegt, die vom Wechselrichter versorgt werden. Weniger wichtige Verbraucher (Herd, Backofen, Sauna) bleiben unversorgt, um den Speicher zu schonen. Diese Planung erfordert einen qualifizierten Elektriker mit Erfahrung in PV-Notstromsystemen.

⚠️ Achtung: Nur vom Fachbetrieb installieren lassen

Die Installation einer Notstromversorgung ist keine DIY-Aufgabe. Sie erfordert Arbeiten am Zählerschrank und an der Hausverteilung, die nur von eingetragenen Elektrofachbetrieben durchgeführt werden dürfen. Eine fehlerhafte Installation kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass bei einem Netzausfall Strom ins tote öffentliche Netz eingespeist wird, was Lebensgefahr für Netztechniker bedeutet.

Kosten einer Solaranlage mit Notstromfunktion

Die Kosten für eine Solaranlage mit Notstromfunktion setzen sich aus den regulären Anlagenkosten plus dem Aufpreis für die Notstromkomponenten zusammen. Wir schlüsseln die Kosten transparent auf.

Elektriker installiert Hybrid-Wechselrichter und Netzumschalter für Notstromversorgung
Die Installation einer Ersatzstromversorgung erfordert einen qualifizierten Elektrofachbetrieb

Gesamtkosten Neuanlage mit Notstrom (2026)

Komponente5 kWp + 5 kWh10 kWp + 10 kWh15 kWp + 15 kWh
Solarmodule + Montage5.500-7.500 €11.000-15.000 €16.000-21.000 €
Hybrid-Wechselrichter (notstromfähig)1.800-2.800 €2.200-3.500 €2.800-4.500 €
Batteriespeicher3.500-5.500 €6.000-9.000 €9.000-13.000 €
Netzumschalter (ATS)800-1.500 €800-1.500 €1.000-2.000 €
Elektrikerarbeit Notstrom500-1.000 €500-1.200 €700-1.500 €
Gesamtkosten12.100-18.300 €20.500-30.200 €29.500-42.000 €
Aufpreis nur Notstrom1.300-2.500 €1.300-2.700 €1.700-3.500 €

Der reine Aufpreis für die Notstromfunktion gegenüber einer identischen Anlage ohne Notstrom liegt bei 1.300 bis 3.500 Euro. Das setzt sich zusammen aus dem Aufpreis für den notstromfähigen Wechselrichter (oft nur 300 bis 800 Euro mehr als ein Standard-Modell), dem Netzumschalter (ATS, 800 bis 2.000 Euro) und der zusätzlichen Elektrikerarbeit (500 bis 1.500 Euro). Gemessen an der Gesamtinvestition von 20.000 bis 30.000 Euro sind das 5 bis 12 % Aufpreis für einen erheblichen Komfort- und Sicherheitsgewinn.

1.300-3.500 €
Aufpreis für Notstromfunktion
Nur 5-12 % der Gesamtinvestition für vollständigen Blackout-Schutz

Kosten Notstromsteckdose vs. Ersatzstrom

Wenn Du nur eine einfache Notstromsteckdose willst (einzelne Steckdose am Wechselrichter), kostet das oft gar nichts extra, da viele Hybrid-Wechselrichter (z.B. Huawei SUN2000, Kostal Plenticore) diese Funktion serienmäßig mitbringen. Für die vollständige Ersatzstromversorgung (automatische Umschaltung des gesamten Hausnetzes) musst Du mit 1.500 bis 3.000 Euro Aufpreis rechnen.

Eine wichtige Kostenüberlegung: Der Speicher selbst ist die teuerste Komponente und wird ohnehin von den meisten Solaranlagenkäufern mitbestellt, um den Eigenverbrauch zu optimieren. Die Notstromfunktion ist dann nur ein kostengünstiges Add-on. Wer bereits eine Solaranlage mit Speicher plant, sollte die Notstromfunktion unbedingt gleich mitbestellen, denn eine Nachrüstung ist teurer als die Erstinstallation. Weitere Informationen zur optimalen Anlagengröße findest Du in unserem Ratgeber zur Solaranlage Größe berechnen.

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Wechselrichter und Speicher im Vergleich

Der Markt für notstromfähige Wechselrichter und Speicher wächst rasant. Wir vergleichen die wichtigsten Systeme, die 2026 in Deutschland erhältlich sind, anhand der Kriterien Backup-Leistung, Umschaltzeit, Kompatibilität und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Verschiedene Batteriespeicher-Systeme für Solaranlagen im Vergleich
Die Wahl des richtigen Speichersystems entscheidet über Leistung und Zuverlässigkeit der Notstromversorgung
Hersteller / SystemBackup-LeistungUmschaltzeitSpeicherPreis (WR + ATS)
SMA Sunny Tripower Smart Energy5 kW (einphasig)< 20 msBYD HVS/HVM2.800-3.500 €
Fronius Symo GEN24 Plus6 kW (dreiphasig)< 15 msBYD HVS/HVM3.000-4.000 €
Huawei SUN2000 + LUNA20005 kW (einphasig)< 20 msLUNA2000 (5-30 kWh)2.200-3.000 €
Kostal Plenticore Plus3,4 kW (einphasig)< 20 msBYD HVS/HVM2.500-3.200 €
SolarEdge Home Hub + Backup Interface5 kW (einphasig)< 10 msSE Home Battery3.500-4.500 €
Enphase IQ + Encharge3,84 kW (pro Einheit)0 ms (USV-Qualität)Encharge 3/104.000-5.500 €

SMA Sunny Tripower Smart Energy

SMA aus dem hessischen Niestetal ist der Marktführer bei Wechselrichtern in Deutschland. Der Sunny Tripower Smart Energy ist ein Hybrid-Wechselrichter mit integriertem Batterie-Interface und Notstromfunktion. Die Backup-Leistung von 5 kW reicht für die Grundversorgung eines Einfamilienhauses. Die Kopplung mit BYD-Speichern (HVS oder HVM) ist bestens erprobt und millionenfach im Einsatz. Der Sunny Portal bietet ein hervorragendes Monitoring mit Notstrom-Protokollierung. Nachteil: Die Backup-Leistung ist einphasig, dreiphasige Verbraucher (z.B. große Wärmepumpen, Herd) können nicht im Notstrom betrieben werden. Für dreiphasigen Ersatzstrom bietet SMA mit dem SMA SPS (Secure Power Supply) eine Zusatzlösung an.

Fronius Symo GEN24 Plus

Der österreichische Hersteller Fronius bietet mit dem GEN24 Plus einen der wenigen Hybrid-Wechselrichter mit dreiphasiger Backup-Leistung. Das bedeutet: Du kannst im Notstrom auch dreiphasige Verbraucher betreiben, was besonders bei Wärmepumpen und Wallboxen relevant ist. Die Kombination mit BYD-Speichern oder dem Fronius-eigenen Solar Battery ist bewährt. Der GEN24 Plus hat zudem eine PV-Point-Funktion: Selbst ohne Speicher kann er bei Sonnenschein eine Notstromsteckdose mit bis zu 3 kW versorgen, ein Alleinstellungsmerkmal, das viele Konkurrenten nicht bieten.

Huawei SUN2000 + LUNA2000

Huawei hat sich in wenigen Jahren zum drittgrößten Wechselrichterhersteller weltweit entwickelt. Das SUN2000 + LUNA2000-System überzeugt durch exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis und hohe Skalierbarkeit. Der Speicher LUNA2000 ist modular aufgebaut (5 kWh Module, erweiterbar bis 30 kWh) und bietet eine nutzbare Kapazität von 95 %, was Spitzenwerte in der Branche sind. Die Notstromfunktion ist zuverlässig, die Umschaltzeit liegt unter 20 ms. Die FusionSolar-App bietet Echtzeit-Monitoring und Notstrom-Management. Nachteil: Die Backup-Leistung ist einphasig und auf 5 kW begrenzt, für dreiphasigen Ersatzstrom wird eine zusätzliche SMA SPS oder ein Enwitec-Umschalter benötigt.

Enphase IQ + Encharge: Mikrowechselrichter mit USV-Qualität

Enphase verfolgt einen radikal anderen Ansatz: Statt eines zentralen Wechselrichters hat jedes Solarmodul einen eigenen Mikrowechselrichter (IQ8). Das bietet im Notstrom einen einzigartigen Vorteil: Die Umschaltzeit beträgt effektiv 0 Millisekunden, da das System eine unterbrechungsfreie Versorgung (USV-Qualität) bietet. Zudem kann das Enphase-System auch ohne Speicher einen begrenzten Notstrom liefern, solange die Sonne scheint (Sunlight Backup). Die Encharge-Speicher (3,5 oder 10,5 kWh, modular kombinierbar) arbeiten nahtlos mit den Mikrowechselrichtern zusammen. Nachteil: Das Enphase-System ist spürbar teurer als zentrale Lösungen.

Notstrom-Leistungsvergleich der Wechselrichter
💡 Unsere Empfehlung für verschiedene Szenarien

Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis: Huawei SUN2000 + LUNA2000. Bester dreiphasiger Backup: Fronius GEN24 Plus. Höchste Zuverlässigkeit (USV): Enphase IQ + Encharge. Bestes Servicenetz in DE: SMA Sunny Tripower Smart Energy. Alle vier Systeme sind praxiserprobt und zuverlässig. Lasse Dich von einem Fachbetrieb beraten, welches System zu Deinem Dach und Deinen Anforderungen passt.

Blackout in Deutschland: Wie wahrscheinlich ist ein Stromausfall?

Bevor Du in eine Notstromversorgung investierst, stellt sich natürlich die Frage: Wie wahrscheinlich ist ein Stromausfall in Deutschland überhaupt? Die Antwort ist differenzierter als die meisten Medienberichte vermuten lassen.

Deutsche Wohnsiedlung bei Nacht während eines Stromausfalls, ein Haus mit Solarstrom beleuchtet
Bei einem regionalen Stromausfall macht sich die Notstromversorgung bezahlt: Dein Haus bleibt beleuchtet

Statistik: So zuverlässig ist das deutsche Stromnetz

Das deutsche Stromnetz gehört zu den zuverlässigsten der Welt. Der Bundesnetzagentur (BNetzA) veröffentlicht jährlich den SAIDI-Wert (System Average Interruption Duration Index), der die durchschnittliche jährliche Unterbrechungsdauer pro Endverbraucher angibt. 2024 lag der SAIDI-Wert bei 12,2 Minuten pro Jahr. Zum Vergleich: In den USA beträgt der SAIDI-Wert durchschnittlich 120 Minuten, in Frankreich 50 Minuten, in Großbritannien 35 Minuten.

12,2 Minuten pro Jahr klingt nach nichts. Aber diese Zahl ist ein Durchschnitt. In der Praxis bedeutet das: Die meisten Haushalte erleben überhaupt keinen Stromausfall im Jahr. Diejenigen, die betroffen sind, erleben oft Ausfälle von 30 Minuten bis mehreren Stunden. Bei schweren Unwetterereignissen (Sturm Bernd 2021, Sturmtief Friederike 2018) waren einzelne Regionen teilweise tagelang ohne Strom. 2024 gab es in Teilen Norddeutschlands nach dem Herbststurm "Helena" Ausfälle von bis zu 72 Stunden.

Zunehmende Risikofaktoren

Obwohl das deutsche Stromnetz historisch sehr zuverlässig ist, gibt es mehrere Trends, die das Risiko von Stromausfällen erhöhen könnten:

  • Extremwetter: Die Häufigkeit von Stürmen, Starkregen und Überschwemmungen nimmt nachweislich zu. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) hat sich die Zahl schwerer Unwetterereignisse in Deutschland seit 2000 verdoppelt.
  • Netzumbau: Die Energiewende erfordert einen massiven Umbau des Stromnetzes von zentraler zu dezentraler Erzeugung. Dieser Umbau birgt in der Übergangsphase Stabilitätsrisiken.
  • Elektrifizierung: Wärmepumpen, E-Autos und Rechenzentren erhöhen den Stromverbrauch und belasten lokale Netze. Manche Ortsnetze sind für diese Belastung noch nicht ausgelegt, was zu lokalen Überlastungen führen kann.
  • Cyberangriffe: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stuft die Bedrohungslage für kritische Infrastrukturen (einschließlich Stromnetze) als "hoch" ein.

Das realistische Szenario

Ein flächendeckender, tagelanger Blackout wie in Hollywood-Filmen ist in Deutschland extrem unwahrscheinlich. Das Netz ist redundant aufgebaut, und die Netzbetreiber haben ausgefeilte Notfallpläne. Was aber realistisch ist und regelmäßig vorkommt:

  • Regionale Ausfälle (1-6 Stunden): Durch Unwetter, Kabelschäden oder technische Defekte. Betrifft einzelne Straßen, Ortsteile oder kleine Gemeinden. Häufigkeit: 0,5 bis 2 Mal pro Jahr je nach Region.
  • Längere regionale Ausfälle (6-72 Stunden): Bei schweren Unwetterereignissen, besonders in ländlichen Gebieten mit oberirdischen Leitungen. Häufigkeit: Alle 5 bis 10 Jahre je nach Region.
  • Kurze Netzstörungen (Sekunden bis Minuten): Spannungsschwankungen, kurze Unterbrechungen. Können empfindliche Elektronik beschädigen. Häufigkeit: Mehrmals pro Jahr.
🔑 Realistische Einschätzung

Ein flächendeckender Blackout ist in Deutschland extrem unwahrscheinlich. Regionale Stromausfälle von 1 bis 72 Stunden kommen aber regelmäßig vor, besonders bei Unwettern. Die Notstromfunktion schützt vor diesen realistischen Szenarien und bietet gleichzeitig psychologische Sicherheit in unsicheren Zeiten.

Welche Geräte kannst Du mit Notstrom betreiben?

Eine der wichtigsten Fragen bei der Planung einer Notstromversorgung ist: Was kann ich damit alles betreiben und wie lange? Die Antwort hängt von zwei Faktoren ab: der Backup-Leistung Deines Wechselrichters (in kW) und der Speicherkapazität (in kWh).

Typische Leistungsaufnahme von Haushaltsgeräten

GerätLeistung (Watt)PrioritätDauer bei 10 kWh Speicher
LED-Beleuchtung (5 Räume)50 WHoch200 Stunden
WLAN-Router + Modem15-30 WHoch330-660 Stunden
Kühlschrank80-120 W (Durchschnitt)Hoch83-125 Stunden
Handy laden (x2)10-20 WHoch500+ Stunden
Laptop40-80 WMittel125-250 Stunden
Fernseher (LED, 55 Zoll)60-100 WNiedrig100-166 Stunden
Heizungssteuerung (Gastherme/WP)50-200 WHoch (Winter)50-200 Stunden
Tiefkühltruhe40-80 W (Durchschnitt)Hoch125-250 Stunden
Wärmepumpe (Heizen)1.500-4.000 WMittel2,5-6,7 Stunden
E-Auto laden (11 kW Wallbox)3.700-11.000 WNiedrig0,9-2,7 Stunden
Elektroherd / Backofen2.000-4.000 WNiedrig2,5-5 Stunden

Rechenbeispiel: Grundversorgung bei Netzausfall

Nehmen wir an, Du hast eine 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher und Ersatzstromfunktion. Bei einem Netzausfall am Abend (kein Sonnenlicht) betreibst Du folgende Grundversorgung:

  • LED-Beleuchtung (5 Räume): 50 Watt
  • WLAN-Router + Modem: 25 Watt
  • Kühlschrank: 100 Watt (Durchschnitt)
  • Tiefkühltruhe: 60 Watt (Durchschnitt)
  • Heizungssteuerung: 100 Watt
  • 2x Handy laden: 15 Watt
  • Laptop: 60 Watt

Gesamtverbrauch: ca. 410 Watt. Bei einem 10-kWh-Speicher (nutzbare Kapazität ca. 9,5 kWh bei 95 % DoD) ergibt das eine Notstromdauer von ca. 23 Stunden. Am nächsten Morgen beginnt die Solaranlage wieder zu produzieren und lädt den Speicher, während sie gleichzeitig die Verbraucher versorgt. Bei einem typischen Frühlingstag (5 kWh Ertrag bis zum Abend) verlängerst Du die Autonomie um weitere 12 Stunden. Theoretisch kannst Du so bei moderatem Verbrauch und ausreichend Sonne mehrere Tage autark bleiben.

Willst Du zusätzlich eine Wärmepumpe mit 2.500 Watt betreiben, steigt der Gesamtverbrauch auf ca. 2.900 Watt. Die Notstromdauer sinkt dann auf ca. 3,3 Stunden. Deshalb empfehlen wir: Im Notstrom die Wärmepumpe nur zeitweise laufen lassen (z.B. 2 Stunden am Tag) und die Restwärme im Pufferspeicher nutzen. So bleibt das Haus warm, ohne den Stromspeicher zu schnell zu leeren.

Letzten November hatten wir einen Stromausfall von 14 Stunden nach einem Sturm. Während die Nachbarn im Kalten und Dunkeln saßen, lief bei uns alles normal weiter. Kühlschrank, Heizung, Internet, Licht. Die Kinder haben den Stromausfall gar nicht mitbekommen. Die beste Investition, die wir je getätigt haben.
Markus und Sandra H.
Eigenheimbesitzer aus Wuppertal, 10 kWp + 10 kWh mit Ersatzstrom seit 2024

Schritt für Schritt: Notstromfunktion planen und installieren

Du hast Dich entschieden, Dein Zuhause mit einer Notstromversorgung auszustatten? Dann folge diesem bewährten Ablauf, um das beste Ergebnis zum besten Preis zu erzielen.

In 7 Schritten zur Notstromversorgung

  1. Bedarfsanalyse: Welche Geräte sollen im Notfall laufen? Berechne den Gesamtverbrauch in Watt und die gewünschte Autonomiedauer in Stunden. Daraus ergibt sich die nötige Backup-Leistung (kW) und Speicherkapazität (kWh).
  2. Angebote einholen: Hole mindestens 3 Angebote von Fachbetrieben mit Erfahrung in Notstromsystemen ein. Nicht jeder Solarteur hat Erfahrung mit Ersatzstrom. Frage explizit nach Referenzprojekten mit Notstrom.
  3. System auswählen: Entscheide zwischen Notstromsteckdose und Ersatzstrom. Wähle Wechselrichter und Speicher aus einem kompatiblen Ökosystem. Lasse Dich vom Fachbetrieb beraten, welche Stromkreise im Notstrom versorgt werden sollen.
  4. Förderung beantragen: Prüfe KfW-Kredit 270 und regionale Förderprogramme. Manche Bundesländer fördern Speicher mit Notstromfunktion zusätzlich. Antrag vor der Beauftragung stellen!
  5. Installation und Elektrik: Der Fachbetrieb installiert Solarmodule, Wechselrichter, Speicher und Netzumschalter. Die Elektrikerarbeiten im Zählerschrank dauern typischerweise einen halben Tag extra.
  6. Inbetriebnahme und Notstromtest: Nach der Installation wird die Notstromfunktion getestet: Der Elektriker simuliert einen Netzausfall und prüft, ob alle vorgesehenen Verbraucher versorgt werden. Die Umschaltzeit und maximale Belastung werden gemessen.
  7. Monitoring einrichten: Richte die Hersteller-App ein und aktiviere Benachrichtigungen für Notstrom-Ereignisse. So wirst Du informiert, wenn die Notstromfunktion aktiviert wird, und kannst den Speicherstand im Blick behalten.
💡 Tipp: Jährlichen Notstromtest durchführen

Teste Deine Notstromfunktion mindestens einmal pro Jahr, indem Du den Hauptsicherungsschalter kurz ausschaltest und prüfst, ob die Umschaltung zuverlässig funktioniert. So stellst Du sicher, dass im Ernstfall alles klappt. Viele Wechselrichter haben eine Testfunktion in der App, die einen Netzausfall simuliert, ohne dass Du an der Sicherung drehen musst.

Notstrom nachrüsten: Bestandsanlage aufrüsten

Du hast bereits eine Solaranlage, aber ohne Notstromfunktion? Eine Nachrüstung ist grundsätzlich möglich, aber der Aufwand hängt stark von Deiner bestehenden Anlage ab.

Szenario 1: Hybrid-Wechselrichter vorhanden, Notstrom nicht aktiviert

Wenn Du bereits einen notstromfähigen Hybrid-Wechselrichter hast (z.B. Fronius GEN24, Huawei SUN2000), aber die Notstromfunktion bei der Erstinstallation nicht aktiviert wurde, ist die Nachrüstung relativ einfach und günstig. Du brauchst einen Netzumschalter (ATS), der im Zählerschrank installiert wird, und eventuell ein Software-Update für den Wechselrichter. Kosten: 1.000 bis 2.500 Euro inklusive Elektrikerarbeit. Dauer: Einen halben bis ganzen Arbeitstag.

Szenario 2: Standard-Wechselrichter ohne Notstromfähigkeit

Wenn Dein Wechselrichter keine Notstromfunktion unterstützt (z.B. ältere SMA-Modelle, reine String-Wechselrichter), muss der Wechselrichter getauscht werden. Das lohnt sich besonders, wenn Dein Wechselrichter ohnehin älter als 10 Jahre ist und ein Austausch in den nächsten Jahren ansteht. Kosten für Wechselrichtertausch inklusive notstromfähigem Modell: 2.500 bis 4.500 Euro. Dazu kommt der ATS (1.000 bis 2.000 Euro) und die Elektrikerarbeit. Gesamtkosten: 4.000 bis 7.500 Euro.

Szenario 3: Solaranlage ohne Speicher, Notstrom gewünscht

Wenn Du eine Solaranlage ohne Batteriespeicher hast, ist die Nachrüstung am aufwändigsten, da Du einen Speicher, einen Hybrid-Wechselrichter (oder einen zusätzlichen Batterie-Wechselrichter) und den ATS benötigst. Die gute Nachricht: Wenn Deine Solarmodule noch gut funktionieren, müssen sie nicht ersetzt werden. Nur die Leistungselektronik wird erneuert. Kosten: 8.000 bis 15.000 Euro je nach Speichergröße. Für eine detaillierte Beratung zur Speichernachrüstung empfehlen wir unseren Ratgeber Speicher nachrüsten.

Familie in beleuchteter Küche während eines Stromausfalls dank Solaranlage mit Notstromfunktion
Mit Notstromversorgung bleibt der Alltag auch bei einem Stromausfall weitgehend normal

Kosten der Nachrüstung im Überblick

AusgangssituationBenötigte KomponentenKostenDauer
Hybrid-WR vorhanden, Notstrom nicht aktivATS + Elektrik1.000-2.500 €0,5-1 Tag
Standard-WR, Speicher vorhandenNeuer Hybrid-WR + ATS + Elektrik4.000-7.500 €1-2 Tage
PV ohne SpeicherSpeicher + Hybrid-WR + ATS + Elektrik8.000-15.000 €1-2 Tage

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Förderung und wirtschaftliche Bewertung

Die wirtschaftliche Bewertung einer Notstromfunktion unterscheidet sich von der klassischen Wirtschaftlichkeitsrechnung einer Solaranlage. Denn der Wert von Notstrom liegt nicht primär in der Rendite, sondern in der Absicherung gegen ein Risiko, ähnlich einer Versicherung.

Förderung für Speicher mit Notstrom

Die Notstromfunktion selbst wird nicht separat gefördert. Allerdings wird der Batteriespeicher, der für die Notstromfunktion benötigt wird, von mehreren Programmen gefördert:

  • 0 % Umsatzsteuer: Der gesamte Speicher (inklusive Notstrom-Komponenten) ist von der Umsatzsteuer befreit, wenn er zusammen mit der Solaranlage installiert wird. Das spart bei einem 10-kWh-Speicher für 7.000 Euro netto ca. 1.330 Euro.
  • KfW 270: Der KfW-Kredit 270 finanziert auch Batteriespeicher und Notstromkomponenten zu günstigen Konditionen.
  • NRW (progres.nrw): Zuschuss von 150 Euro/kWh Speicherkapazität. Bei 10 kWh: 1.500 Euro.
  • Berlin (SolarPLUS): Zuschuss von bis zu 300 Euro/kWh Speicherkapazität. Bei 10 kWh: bis zu 3.000 Euro.
  • Bayern: Das Programm "PV-Speicher" fördert Batteriespeicher mit bis zu 1.300 Euro pauschal.

Durch die Kombination von 0 % Umsatzsteuer und regionaler Förderung kann sich die Investition in einen Speicher mit Notstromfunktion um 2.000 bis 5.000 Euro reduzieren. Das macht den effektiven Aufpreis für die Notstromfunktion in vielen Fällen verschwindend gering.

Wirtschaftliche Betrachtung: Versicherungsgedanke

Die rein finanzielle Rendite der Notstromfunktion lässt sich schwer berechnen, weil sie von der Häufigkeit und Dauer der Stromausfälle abhängt. Aber ein paar Zahlen helfen bei der Einordnung:

  • Verdorbene Lebensmittel: Eine volle Tiefkühltruhe enthält Lebensmittel im Wert von 200 bis 800 Euro. Bei einem Stromausfall von über 12 Stunden (ohne Öffnen) beginnt die Ware aufzutauen.
  • Wasserschaden bei Wärmepumpe: Wenn eine Wärmepumpe im Winter bei starkem Frost ausfällt und die Heizungsrohre einfrieren, können Wasserschäden von 5.000 bis 50.000 Euro entstehen.
  • Homeoffice-Ausfall: Ein Tag ohne Internet und Strom im Homeoffice kann je nach Beruf 200 bis 1.000 Euro entgangenes Einkommen bedeuten.
  • Medizinische Geräte: Der Ausfall eines Beatmungsgeräts oder einer Dialysemaschine ist unbezahlbar und potenziell lebensbedrohlich.

Gemessen am Aufpreis von 1.300 bis 3.500 Euro über eine Anlagenlebensdauer von 25 Jahren ergibt sich ein jährlicher "Versicherungsbeitrag" von 52 bis 140 Euro. Zum Vergleich: Eine Hausratversicherung kostet 100 bis 300 Euro/Jahr, eine Wohngebäudeversicherung 200 bis 600 Euro/Jahr. Die Notstromversorgung ist damit eine der günstigsten Versicherungen, die Du für Dein Zuhause abschließen kannst, und sie produziert im Normalbetrieb sogar Rendite als Teil der Solaranlage.

Vorteile der Notstromfunktion

  • Automatischer Schutz bei Stromausfall (5-20 ms)
  • Kühlschrank, Heizung und Internet laufen weiter
  • Schutz für medizinische Geräte und empfindliche Elektronik
  • Psychologische Sicherheit in unsicheren Zeiten
  • Geringer Aufpreis (1.300-3.500 Euro) bei Neuanlage
  • Immobilienwert steigt durch höhere Autarkie
  • Speicher amortisiert sich ohnehin durch Eigenverbrauch
  • Bei Sonnenschein theoretisch unbegrenzte Autonomie

Nachteile und Einschränkungen

  • Zusatzkosten von 1.300-3.500 Euro bei Neuanlage
  • Nachrüstung bei bestehender Anlage teurer (4.000-15.000 Euro)
  • Begrenzte Speicherkapazität (10-20 Stunden Autonomie)
  • Wärmepumpen und E-Autos fressen Speicher schnell leer
  • Im Winter deutlich weniger Solarproduktion zur Nachladung
  • Nicht alle Wechselrichter/Speicher sind notstromfähig

Solaranlage mit Notstrom: Lohnt sich die Investition?

Unser Fazit ist eindeutig: Wer ohnehin eine Solaranlage mit Speicher plant, sollte die Notstromfunktion unbedingt gleich mitbestellen. Der Aufpreis von 1.300 bis 3.500 Euro ist im Verhältnis zur Gesamtinvestition gering und der Nutzen enorm. Eine Nachrüstung ist immer teurer und aufwändiger als die Erstinstallation.

Für Haushalte, die auf medizinische Geräte angewiesen sind, die eine Wärmepumpe als Heizung betreiben oder die im Homeoffice arbeiten, ist die Notstromfunktion nicht nur sinnvoll, sondern fast schon notwendig. In Regionen mit häufigeren Unwettern (Norddeutschland, Alpenvorland, Eifel) ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis besonders gut.

Und selbst wenn Du in Deinem ganzen Leben keinen einzigen Stromausfall erlebst: Die Solaranlage und der Speicher amortisieren sich durch den Eigenverbrauch und die Einspeisevergütung ohnehin. Die Notstromfunktion ist dann ein kostenloser Bonus, ein Sicherheitsnetz, das Du hoffentlich nie brauchst, aber immer dabeihast. Erfahre mehr über die Finanzierungsmöglichkeiten und die aktuellen Förderprogramme für Solaranlagen mit Speicher.

Für eine detaillierte Beratung, welche Notstromlösung am besten zu Deiner Situation passt, empfehlen wir Dir, unverbindlich Angebote von Fachbetrieben einzuholen. Qualifizierte Installateure können Deine Elektroinstallation vor Ort begutachten und eine maßgeschneiderte Lösung vorschlagen. Weitere Informationen zur optimalen Solaranlage Planung findest Du ebenfalls in unserem Ratgeber. Wer sich für die Versicherung einer Solaranlage interessiert, findet in unserem separaten Artikel alle relevanten Details.

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Häufige Fragen zu Notstrom und Blackout-Schutz

Was ist die Notstromfunktion einer Solaranlage?
Die Notstromfunktion ermöglicht es einer Solaranlage mit Batteriespeicher, bei einem Netzausfall weiterhin Strom zu liefern. Der Wechselrichter trennt das Haus automatisch vom öffentlichen Netz und versorgt wichtige Verbraucher aus der gespeicherten Solarenergie. Die Umschaltzeit liegt je nach System bei 5 bis 20 Millisekunden.
Was ist der Unterschied zwischen Notstrom und Ersatzstrom?
Notstrom versorgt nur eine einzelne Steckdose am Wechselrichter. Ersatzstrom (auch Backup-Strom) versorgt das gesamte Hausnetz über einen automatischen Netzumschalter. Ersatzstrom ist die umfassendere Lösung, kostet aber 1.500 bis 3.000 Euro mehr als eine einfache Notstromsteckdose.
Was kostet eine Solaranlage mit Notstromfunktion?
Eine 10-kWp-Solaranlage mit 10-kWh-Speicher und Notstromfunktion kostet 2026 zwischen 18.000 und 26.000 Euro. Die Notstromfunktion selbst kostet zwischen 500 Euro (einfache Notstromsteckdose) und 3.000 Euro (vollständige Ersatzstromversorgung mit automatischem Umschalter).
Wie lange hält der Notstrom bei einem Blackout?
Die Notstromdauer hängt von der Speicherkapazität und dem Verbrauch ab. Ein 10-kWh-Speicher versorgt einen sparsamen Haushalt (500 Watt Durchschnittsverbrauch) für ca. 20 Stunden. Mit Solarproduktion tagsüber kann der Betrieb theoretisch unbegrenzt weiterlaufen, solange die Sonne scheint und der Verbrauch unter der Solarleistung liegt.
Kann ich Notstrom nachrüsten?
Ja, eine Nachrüstung ist möglich, wenn Dein Wechselrichter notstromfähig ist oder gegen ein notstromfähiges Modell getauscht wird. Die Nachrüstung kostet je nach Aufwand 2.000 bis 8.000 Euro inklusive Speicher, Umschalter und Elektrikerarbeit.
Welche Wechselrichter bieten Notstromfunktion?
Bekannte Hersteller mit Notstromfunktion sind SMA (Sunny Tripower Smart Energy), Fronius (Symo GEN24 Plus), Huawei (SUN2000 mit LUNA Speicher), Kostal (Plenticore), Enphase (IQ Microinverter + Encharge) und SolarEdge (Home Hub mit Backup Interface). Alle bieten Ersatzstromfähigkeit, unterscheiden sich aber in Umschaltzeit und maximaler Backup-Leistung.
Funktioniert Notstrom auch im Winter?
Ja, aber eingeschränkt. Im Winter ist die Solarproduktion deutlich geringer (ca. 20 bis 30 % des Sommerertrags). Ein voller 10-kWh-Speicher reicht trotzdem für 10 bis 20 Stunden Notstrom. Die Kombination aus reduziertem Verbrauch (nur essenzielle Geräte) und Restproduktion verlängert die Autonomie auch im Dezember und Januar.
Brauche ich eine Notstromfunktion überhaupt?
Das hängt von Deiner persönlichen Situation ab. Wenn Du auf medizinische Geräte angewiesen bist, im Homeoffice arbeitest, eine Wärmepumpe betreibst oder einfach auf Nummer sicher gehen willst, ist Notstrom sinnvoll. Statistisch fallen in Deutschland pro Jahr durchschnittlich 12,2 Minuten Strom aus. Längere Ausfälle von mehreren Stunden kommen regional aber immer häufiger vor.
Ist ein Blackout in Deutschland realistisch?
Ein flächendeckender, tagelanger Blackout ist in Deutschland extrem unwahrscheinlich. Das deutsche Stromnetz gehört zu den zuverlässigsten weltweit (SAIDI 12,2 Minuten/Jahr). Regionale Ausfälle von einigen Stunden kommen aber regelmäßig vor, etwa durch Unwetter, Netzüberlastung oder technische Defekte. Die Notstromfunktion schützt genau vor diesen realistischen Szenarien.
Kann ich mit Notstrom auch eine Wärmepumpe betreiben?
Grundsätzlich ja, aber es erfordert einen leistungsstarken Wechselrichter (min. 5 kW Backup-Leistung) und ausreichend Speicherkapazität (min. 15 kWh). Eine Wärmepumpe mit 3 bis 5 kW Leistungsaufnahme kann im Notstrom betrieben werden, wenn der Anlaufstrom (kurzzeitig das 3- bis 5-fache) vom Wechselrichter abgefangen werden kann. Nicht alle Wechselrichter schaffen das.