Grundlagen: Wie wirkt die Ausrichtung?
PV Ost-West-Anlage – Die Ausrichtung einer Solaranlage bestimmt, zu welchen Tageszeiten und in welcher Intensität die Solarstrahlung auf die Moduloberfläche trifft. Eine Südausrichtung maximiert die Gesamtmenge der aufgefangenen Solarstrahlung über den Tag, weil die Sonne in Deutschland von Ost (morgens) über Süd (mittags) nach West (abends) wandert und dabei den höchsten Stand bei Südstellung erreicht. Ein nach Süden ausgerichtetes Modul mit 30–35° Neigung empfängt statistisch die meisten kWh pro m² und Jahr.
Eine Ost-West-Ausrichtung teilt die Modulfläche auf zwei Seiten auf: Die Ostseite fängt das Morgenlicht (6–12 Uhr) ein, die Westseite das Nachmittagslicht (12–19 Uhr). Die Mittagsspitze, bei der eine Südanlage ihre maximale Leistung erbringt, fehlt bei Ost-West – die Gesamtproduktion der Mittagsstunden ist geringer. Dafür ist die Produktion gleichmäßiger über den Tag verteilt und beginnt und endet später.
Wichtige Kennzahl: Der spezifische Jahresertrag (kWh/kWp) liegt bei optimaler Südausrichtung (35°, keine Verschattung) für Berlin bei ca. 1.000–1.050 kWh/kWp, für München bei 1.100–1.150 kWh/kWp. Eine Ost- oder Westausrichtung (90° Abweichung) erreicht noch 85–90% davon. Die Ost-West-Kombination liegt bei 90–95% des Süd-Ertrags.
Jahresertrag: Süd vs. Ost-West im Vergleich
Konkrete Zahlen für eine 10-kWp-Anlage in München (1.100 Volllaststunden): Bei Südausrichtung mit 35° Neigung: 9.500–10.500 kWh/Jahr. Bei Ost-West (je 5 kWp Ost, 5 kWp West, 15° Neigung): 8.500–9.500 kWh/Jahr – also rund 5–10% weniger im Jahresertrag.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Auf einem Flachdach mit Ost-West-Ausrichtung können dank des geringeren Reihenabstands 25–35% mehr Module aufgestellt werden als bei Südausrichtung. Statt 10 kWp (25 Module, 50 m²) passen bei Ost-West vielleicht 13 kWp (33 Module, 55 m²) auf die gleiche Dachfläche. Der Jahresertrag steigt dann auf 11.000–12.000 kWh – mehr als bei der Südanlage.
| Ausrichtung | Leistung (Dach: 50 m²) | Jahresertrag München | Spitzenleistung mittags | Produktionsbeginn |
|---|---|---|---|---|
| Süd, 35° | 10 kWp | 9.500–10.500 kWh | ~8,5–9 kW | ca. 7:30 Uhr |
| Ost-West, 15° | 12 kWp | 10.000–11.500 kWh | ~4–5 kW (gleichmäßiger) | ca. 6:30 Uhr |
| Ost-West, 15° (optimiert) | 14 kWp | 11.500–13.000 kWh | ~5–6 kW | ca. 6:30 Uhr |
Tagesproduktionsprofil: Der entscheidende Unterschied
Das Tagesproduktionsprofil ist der wichtigste Unterschied zwischen Süd und Ost-West. Eine Südanlage erzeugt eine scharfe Mittagsspitze: Um 13 Uhr werden 80–90% der Nennleistung erreicht, morgens und abends viel weniger. Eine Ost-West-Anlage erzeugt eine breitere, flachere Produktionskurve: Von 7 bis 10 Uhr dominiert die Ostseite, von 14 bis 19 Uhr die Westseite, mittags addieren sich beide.
Für den Haushaltsverbrauch ist das Ost-West-Profil oft vorteilhafter: Morgens beim Frühstück und abends beim Kochen ist Solarstrom verfügbar. Bei einer Südanlage würde zu diesen Zeiten Netzstrom verbraucht, während mittags die Anlage einspeist. Wer ein Homeoffice hat oder tagsüber zu Hause ist, profitiert mehr von der Südanlage. Wer morgens früh startet und abends nach Hause kommt, profitiert mehr von Ost-West.
Ein weiterer Vorteil des flacheren Ost-West-Profils: Die maximale Einspeiseleistung ist geringer, was bei der 70%-Regel (Begrenzung der Einspeisung auf 70% der Anlagenleistung) weniger Ertragsverluste verursacht. Eine 14-kWp-Ost-West-Anlage hat eine maximale Spitze von nur 5–6 kW statt 12 kW – deutlich unter der 70%-Grenze von 9,8 kW.
Eigenverbrauch: Warum Ost-West oft gewinnt
Der Eigenverbrauchsanteil ist der entscheidende Wirtschaftlichkeitsfaktor. Und hier punktet die Ost-West-Ausrichtung: Weil die Produktion über mehr Stunden des Tages verteilt ist, gibt es mehr Stunden, in denen Haushaltsstrom und Solarproduktion zeitlich zusammenfallen. Empirische Messungen zeigen: Eine Ost-West-Anlage erzielt bei gleicher Haushaltssituation 3–8% höheren Eigenverbrauchsanteil als eine Südanlage – ohne Batteriespeicher.
Mit Batteriespeicher nivelliert sich dieser Unterschied: Der Speicher entkoppelt Produktion und Verbrauch sowieso zeitlich, sodass das Produktionsprofil weniger wichtig wird. Mit Speicher ist die Südanlage wieder vorne, weil sie mehr Jahresertrag und damit mehr absolute Energie zum Speichern hat.
Für Betriebe mit gleichmäßigem Tagesverbrauch (Produktion, Lager, Büro) ist Ost-West klar vorzuziehen: Morgens beim Start und abends vor dem Schichtende ist Solarstrom vorhanden. Eigenverbrauchsquoten von 70–85% sind im Gewerbe mit Ost-West erreichbar – mit Süd eher 50–65%.
Netzeinspeisung und Abregelungsverluste
Die 70%-Regelung (§ 9 EEG) begrenzt die maximale Einspeisung einer Anlage auf 70% ihrer Nennleistung. Bei einer 10-kWp-Südanlage bedeutet das: Wenn mittags die Anlage 9–10 kW produziert und nur 2 kW verbraucht werden, müssen 3–4 kW abgeregelt werden – Ertragsverlust durch Abregelung.
Eine Ost-West-Anlage hat eine deutlich flachere Mittagsspitze und überschreitet die 70%-Grenze seltener. Bei einer 14-kWp-Ost-West-Anlage liegt die maximale Spitzenleistung um 13 Uhr bei 5–6 kW – weit unter der 70%-Grenze von 9,8 kW. Abregelungsverluste sind minimal. Das ist ein weiterer wirtschaftlicher Vorteil der Ost-West-Ausrichtung auf Flachdächern.
Kosten: Mehr Module, aber auch mehr Ertrag?
Auf einem Flachdach kostet eine Ost-West-Anlage mit 14 kWp ca. 16.000–22.000 Euro, eine Südanlage mit 10 kWp ca. 13.000–17.000 Euro. Die Mehrkosten von 3.000–5.000 Euro für die größere Ost-West-Anlage sind durch den höheren Jahresertrag von 15–20% (bei gleicher Dachfläche) wirtschaftlich zu rechtfertigen.
Auf einem Schrägdach mit fester Ausrichtung stellt sich die Frage anders: Hier ist die Ausrichtung durch die Dachgeometrie vorgegeben. Wer ein Westdach hat, profitiert von einem westlichen Ausrichungsanteil – das Dach lässt sich nicht drehen. In diesem Fall ist der Vergleich Süd vs. Ost-West irrelevant; stattdessen vergleicht man, ob eine PV-Anlage auf dem Westdach überhaupt sinnvoll ist (Antwort: Ja, bei bis zu 30° Abweichung von Süd noch sehr gut).
Wann ist Südausrichtung besser?
Südausrichtung gewinnt in drei Szenarien: (1) Schrägdach mit fester Südausrichtung – kein Vergleichsproblem, nehmen Sie was das Dach bietet. (2) Mit Batteriespeicher – weil der Speicher das Zeitproblem löst und die Südanlage mehr absolute Energie liefert. (3) Für Prosumer mit viel Mittagsverbrauch – Homeoffice, Wärmepumpe mittags, elektrisches Kochen um 12–14 Uhr.
In Summe: Für Privatanlagen auf Schrägdächern ist die Ausrichtung durch das Dach vorgegeben. Für Flachdächer und die Planung von Neubauten ist Ost-West bei Gewerbe und Mehrfamilienhäusern meist die wirtschaftlichere Wahl; bei Einfamilienhäusern mit Speicher ist Süd leicht im Vorteil. Lassen Sie sich von einem Fachbetrieb eine Simulation mit PVGIS oder PVSol erstellen – das dauert 30 Minuten und gibt konkrete Zahlen für Ihren Standort. Quelle: EU PVGIS Ertragsrechner
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