EEG-Vergütung ausgelaufen: Was passiert jetzt mit Deiner PV-Anlage?
PV-Anlage EEG ausgelaufen - diese Nachricht trifft seit 2021 jedes Jahr Tausende Solaranlagenbesitzer in Deutschland. Die gute Nachricht vorweg: Deine Anlage produziert weiterhin wertvollen Strom. Die weniger gute: Die lukrative Einspeisevergütung von bis zu 30 Cent pro Kilowattstunde, die Du vielleicht 20 Jahre lang erhalten hast, ist Geschichte. Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Deine Altanlage wirtschaftlich weiterzubetreiben - und einige davon sind sogar profitabler als die alte EEG-Vergütung.
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert Betreibern von Photovoltaikanlagen eine feste Einspeisevergütung für 20 Jahre ab Inbetriebnahme plus das Restjahr der Inbetriebnahme. Für Anlagen, die im Jahr 2000 ans Netz gingen - dem Startjahr des EEG - endete diese Förderung bereits Ende 2020. Seitdem wächst die Zahl der sogenannten Ü20-Anlagen jedes Jahr weiter an.
In diesem umfassenden Ratgeber erfährst Du alles, was Du über Deine Optionen nach dem EEG-Ende wissen musst. Wir rechnen jede einzelne Variante durch, zeigen Dir die Vor- und Nachteile und geben Dir am Ende einen konkreten Fahrplan an die Hand. Egal ob Du weitereinspeisen, Deinen Eigenverbrauch maximieren, einen Speicher nachrüsten oder ein komplettes Repowering durchführen möchtest - hier findest Du die Antwort.
Das Ende der EEG-Vergütung bedeutet nicht das Ende Deiner Solaranlage. Im Gegenteil: Bei heutigen Strompreisen von 35 Cent pro Kilowattstunde ist jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Solarstrom wertvoller als je zuvor. Der Schlüssel liegt in der Umstellung von Einspeisung auf Eigenverbrauch.
Welche Anlagen sind betroffen? Zeitplan und Zahlen
Die EEG-Vergütung läuft für jede Anlage individuell aus: 20 Jahre nach Inbetriebnahme plus das Restjahr. Konkret bedeutet das: Eine Anlage, die im Juli 2005 in Betrieb ging, verlor ihre Vergütung am 31. Dezember 2025. Der Zeitplan im Überblick:
| Inbetriebnahme | EEG-Ende | Alte Vergütung | Betroffene Anlagen (ca.) |
|---|---|---|---|
| 2000 | 31.12.2020 | bis 50,6 Ct/kWh | ~10.000 |
| 2001 | 31.12.2021 | bis 50,6 Ct/kWh | ~15.000 |
| 2002 | 31.12.2022 | bis 48,1 Ct/kWh | ~18.000 |
| 2003 | 31.12.2023 | bis 45,7 Ct/kWh | ~22.000 |
| 2004 | 31.12.2024 | bis 57,4 Ct/kWh | ~25.000 |
| 2005 | 31.12.2025 | bis 54,5 Ct/kWh | ~28.000 |
| 2006 | 31.12.2026 | bis 51,8 Ct/kWh | ~32.000 |
| 2007 | 31.12.2027 | bis 49,2 Ct/kWh | ~35.000 |
| 2008 | 31.12.2028 | bis 46,8 Ct/kWh | ~55.000 |
| 2009 | 31.12.2029 | bis 43,0 Ct/kWh | ~90.000 |
Die Zahlen zeigen: Das Problem wird von Jahr zu Jahr größer. Während bis 2025 rund 135.000 Anlagen betroffen waren, kommen allein 2026 weitere 32.000 hinzu. Der größte Schub steht ab 2028 bevor, wenn die Anlagen aus den Boomjahren 2008 und 2009 ihre Förderung verlieren. Dann fallen jährlich 55.000 bis 90.000 Anlagen aus dem EEG.
Die typische Ü20-Anlage hat eine Leistung von 3 bis 10 kWp und produziert je nach Standort, Ausrichtung und Zustand noch 2.500 bis 9.000 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht bei den alten polykristallinen Modulen einer Degradation von etwa 15 bis 20 Prozent gegenüber der Nennleistung - laut Fraunhofer ISE ein völlig normaler Wert.
Das exakte Datum findest Du in Deinem Einspeisevertrag mit dem Netzbetreiber oder im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur unter marktstammdatenregister.de. Falls Du dort noch nicht registriert bist: Die Registrierung ist seit 2019 Pflicht - auch für Altanlagen.
Option 1: Weiterbetrieb mit der gesetzlichen Anschlussregelung
Wenn Du nach dem EEG-Ende einfach nichts unternimmst, wird Deine Anlage automatisch in die sogenannte Anschlussregelung nach Paragraph 21 Absatz 1 Nummer 3 EEG 2023 überführt. Das bedeutet: Du speist weiterhin Deinen gesamten Solarstrom ins Netz ein und erhältst dafür den sogenannten Jahresmarktwert Solar. Dieser Wert orientiert sich am Börsenstrompreis und lag 2025 bei durchschnittlich 5,8 Cent pro Kilowattstunde. Abzüglich einer Vermarktungspauschale von 0,4 Cent bleiben Dir netto etwa 5,4 Cent pro Kilowattstunde.
Für eine typische 5 kWp-Anlage mit einem Jahresertrag von 4.500 Kilowattstunden bedeutet das: Statt der alten EEG-Vergütung von beispielsweise 50 Cent pro Kilowattstunde (also 2.250 Euro pro Jahr) erhältst Du nur noch rund 243 Euro pro Jahr. Das ist ein Einbruch von fast 90 Prozent. Trotzdem kann diese Option in bestimmten Fällen sinnvoll sein.
Wann ist der Weiterbetrieb mit Anschlussregelung sinnvoll?
- Du bist selten zu Hause und kannst den Strom kaum selbst verbrauchen
- Du möchtest kein Geld in Umbaumaßnahmen investieren
- Die Anlage ist technisch am Ende und ein Repowering lohnt sich nicht
- Du planst in den nächsten 2 bis 3 Jahren ohnehin ein Repowering oder den Verkauf des Hauses
Wichtig: Die Anschlussregelung ist als Übergangsregelung gedacht, nicht als Dauerlösung. Der Gesetzgeber hat sie eingeführt, um Anlagenbetreibern Zeit für die Umstellung zu geben. Die meisten Experten empfehlen, innerhalb von 12 bis 24 Monaten auf eine der folgenden Optionen umzustellen.
Option 2: Eigenverbrauch maximieren - die wichtigste Strategie
Die mit Abstand wirtschaftlichste Strategie für ausgeförderte PV-Anlagen ist die Maximierung des Eigenverbrauchs. Der Grund ist einfach: Jede Kilowattstunde Solarstrom, die Du selbst verbrauchst, ersetzt eine Kilowattstunde Netzstrom zu 35 Cent. Jede eingespeiste Kilowattstunde bringt Dir dagegen nur 5 bis 7 Cent. Der Eigenverbrauch ist also 5 bis 7 Mal wertvoller als die Einspeisung.
Ohne Speicher liegt der typische Eigenverbrauchsanteil einer Haushalts-PV-Anlage bei 25 bis 35 Prozent. Das bedeutet: Von 4.500 Kilowattstunden Jahresertrag nutzt Du etwa 1.125 bis 1.575 Kilowattstunden selbst. Den Rest speist Du ein. Durch einfache Verhaltensänderungen und den Einsatz von Zeitschaltuhren lässt sich der Eigenverbrauch bereits auf 35 bis 45 Prozent steigern.
Konkrete Maßnahmen zur Eigenverbrauchserhöhung
Verbrauch in die Sonnenstunden verlagern: Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler zwischen 10 und 15 Uhr laufen lassen. Viele moderne Geräte haben Startvorwahl-Funktionen, mit denen Du den Betrieb auf die ertragreichsten Stunden programmieren kannst.
Warmwasserbereitung mit Solarstrom: Ein Heizstab im Warmwasserspeicher (ab 500 Euro) kann überschüssigen Solarstrom direkt in Warmwasser umwandeln. Das erhöht den Eigenverbrauch um 10 bis 15 Prozentpunkte und spart Gas oder Öl für die Warmwasserbereitung.
Smart Home Steuerung: Intelligente Energiemanagement-Systeme (ab 300 Euro) schalten Verbraucher automatisch ein, wenn Solarstrom verfügbar ist. Systeme wie der SMA Sunny Home Manager oder der Fronius Smart Meter optimieren den Eigenverbrauch vollautomatisch und können den Anteil auf 40 bis 50 Prozent erhöhen.
Klimaanlage oder Wärmepumpe: Kühlgeräte und Wärmepumpen laufen idealerweise dann, wenn die Sonne scheint. Eine Split-Klimaanlage mit 2 bis 3 kW Leistung kann im Sommer erhebliche Mengen Solarstrom aufnehmen und gleichzeitig die Wohnqualität steigern.
Schon ohne Investitionen kannst Du durch clevere Verbrauchssteuerung 500 bis 700 Euro pro Jahr an Stromkosten sparen. Der Schlüssel: Verbraucher in die Sonnenstunden verlagern und ein Smart Home Energiemanagement einsetzen. Der Eigenverbrauch lässt sich so von 30 auf 45 Prozent steigern.
Rechenbeispiel: Eigenverbrauch optimieren
| Szenario | Eigenverbrauch | Selbst genutzt (kWh) | Ersparnis pro Jahr | Einspeiseerlös | Gesamtvorteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Ohne Optimierung | 30% | 1.350 | 473 Euro | 171 Euro | 644 Euro |
| Mit Zeitschaltuhren | 40% | 1.800 | 630 Euro | 147 Euro | 777 Euro |
| Mit Smart Home | 45% | 2.025 | 709 Euro | 134 Euro | 843 Euro |
| Mit Heizstab + Smart Home | 55% | 2.475 | 866 Euro | 110 Euro | 976 Euro |
Berechnung: 5 kWp-Anlage, 4.500 kWh/Jahr Ertrag, 35 Ct/kWh Haushaltsstrompreis, 5,4 Ct/kWh Einspeiseerlös nach Abzügen.
Option 3: Batteriespeicher nachrüsten - der Gamechanger
Die Nachrüstung eines Batteriespeichers ist für viele Besitzer ausgefördeter PV-Anlagen der entscheidende Schritt. Ein Speicher ermöglicht es, den tagsüber produzierten Solarstrom am Abend und in der Nacht zu nutzen - genau dann, wenn der Verbrauch im Haushalt am höchsten ist. Dadurch steigt der Eigenverbrauchsanteil von typischerweise 30 Prozent auf 60 bis 80 Prozent.
Die Speicherpreise sind in den letzten Jahren massiv gefallen. Lag der Preis 2020 noch bei 1.200 bis 1.500 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität, sind es 2026 nur noch 500 bis 800 Euro pro Kilowattstunde inklusive Installation. Ein 10-kWh-Speicher kostet damit zwischen 5.000 und 8.000 Euro.
Welche Speichergröße ist sinnvoll?
Als Faustregel gilt: Die nutzbare Speicherkapazität sollte etwa dem 1- bis 1,5-fachen des täglichen Stromverbrauchs entsprechen. Ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt verbraucht rund 12 kWh am Tag. Ein Speicher mit 8 bis 12 kWh nutzbarer Kapazität ist in den meisten Fällen ideal. Größere Speicher bringen nur marginale Verbesserungen beim Eigenverbrauch, kosten aber deutlich mehr.
| Speichergröße | Eigenverbrauchsanteil | Kosten (inkl. Einbau) | Jährliche Ersparnis | Amortisation |
|---|---|---|---|---|
| Ohne Speicher | 30% | 0 Euro | 644 Euro | - |
| 5 kWh | 55% | 3.500 - 5.000 Euro | 976 Euro | ~8 Jahre |
| 8 kWh | 65% | 5.000 - 7.000 Euro | 1.098 Euro | ~9 Jahre |
| 10 kWh | 70% | 6.000 - 8.000 Euro | 1.160 Euro | ~10 Jahre |
| 15 kWh | 75% | 8.500 - 11.000 Euro | 1.208 Euro | ~13 Jahre |
Die optimale Wahl für die meisten Haushalte: Ein 10-kWh-Speicher für rund 7.000 Euro. Er steigert den Eigenverbrauch auf 70 Prozent und amortisiert sich in etwa 10 Jahren. Bei steigenden Strompreisen verkürzt sich die Amortisationszeit entsprechend.
Worauf beim Speicherkauf achten?
- Nutzbare Kapazität: Entscheidend ist die nutzbare, nicht die Brutto-Kapazität. Lithium-Eisenphosphat-Speicher (LFP) bieten 90 bis 95 Prozent Nutzungsgrad.
- Zyklenlebensdauer: Mindestens 6.000 Vollzyklen sollten garantiert sein. Das entspricht bei einem Zyklus pro Tag einer Lebensdauer von über 16 Jahren.
- Kompatibilität: Der Speicher muss mit dem vorhandenen Wechselrichter kompatibel sein. In vielen Fällen ist ein Wechselrichtertausch sinnvoll oder sogar notwendig.
- Garantie: Achte auf mindestens 10 Jahre Garantie auf den Speicher und eine garantierte Restkapazität von mindestens 70 Prozent nach der Garantiezeit.
- Notstromfähigkeit: Viele moderne Speicher bieten eine Notstromfunktion, die bei Stromausfall die Grundversorgung sichert. Das ist ein sinnvolles Extra, aber kein Muss.
Empfehlenswerte Speichermodelle 2026 sind unter anderem der BYD Battery-Box HVS, der Huawei LUNA 2000, der Tesla Powerwall 3 und der sonnen eco. Einen unabhängigen Vergleich findest Du beim Stromspeicher-Inspektion der HTW Berlin.
Option 4: Direktvermarktung - Strom am Markt verkaufen
Bei der Direktvermarktung verkaufst Du Deinen Solarstrom nicht mehr zum fixen EEG-Tarif, sondern zum aktuellen Marktpreis an der Strombörse. Das klingt kompliziert, wird aber von spezialisierten Dienstleistern für Dich abgewickelt. Du musst Dich um nichts kümmern - der Vermarkter übernimmt den kompletten Handel.
Der sogenannte Marktwert Solar lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei etwa 5,8 Cent pro Kilowattstunde. In sonnenreichen Sommermonaten kann der Wert allerdings auf 3 bis 4 Cent fallen (Mittagsspitze bei viel Solareinspeisung), während er in den Wintermonaten und an bewölkten Tagen auf 8 bis 10 Cent steigen kann. Vom Erlös zieht der Vermarkter seine Gebühr ab, die typischerweise bei 0,2 bis 0,4 Cent pro Kilowattstunde liegt.
Anbieter für Direktvermarktung kleiner PV-Anlagen
| Anbieter | Mindestgröße | Gebühr | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Next Kraftwerke | Ab 100 kWp | 0,2-0,3 Ct/kWh | Größter Vermarkter Deutschlands |
| Lichtblick SchwarmEnergie | Ab 1 kWp | Variable | Auch für Kleinanlagen geeignet |
| Sonnen Community | Ab 1 kWp | Pauschal | Mit Speicher kombinierbar |
| Tibber | Ab 1 kWp | 0,2 Ct/kWh | Dynamischer Stromtarif inklusive |
| Enpal | Ab 3 kWp | 0,3 Ct/kWh | Full-Service mit Speicher |
Direktvermarktung vs. Anschlussregelung: Für die meisten Kleinanlagen unter 25 kWp ist der Unterschied zur Anschlussregelung nach Paragraph 21 EEG gering, da beide letztlich den Marktwert Solar als Grundlage verwenden. Die Direktvermarktung kann sich dann lohnen, wenn der Vermarkter Zusatzerlöse durch geschicktes Timing generiert oder wenn die Vermarktungsgebühr niedriger ist als die Pauschale der Anschlussregelung.
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht die aktuellen Marktwerte monatlich auf netztransparenz.de. Dort kannst Du nachschauen, welchen Erlös Du aktuell pro eingespeister Kilowattstunde erwarten kannst.
Der Marktwert Solar schwankt stark - im Sommer 2024 lag er zeitweise bei nur 2,5 Cent pro Kilowattstunde, im Winter 2025 bei über 9 Cent. Wer ausschließlich auf Einspeisung setzt, ist diesen Schwankungen ausgeliefert. Die Kombination aus Eigenverbrauch und Einspeisung ist daher fast immer die bessere Strategie.
Option 5: Repowering - neue Module, neue Vergütung
Repowering bedeutet den teilweisen oder vollständigen Austausch der alten Solarmodule und des Wechselrichters gegen moderne Komponenten. Die neue Anlage gilt rechtlich als Neuanlage und erhält entsprechend eine neue EEG-Vergütung für weitere 20 Jahre. Bei einer Inbetriebnahme im ersten Halbjahr 2026 liegt die Einspeisevergütung bei 7,94 Cent pro Kilowattstunde für Anlagen bis 10 kWp (laut Bundesnetzagentur).
Der entscheidende Vorteil beim Repowering: Moderne Solarmodule leisten deutlich mehr als die Modelle aus den 2000er Jahren. Während ein typisches polykristallines Modul von 2005 eine Leistung von 150 bis 200 Watt hatte, schaffen aktuelle Module 400 bis 450 Watt - bei gleicher Fläche. Das bedeutet: Auf dem gleichen Dach produzierst Du nach dem Repowering 30 bis 50 Prozent mehr Strom als vorher.
Was kostet ein Repowering?
| Komponente | Kosten 5 kWp | Kosten 10 kWp | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Neue Module (inkl. Montage) | 4.500 - 6.500 Euro | 8.000 - 12.000 Euro | Altmodule entsorgen inkl. |
| Neuer Wechselrichter | 1.500 - 2.500 Euro | 2.000 - 3.500 Euro | Hybrid-WR empfohlen |
| Unterkonstruktion (falls nötig) | 500 - 1.500 Euro | 800 - 2.500 Euro | Oft wiederverwendbar |
| Elektroinstallation | 500 - 1.000 Euro | 700 - 1.500 Euro | Zählerschrank ggf. erneuern |
| Gesamt | 7.000 - 11.500 Euro | 11.500 - 19.500 Euro |
Repowering vs. Weiterbetrieb: Wann lohnt es sich?
Repowering lohnt sich vor allem, wenn eines oder mehrere der folgenden Kriterien zutreffen:
- Der alte Wechselrichter muss ohnehin ersetzt werden (Defekt oder Effizienzabfall)
- Die Module zeigen deutliche Degradation (mehr als 25 Prozent Leistungsverlust)
- Das Dach wird ohnehin saniert (Ziegel, Dämmung)
- Du möchtest einen Speicher nachrüsten (Hybrid-Wechselrichter sinnvoll)
- Du möchtest die Anlagengröße erweitern (mehr Module auf gleicher Fläche)
Vorteile Repowering
- 30-50% mehr Leistung auf gleicher Fläche
- Neue 20-Jahre-EEG-Vergütung
- Neue Garantie auf alle Komponenten
- Hybrid-Wechselrichter ermöglicht Speicher
- Modernste Technik mit optimaler Effizienz
- Höherer Eigenverbrauch durch mehr Leistung
- Wertsteigerung der Immobilie
Nachteile Repowering
- Investition von 7.000-19.500 Euro nötig
- Montageaufwand: 2-5 Tage Baustelle
- Entsorgung der Altmodule erforderlich
- Neue Anmeldung beim Netzbetreiber
- Ggf. neuer Zählerschrank notwendig
- Aktuelle EEG-Vergütung deutlich niedriger als früher
Option 6: Kombination mit Wärmepumpe, Wallbox oder Heizstab
Eine der cleversten Strategien für ausgeförderte PV-Anlagen ist die Sektorenkopplung: Du nutzt den Solarstrom nicht nur für den Haushalt, sondern auch zum Heizen oder für die Mobilität. Dadurch steigt der Eigenverbrauch massiv - und mit ihm die Wirtschaftlichkeit Deiner Altanlage.
Wärmepumpe mit alter PV-Anlage kombinieren
Eine Wärmepumpe verbraucht typischerweise 3.000 bis 5.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Wenn Du eine 5 kWp PV-Anlage mit 4.500 kWh Jahresertrag besitzt, kann die Wärmepumpe 30 bis 40 Prozent ihres Bedarfs aus Solarstrom decken - ohne Speicher. Mit Speicher steigt dieser Anteil auf 50 bis 60 Prozent.
Bei einem Wärmepumpenstrompreis von 28 bis 35 Cent pro Kilowattstunde bedeutet das eine jährliche Ersparnis von 400 bis 700 Euro allein durch die Kombination PV plus Wärmepumpe. Über die gesamte Lebensdauer der Wärmepumpe (20 bis 25 Jahre) summiert sich das auf 8.000 bis 17.500 Euro. Mehr dazu in unserem Ratgeber Wärmepumpe mit Photovoltaik kombinieren.
Wallbox für E-Auto
Ein Elektroauto mit einem Jahresverbrauch von 2.500 bis 3.500 kWh bietet enormes Potenzial, überschüssigen Solarstrom sinnvoll zu nutzen. Eine solaroptimierte Wallbox (ab 800 Euro) lädt das E-Auto bevorzugt dann, wenn die Sonne scheint. Je nach Fahrprofil kannst Du 30 bis 60 Prozent des Ladestroms aus der eigenen PV-Anlage decken.
Bei einem Haushaltsstrompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde sparst Du dadurch 300 bis 700 Euro Ladekosten pro Jahr. Verglichen mit Benzin oder Diesel (ca. 7 bis 10 Euro pro 100 Kilometer) fährst Du mit Solarstrom für nur 1 bis 3 Euro pro 100 Kilometer.
Heizstab für Warmwasser
Die einfachste und günstigste Methode, mehr Solarstrom selbst zu nutzen: Ein Heizstab im Warmwasserspeicher. Ab 500 Euro eingebaut, wandelt er überschüssigen Solarstrom in Warmwasser um. Ein Regelungsmodul (z.B. my-PV AC ELWA-E) sorgt dafür, dass nur dann geheizt wird, wenn tatsächlich Überschussstrom verfügbar ist.
Ein 4-Personen-Haushalt benötigt rund 2.000 bis 3.000 kWh pro Jahr für Warmwasser. Mit einem Heizstab kannst Du davon 800 bis 1.500 kWh durch Solarstrom ersetzen. Das spart 150 bis 300 Euro Gaskosten pro Jahr. Die Investition amortisiert sich damit in 2 bis 3 Jahren.
Wir haben unsere 20 Jahre alte PV-Anlage mit einer Wärmepumpe und einem 10-kWh-Speicher kombiniert. Unsere Stromrechnung ist von 2.400 Euro auf 800 Euro pro Jahr gesunken. Die alte Gasheizung haben wir komplett abgeschaltet. Das hätte ich vor 5 Jahren nicht für möglich gehalten.
Wirtschaftlichkeitsvergleich aller Optionen
Welche Option ist für Deine Situation die beste? Das hängt von mehreren Faktoren ab: Anlagengröße, Stromverbrauch, vorhandene Technik und Investitionsbereitschaft. Der folgende Vergleich zeigt die Wirtschaftlichkeit aller Optionen für eine typische 5 kWp-Anlage mit 4.500 kWh Jahresertrag und einem Haushaltsstromverbrauch von 4.000 kWh pro Jahr.
| Option | Investition | Jahresvorteil | ROI | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Anschlussregelung (nichts tun) | 0 Euro | 243 Euro | - | Übergangsphase |
| Eigenverbrauch optimieren | 300-500 Euro | 843 Euro | < 1 Jahr | Sofort umsetzen |
| Speicher nachrüsten (10 kWh) | 6.000-8.000 Euro | 1.160 Euro | ~10 Jahre | Sehr empfohlen |
| Direktvermarktung | 0 Euro | 260 Euro | - | Nur Einspeisung |
| Repowering (10 kWp) | 11.500-19.500 Euro | 1.800-2.400 Euro | 7-10 Jahre | Langfristig top |
| Speicher + Wärmepumpe | 20.000-30.000 Euro | 2.500-3.200 Euro | 8-12 Jahre | Maximale Ersparnis |
Die beste Kombination für die meisten Haushalte: Eigenverbrauch sofort optimieren (Schritt 1), dann einen Speicher nachrüsten (Schritt 2), und bei Bedarf ein Repowering durchführen (Schritt 3). Jeder dieser Schritte erhöht den wirtschaftlichen Vorteil deutlich. Wer alles auf einmal macht, spart am meisten - sollte aber die Investition stemmen können.
Steuerliche Aspekte nach dem EEG-Ende
Die steuerliche Behandlung von PV-Anlagen hat sich in den letzten Jahren deutlich vereinfacht. Für Betreiber ausgefördeter Anlagen gibt es mehrere gute Nachrichten:
Einkommensteuer
Seit dem Jahressteuergesetz 2022 sind Einnahmen aus PV-Anlagen bis 30 kWp auf Einfamilienhäusern (oder bis 15 kWp je Wohnung bei Mehrfamilienhäusern, maximal 100 kWp insgesamt) vollständig von der Einkommensteuer befreit. Das gilt rückwirkend ab dem Steuerjahr 2022 und umfasst sowohl Einspeisevergütung als auch Direktvermarktungserlöse.
Für Altanlagen, die bisher als Gewerbebetrieb beim Finanzamt geführt wurden, empfiehlt sich der Wechsel zur sogenannten Liebhaberei. Dafür reichst Du einen formlosen Antrag beim Finanzamt ein. In der Regel wird der Antrag genehmigt, da die Gewinnerzielungsabsicht bei einer ausgeförtigen Anlage mit niedrigen Einspeiseerlösen ohnehin nicht mehr gegeben ist.
Umsatzsteuer
Seit 2023 gilt für die Lieferung und Installation von PV-Anlagen bis 30 kWp ein Umsatzsteuersatz von 0 Prozent. Für den laufenden Betrieb gilt: Wer die Kleinunternehmerregelung nach Paragraph 19 UStG anwendet, muss keine Umsatzsteuer auf die Einspeisevergütung abführen. Die Grenze liegt bei 22.000 Euro Umsatz pro Jahr - für PV-Anlagen im Privatbereich praktisch nie ein Problem.
Wichtig: Wer in der Vergangenheit zur Regelbesteuerung optiert hat (um die Vorsteuer beim Kauf der Anlage zu erhalten), ist grundsätzlich 5 Jahre an diese Entscheidung gebunden. Danach kann zum Jahreswechsel in die Kleinunternehmerregelung gewechselt werden. Bei ausgeförderten Anlagen, die seit mehr als 20 Jahren in Betrieb sind, ist die 5-Jahres-Frist längst abgelaufen.
Wenn Du Deine Altanlage mit einem Speicher oder neuen Modulen (Repowering) erweiterst, gilt der 0-Prozent-Umsatzsteuersatz auch für diese Investition. Du zahlst also keine Mehrwertsteuer auf Speicher, Module und Installation - ein enormer Vorteil, der die Wirtschaftlichkeit weiter verbessert.
Technische Prüfung: So bewertest Du Deine Altanlage
Bevor Du in einen Speicher oder ein Repowering investierst, solltest Du den Zustand Deiner Altanlage professionell prüfen lassen. Ein PV-Check durch einen zertifizierten Fachbetrieb kostet zwischen 200 und 500 Euro und liefert Dir eine fundierte Entscheidungsgrundlage.
Was wird geprüft?
Module: Visuelle Inspektion auf Mikrorisse, Verfärbungen (Browning, Snail Trails), Delamination und defekte Bypass-Dioden. Thermografie-Aufnahmen decken Hot Spots und defekte Zellen auf. Ein Leistungstest am Modulstrang zeigt die tatsächliche Degradation. Normal sind 0,5 bis 0,8 Prozent Leistungsverlust pro Jahr - nach 20 Jahren also 10 bis 16 Prozent.
Wechselrichter: Der Wechselrichter ist die anfälligste Komponente einer PV-Anlage. Nach 10 bis 15 Jahren steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit deutlich. Geprüft werden Wirkungsgrad, Isolationswiderstand, MPP-Tracking und die allgemeine Funktion. Ein Tausch kostet 1.500 bis 3.500 Euro, lohnt sich aber fast immer.
Kabel und Steckverbinder: MC3- und MC4-Steckverbinder können nach 20 Jahren korrodiert oder durch UV-Strahlung beschädigt sein. Fehlerhafte Verbinder sind eine häufige Ursache für Leistungsverluste und im schlimmsten Fall ein Brandrisiko. Die Prüfung und gegebenenfalls der Austausch kosten 200 bis 800 Euro.
Unterkonstruktion: Die Dachhaken und Montageschienen aus Aluminium sind in der Regel langlebig. Trotzdem sollten sie nach 20 Jahren auf Korrosion und festen Sitz geprüft werden, besonders an Übergängen zwischen verschiedenen Metallen (Kontaktkorrosion).
Checkliste: Wann lohnt sich der Weiterbetrieb?
- Module zeigen weniger als 20 Prozent Degradation: Weiterbetrieb sinnvoll
- Keine sichtbaren Schäden (Risse, Delamination, Hot Spots): Weiterbetrieb sinnvoll
- Wechselrichter funktioniert zuverlässig: Weiterbetrieb (ggf. Tausch einplanen)
- Kabel und Stecker intakt: Weiterbetrieb sinnvoll
- Module zeigen mehr als 30 Prozent Degradation: Repowering empfohlen
- Hot Spots oder Delamination sichtbar: Einzelne Module tauschen oder Repowering
- Dach muss ohnehin saniert werden: Repowering gleichzeitig durchführen
Förderungen und Finanzierung 2026
Auch für die Modernisierung und Erweiterung ausgefördeter PV-Anlagen gibt es 2026 verschiedene Fördermöglichkeiten. Die wichtigsten Programme im Überblick:
KfW-Förderung
Die KfW 270 (Erneuerbare Energien - Standard) bietet zinsgünstige Kredite für die Anschaffung von PV-Anlagen, Batteriespeichern und Ladestationen. Der effektive Jahreszins liegt 2026 bei rund 4,0 bis 5,5 Prozent - je nach Bonität und Laufzeit. Gefördert werden Neuanlagen, Repowering und Speichernachrüstung.
Die KfW 442 (Solarstrom für Elektroautos) fördert die Kombination aus PV-Anlage, Speicher und Wallbox mit einem Zuschuss. Das Programm war 2024 extrem beliebt und wurde mehrfach aufgestockt. Für 2026 ist eine Neuauflage mit angepassten Konditionen angekündigt. Aktuelle Informationen findest Du auf kfw.de.
Regionale Förderprogramme
Viele Bundesländer und Kommunen bieten eigene Förderprogramme für Batteriespeicher. Beispiele:
- Bayern: PV-Speicher-Programm mit bis zu 3.200 Euro Zuschuss
- Baden-Württemberg: Netzdienliche PV-Batterie-Speicher mit bis zu 1.000 Euro
- NRW: progres.nrw mit bis zu 150 Euro pro kWh Speicherkapazität
- Berlin: SolarPLUS mit bis zu 300 Euro pro kWh für Speicher
- Sachsen: Speicherprogramm mit bis zu 1.600 Euro Zuschuss
Eine aktuelle Übersicht aller Förderprogramme findest Du in der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz unter foerderdatenbank.de.
Umsatzsteuer-Vorteil
Nicht zu vergessen: Der 0-Prozent-Umsatzsteuersatz auf PV-Komponenten (Module, Speicher, Wechselrichter, Installation) gilt auch für Erweiterungen und Repowering bestehender Anlagen. Bei einer Investition von 10.000 Euro Netto sparst Du Dir damit 1.900 Euro Mehrwertsteuer. Diesen Vorteil gibt es nur bei Anlagen auf oder in der Nähe von Wohngebäuden bis 30 kWp.
Dein Fahrplan: So gehst Du jetzt Schritt für Schritt vor
✅ Dein 7-Schritte-Fahrplan für ausgeförderte PV-Anlagen
- EEG-Ende prüfen: Stelle fest, wann genau Deine EEG-Vergütung ausläuft. Prüfe Deinen Einspeisevertrag oder das Marktstammdatenregister. Plane mindestens 6 Monate vor dem Ende mit der Umstellung.
- Anlagen-Check durchführen: Lass einen zertifizierten Fachbetrieb den technischen Zustand prüfer Anlage bewerten. Kosten: 200 bis 500 Euro. Auf Basis des Ergebnisses entscheidest Du, ob Weiterbetrieb, Speicher oder Repowering sinnvoll ist.
- Eigenverbrauch sofort optimieren: Verlagere Großverbraucher in die Sonnenstunden. Setze Zeitschaltuhren oder ein Smart Home Energiemanagement ein. Kosten: 0 bis 500 Euro. Wirkung: sofort.
- Speicherangebote einholen: Lass Dir von mindestens 3 Fachbetrieben Angebote für einen Batteriespeicher erstellen. Vergleiche Preise, Garantie, nutzbare Kapazität und Kompatibilität mit Deinem Wechselrichter.
- Förderung beantragen: Prüfe KfW-Programme und regionale Fördertöpfe. Wichtig: Förderanträge immer vor Auftragserteilung stellen. Nachträgliche Anträge werden in der Regel abgelehnt.
- Wärmepumpe oder Wallbox prüfen: Wenn Du eine neue Heizung oder ein Elektroauto planst, kombiniere die Investition mit der Speichernachrüstung. Die Synergieeffekte sind erheblich.
- Repowering evaluieren: Wenn Deine Module stark degradiert sind oder das Dach saniert wird, prüfe ein vollständiges Repowering. Neue Module liefern 30 bis 50 Prozent mehr Leistung und erhalten eine neue 20-Jahres-Vergütung.


